Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
585-586
Einzelbild herunterladen

585 richtig

Riemen 586

bier, Richtessen, kost, Richtefesk. Richt- schnur, f., im 15. Jh. richtschnur(Voc. ex quo, Diefenb. gl. 428°), in übertragner Bed. bei Luther. Richtstatt, f.: Hinrichtungs- platz, 1532 in der Carolina Art. 193; im 15. Jh. richtstat f.«Gerichtsstätte»(Diefenb. gl. 311b). Richtsteig, m.: Weg, nach dem man sich richtet(Opitz 1, 9), auch Weg, der näher ist als der Hauptweg(1654 bei Frischbier preuß. Wb.), im 15. Jh. richtsteig«Grenz-, Querpfad.

richtig, adj.: gerade(Matth. 3, 3); mit der Anordnung, Ordnung, Bestimmung zutreffend. Mhd. rihtic, rihtec, ahd. rihlig«gerade», d. h. cohne alle Abweichung sich richtend, im Mhd. auch cin rechte Ordnung gebracht, gut. Von recht(s. d.). 4BL. Richtigkeit, f., 1425 riehticheit f.

Ricke, f.(Pl.-n): Rehgeiß. 1746 bei Döbel Jaäger-Pract. 1, 28 Riecke, Rehe f., im 16. Jh. Reche f.(Limmer. Chron. 23, 308, 27. Nach Btr. 7, 133 uralte Femininbildung zu Reh, was un- wahrscheinlich ist. Eher nach Zicke gebildet, wie denn für R. Rehziege, Rehgeiß vorkommt.

Ridikül, m.,(bayr. nur) n.(els, Pl.-e): Ar- beitsbeutel. 1813 b. Campe in der Modespraches. Aus glbd. frz. ridicule m., das für réticule m. steht, aus lat. réticulum n.«kleines Netz».

riechen, v.(Prät. roch, Konj. röche, Part. gerochen):(intr.) einen Dunst od. Geruch von sich geben;(tr.) durch die Geruchsnerven emp- finden. Mhd. riechen in beiden Bedd., md. auch rüãchen, ahd. riohhan, riuhhan rauchen, dampfen, Geruch von sich gebeno; dazu mnd. ruken, mndl. riecken, ruychen u. nndl. rieken, ruilen in beiden Bedd., afrs. riaka, reka crau- cheno, ags. réocan«rauchen, duften, engl. reek, anord. rjäka«rauchen, ausdünstens, schwed. ryka, dän. ryge(rauchen, losfahren, fallen). Die ülteste Bed. ist zweifellos rauchen». Laut- lich stimmt zum Germ. gr. épebreibor sich er- brechenv, lat. ęrügere«ausrülpsens, doch lassen sich die Bedd. kaum vermitteln. Vgl. aber Walde. Das Präs. lautet ahd. er riuhhit, mhd. riuchest, riuchet, daher älternhd. bis ins 18. Jh. (b. Gottsched) reuchst, reucht, ebenso der Imp. reuch; das Prät. mhd. rouch(md. rõôch) u. Pl. ruchen, ahd. rouh; das Part. mhd. gerochen. S. Rauch, Geruch, Ruch.

1Ried, n.(-els, Pl.-er): durch Rodung urbar gemachtes Land, Nebenform zu Reute (s. d.). Noch bayr., namentlich in Ortsnamen. Mhd. riet n., ahd. in Ortsnamen-riot,-riod. 2Ried, Riet, n.(-els, Pl.-e): Schilfrohr; mit Schilfrohr bewachsnes Gelände. Bei Maaler

1561 Ried, bei Schottel, Duez u. Stieler Riet u. Ried, bei Adelung Rieth. Mhd. riet, ahd. (h)riot n.; dazu andfrk. ried, mnd. rét, reit n. m., ndl. riet, afrs. rheid, reyd, ags. hréod n., engl. reed. Lautlich entspricht cräaid(aus *kroudis) chart, festy. Das Schilf wäre also nach der Härte benannt. ZUS. Ried-, Riet- gras, n., mhd. u. ahd. rietgras, and. hriodgras n. Riedheu, n., Anfang des 15. Jh. riet höwe n. Riedschnepfe, f., mhd. rietsnepf f.

Riefe, f.(Pl.-n): in Holz, Stein gezogner vertiefter Streifen. In Mitteldtschld. geläufig (1777 bei Adelung), aber eig. nd.; dazu nd. riffel ckleine Furche», rifeln«Furchen ziehen, mit Riefen versehen», ags. gerifod, gerifled, ge- riflod«mit Riefen versehen, engl. rivel«Falte, Runzel», rifle«mit Riefen versehnes Schieß- gewehr», anord. rifa f.«Ritz, Schlitz, Spalte?, zu anord. rifa«reißen, zerreißen⸗. Könnte zu reiben gehõren. 43 L. riefen, riefeln, v.: mit Riefen versehen.

Riege, f.(Pl.-n): Reihe; Schicht Steine od. Holz an einem Bau(1. Kön. 7, 12); Reihe od. Abteilung Turner(von Jahn aus dem Nd. aufgenommen). Bei Luther Ei(e)ge(S, 114 in der Bed.«zZeile, Verszeilen), bei Schönsleder 1618 Rig, mhd. rige, ahd. riga, mnd. rige f. «Reihe, Linies. Ablautend zu Reihe(s. d.).

Riegel, m.(-s, Pl. wie Sg.): schmales Schiebeholz oder eisen zum Verschluß einer Tür; Querholz zur Verbindung. 1482 im Voc. theut. bb 1 b ri(e)gel, mhd. rigel, ahd. nur in der 1. Bed. rigil m.; dazu and. in rigilstap«norma, mnd. regel m., mndl. ri*ghel, rijchel, engl. rail. Nach Idg. Forsch. 8, 54 urverw. mit lit. rainti «schließen⸗, räktas m.«Schlüssel⸗ und mit Schwebeablaut gr. àpxeiv«wehren, schützen, lat. arcére«verschließen, abwehren, verhin- derm, arm. argel«Hindernis⸗, argelum«schließe ein, wehre, halte abv. Besser aber zu lit. réεᷣxαεs f. pl.«Stangengerüsty». Auch md. ric m., mnd. rich n.«Querstangen(s. Reck)) könnte dazu gehören. 48L. riegeln, v., mhd. rigelen.

Riegelhaube, f.: eine Art kleiner gestick- ter Hauben in Bayern u. Tirol, die auf dem Lande auch Schleierleinhaube heißt, was auf eine frühere Schleierhaube schließen lüßt. Zgs. mit spätmhd. rige! m.«Schleier, Hauben, das wie ahd. riccula, riceila f.«Band entl. ist aus lat. räcula f.«Häubchen», dem Dim. von lat. rica f. Schleierhauber.

iRiemen, m.(, Pl. wie Sg.),(bayr. auch) Riem(els, Pl.-e): ledernes Band; schmaler Streifen wovon. In der 1. Bed. älternhd. Rieme,