563 Reise
hris n.«Gesträuch, Buschs, schwed.-dän. ris Reis, Rutey. Dazu viell. preuß. craysi«Halmꝰ, erays«Heu». Die weitre Verbindung mit got. hrisjan«schütteln»(Reis«sich Schüttelndes, Bebendes) ist höchst unwahrscheinlich. Dazu als Kollektiv Reisig, n.(s), mhd. risach, risech, md. im 15. Jh. risich, spätahd. εsᷣαwσ n., im 15. Jh. reisach, reisech, im 16. Jh. durch die Schreibung mit gverdrängt(reysig bei Mone Anz. 1, 93). ZUS. Reisholz, n., im 15. Jh. reisholtz(Tucher Baumeisterb. 73, 7).
Reise, f.(Pl.-n): Gang od. Fahrt von einem Ort nach einem entferntren. Mhd. reis(e) f. «Aufbruch, Zug, insbes. Kriegszug, Heerfahrt, ahd. reisa f.«-Fortbewegung u. Zug auf einem Wege?. Entl. mnd. reise, u. daraus spätanord. reisa, schwed. resa, dn. reise. Zu got. urreisan, asächs. risan, ags. risan, anord. rısa aufstehen, sich erhebenꝰ, ahd. risan, mhd. risen«steigen, falleny(s. rieseln). Weitre Beziehungen sind ganz unsicher. Aus dem Germ. entl. afrz. raisef. Kriegszugy. 4BL. reisen, v.: sich fernhin fortbewegen, mhd. reisen(bes. eine Heerfahrt tun, zu Felde ziehn), ahd. reisön«zum Wohin- gehen aufbrechen, sich fertig machen, zurüsten, bereiten, einrichten». reisig, adj.: dem Kriegs- zug angehörig, mhd. reisec, reisic zum Heer- zug gerüstet od. gehörig, berittenꝰ, mnd. reisich, mndl. reysigh; daher im 15. bis 18. Jh. der reisig zeug ædie Reitereiy. Subst. Reisige, m.(-n, Pl.-n): Reiter, berittner Krieger, spätmhd. die reisigen. Kaum zu reiten. ZIUS. Reis- laufen, n.: Laufen in fremden Kriegsdienst ohne Vorwissen u. Genehmigung der gesetz- lichen Obrigkeit. Ein in der Schweiz seit dem 15. Jh. bis zur Auflösung des päpstlichen Heeres 1870 geübter Brauch. 1627in Stettlers Annales 1, 207 b Reisgeläuff(zum J. 1472).
Reiß, n.(es, Pl.-/): fette Netzhaut. Wetterau. 1540 bei Alberus dict. Ee 2 5.
reißen, v.(Prät. riß, Konj. risse, Part. gerissen):(intr.) gewaltsam aus festem Zu- sammenhange sich trennen;(tr.) gewaltsam aus festem Zusammenhange trennen; schnell gewaltsam ziehen; nur in Zügen entwerfen (zunächst vom Holzschnitt u. Kupferstich, im 16. Jh.). Mhd. rizen, im 14. Jh. reizen, ahd. rizan(Prät. reiz,(Part. girizzan)«mit Gewalt trennen, einschneiden, einritzen», dann(da die Runenzeichen auf Buchenstäbchen eingeritzt wurden)«schreibens, im Mhd. auch«zeichnen»; dazu asächs. zritan zerreißen, verwunden, schreibeny, ndl. wryten«sich reißen, sich streiten», afrs. writa, ags. writan, engl. write,
reiten 564 anord. rita«schreiben», got. nur in writs m. «Strich in der Schrifty(s. Riß). Außergerm. Verwandtschaft fehlt. Vgl. Rit, ritzen, reizen. Subst. Reißen, n. das Reißten, Ziehen in den Gliedern. Im 18. Jh. Unter Einfluß dieses Wortes entstand volkstümlich Reißmatismus statt Eheumatismus. ZUS. Reißaus, m.: schnelle Flucht; feiger Flüchtiger; wer Kleider, die er anhat, leicht zerreißt. In der 1. Bed. 1595 bei Hennenberger preuß. Landtafel 226 Reisaus nehmen, 1648 bei Kemnitz schwed. Krieg 1, 212² das Reisaus. Eig. Imp. reiß aus! Reißblei, n.:(wie ein Blei angesehne) Eisenkohle zum Zeichnen, Graphit, 1664 bei Duez. Reißbrett, n.: Brett zum Aufspannen von Zeichenpapier, im 17. Jb. Reißfeder, f.: Feder zum Zeichnen scharfer Linien, 1712 pei Hübner. Reißkohle, f.: Kohle zum Zeichnen, 1562 bei Mathesius Sarepta 138 b Reißkol. Reißzeug, n.: Werkzeug zum Umrißzeichnen, 1660 bei P. Fleming 639 als m.
Reiste, bayr. nur so, Riste, f.(Pl.—n): oben zusammengedrehter u.-geschlungner Büschel gehechelten Flachses, Kaute. Mhd. riste, ahd. rista f.; dazu mnd. riste, risse, mndl. riste, nndl. rist, ris. Zu ahd. ridan, mhd. riden, mnd. zwredlen, ags. wridan, engl. writhe, anord. rida«winden, drehenꝰ, altschwed. vrida cdrehen, flechteny. Vgl. Feitel.
Reitel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Drehstange, kurze dicke Stange, Knüttel. Mhd. reitel, reiclel m., in md. u. obd. Ma. Fesdel, Rödel, Nädel, Riedlel, Rattel; dazu mnd. wredlel, und. wreil, wreul m. Zu ahd. riädan, ags. wridan drehen, winden»(s. Reiste). 1L. reiteln, v.: mit der Drehstange zusammenschnüren, 1556 bei Frisius 712 b reitlen, nd. wreddeln, wreudeln, wreilen, mhd. nur in verreiteln«einhegen?.
reiten, v.(Prät. ritt, Konj. ritte, Part. ge- ritten):(intr.) aufsitzend sich fortbewegen od. auch fortschieben; aufeinem sich fortbewegend. Tiere sitzen;(tr.) aufsitzend fortbewegen(z. B. ein Pferd r.); bespringend befruchten(15. Jh.); (übertragen) sich stark mit etwasabgeben(sein Steckenpferd r., auf etiwas herumreiten, z. B. aufeinem Prinzip, Pandektenreiten[wohlurspr. stud.], die Elle reiten[vom Sehnittwaren- händler, daher Ellenreiter], Wechsel reiten. Mhd. riten(auch einen Kriegszugunternehmen, zunächst überhaupt sich fortbewegen, Prät. reit, Plur. riten, Part. geriten), md. riden(auch zu Schiffe fahren), ahd. ritan(auch aufsitzend fahren, auf einem Wagen fahren, nebst ahd. reita u. reiti f.« Wagenꝰ?); dazu and. umbirdden


