Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
591-592
Einzelbild herunterladen

591 ringen

Riole 592

u. ahd. ringila, ringula, ringela f.«die nach altem Glauben mit ihren Blättern im Ringe, d. h. nach dem Kreislauf der Sonne sich wen- dende Sonnenwende, Heliotropy, ferner im Ahd. ringila f.«kreisförmiges Gebäck». 4B L. ringelig, adj., im 17. Jh. ringlich, mhd. ringe- leht, ringelot«geringelt, gekräuselty, md. ringe- lecht«rundꝰ, ahd. ringiloht«aus ineinander ge- wundnen Ringen gewoben». ringeln, v.: in Ringel schlingen, mhd. ringeln«mit qurch- zognen Ringen versehen, in Ringel bilden, kräuseln», ahd. giringelöt«aus Ringen gewoben». 2ZUS. Ringelblume, f.: die gelbblühende Pflanze calendula, mhd. ringelbluome m. f., weil der Same wie kleine Ringe gekrümmt ist. Ringelnatter, f., 1793 b. Nemnich, benannt nach den an ihrem Körper sichtbaren Ringeln. Ringelraupe, f.: die Raupe des Ringelspin- ners, dessen Weibchen die Eier in Gestalt eines Ringes um Astchen der Obstbäume legt. 1720 bei Frisch Insectenbeschr. 10 Ringel-Raupe. Ringelreihen, m., im 18. Jh. b. Hölty Ged. 60 Ringelreihn, 1768 nd. rikkelrei m. Ringel- rennen oder Ringelstechen, n.: Ritter- spiel mit Abstechen hangender kleiner Ringe im Rennen, dann das jenem Spiele nachge- bildete Karussel(s. d.). 1575 in Beyers Fecht- schule Ringlinrennen n., 1608 bei Sattler Wer- bungsbüchlein 217 das Ritterspiel des Ringlin rennens, 1616 Ring-Rennen bei Weckherlin2, 450 F. Ringeltanz, m., 1595 im Froschm. 1, 2, 25. Ringeltaube, f.: Taube mit weißem Ringel um den Hals, spätmhd. ringeltübe f.

tringen, v.(Prät. rang, Pl. àlternhd. rungen, Konj. ränge u. älternhd. rünge, Part. gerungen): in einer Kreisbiegung bewegen, z. B. Wäsche, die Hände; Körper an Körper die Kräfte mit, Anstrengung messend käümpfen; dann über- haupt kämpfen, worauf hin mit Anstrengung u. Andauer gegen Hindernisse tätig sein. Mhd. ringen, ahd. ringan(Prät. rang, Pl. rungun) u. hringan, im 12. Jh. am Niederrhein die hende wringen; dazu and.(Rt)zwringen causringen, mnd. wringen«zusammendrehen, drücken, win- denꝰ u. ringen ckůmpfen», nnd. wringen, mndl. wringhen«windend pressen», ags. zwr:ingan fest zusammendrehen, auspresseny, engl. wring, got. nur in wruggò f.«Schlingey. Dazu mhd. rangen csich winden, nebst Range(s. d.) u. rangsen (s. d.). Man stellt es als nasalierte Form zu würgen(s. d.). Dagegen Lidén Balt.-Slav. An- lautsgesetz9. 4L. Ringer, m. Ringkämpfer, mhd. ringer, ahd. ringäri m.

ringen, v.(Prät. ringte, Part. geringt):

mit einem Ring(Kreis) umziehen, in umringen (8. d.); mit einem Ring versehen. In der 2. Bed. mhd. ringen, ahd. ringõn(auch refl.) u. ringan, and. hringodi«geringelty. Von Ring(s. d.). ringern, v.: geringer machen, mhd. ringern, dafür bereits im 17. Jh. verringern, vom Komp. des Adj. ring(noch in Hebels Hausfreund), mhd. ringe, ahd. ringi, rinlci«leicht, gering», s. d. ringfertig, adj.: leicht, schnell im Gehen, Laufen, Sprung(Lichtwer Fab. 3, 13); leicht- fertig, Gefallen erregend, gefällig. Mhd. ring- verlic«leicht und schnelly. Zgs. aus ring(s. ringern) u. ferlig. Ringfinger, Ringmauer, rings, s. Eing. Rinken, m.(-‧d, Pl. wie Sg.), auch Rinke, f. (Pl.-n/): großer breiter Ring; Schnalle, Spange. Noch obd. In der 1. Bed. b. Luther 2. Mos. 25, 12; in der 2. Bed. mhd. rinke, ringge f. u. rinke m., ahd. hringa, rinka f., dazu and. hringa f., mnd. rinkte«Schnalley, anord. hringja f.«Spange, kleines rundes Gefäß». Von Eing(s. d.). Rinne, f.(Pl.-n): lange schmale Vertiefung, durch die Wasser rinnt oder abfließt, wasser- fortführende Leitung; längliche Aushöhlung (1599 bei Schütze Preußen 42). In der 1. Bed. mhd. rinne, renne, ahd. rinna f.; dazu mnd. renne, ronne, runne f.«Rinne, Kanal», nnd. renne, z. B. Steinerne Renne im Harz, got. rinnò f.«Gießbach», ags. rynel m. u. rinelle f. Bach», engl. rindle«Rinne». Von rinnen, v. (Prät. rann, Konj. ränne(bayr. rönne, früher rünne, Part. geronnen): flüssig od. wie flüssig sich fortbewegen;(von einem Gefäße) durch Ritzen Flüssigkeit auslassen(Sirach 21, 17, aber schon ahd. von tränenden Augen, mnd. rinnen «tropfen*). Mit starker Flexion mhd. rinnen (Prät. ran, Pl. runnen, Part. gerunnen), ahd. rinnan æfließen, laufen, rennen⸗; dazu asächs. rinnan, mnd. rinnen, mndl. runnen, rinnen, afrs. renna cfließen», ags.(mit Umstellung) irnan claufen», engl. run, anord. renna(Prät. rann) fließen, schwed. rinna, dän. rinde, got. rinnan «laufen, rennenn. In der letztern Bed. das Prät. rann noch bei Lessing 1, 212. Viell. urverw. mit abg. rinqti«stoßen, fließen⸗, lat. riwus m. Bach, aind. rindti«läßt laufen, läßt fließen». S. gerinnen, rennen, Runs, blutrünstig. 4. L. Rinnsal, n.(-els, Pl.-e); Flußbett, Rinne, 1596 bei Fronsperger Kriegsb. 3, 193 b als M., 172² als Ntr.; dazu anord. rensl, renal f. n. Lauf, Fahrt». ZUS. Rinnstein, m.: Gosse, 1595 bei Hennenberger preuß. Landtafel 485. Riöle, f.: Bücher-, Warenfach, bei Voß Luise 2, 68, aus nd. riole«Regal»(s. Regal).