Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
535-536
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535 raten

Rätter 536

Campe pro rata«xanteilmäßig») aus mlat. rata f., für lat. rata pars f.«der jemand betreffende berechnete Teil», von lat. ratus«berechnet, ausgerechnet, festbestimmt», dem Part. Perf. von lat. réri«meinen, urteilen». ZUS. raten- weise, adv. Ratenzahlung, f., 1834 b. Petri.

raten, ratfragen usw., s. Rat.

ratifizieren, v.: bestätigen, genehmigen, vollziehen. 1500 in Reichsordn. 43 b ratificiern, 1573 in den Scriptores rer. Siles. 4, 244 ff. Rati- fication. Aus glbd. mlat. ratificare, lat. ratum facere, von lat. ratus æfestbestimmt, gültig», urspr. Part. zu réri«berechnen, urteilen.

Ratin, f.(Pl.-en): tägliches Speise-, Futtermaß. 1716 bei Ludwig, 1703 im Zeit.- Lex. in lat. Form rationes«was denen Soldaten geliefert wird», aus glbd. frz. ration f., von lat. ratio f. Berechnung, UÜberlegung, Vernunfto, im Mlat. auch«berechneter, gebührender Teil an Mundvorrat». rationãl, rationéll, adj.: vernunftmäßig; völlig ausrechenbar. Bei Schiller u. Goethe. Aus glbd. lat. ratiõnãlis, frz. rationnel, von lat. ratio f. Dazu Rationa- list, m.: Vernunftgläubiger, Vernunftmensch (Spät im 18. Jh.), u. Rationalismus, m.

Ratönkuchen, m. in einer besondern run- den Form gebackner hoher mürber Kuchen. 1664 bei Duez frz. raton m.«ein klein rund Küchlein wie eine Mauß», von frz. raton m. ckleine Ratten.

Ratsche(öst. nur so), Rätsche(mit ã,), f.(Pl.-n): die Rassel der Nachtwuächter; die statt der Glocken in der Karwoche dienende Klapper; auch schwatzhaftes altes Weib. In der 2. Bed. 1618 bei Schönsleder Rätschen f., 1657 bei Speidel Speculum 507 Rädsche, im Reg. Retsche. Schweiz. Rätschen f.«die Hanf- breche», schon 1561 b. Maaler. Von tratschen, obd. rãtschen, v.: schnarrend tönen; klappern. Mhd. retschen«schnarren, schwatzen» u. ratzen «Kratzen, rasseln»; in der 2. Bed. kirehlich 1618 bei Schönsleder rätschen«mit der Turm- klapper klappern»; dazu schweiz. rätschen«den Hanf brechenꝰ, 1537 bei Dasypodius. Wurzel- verw. mit rasseln.

ratschen, rätschen, v.: leidenschaftlich spielen, nur in Karten ratschen od. rätschen, hess. u. westerw., schon in der landgräfl. hess. Fischordnung von 1642 rätschen, nach Weigand aus tschech. hräã m. Spieler» u. hräti, poln. grad spieleny. Zweifelhaft.[usw., s. Rat.

Ratschlag, Ratschluß, Ratsdiener

1 Rätsel, n.(-s, Pl. wie Sg.): zum Erraten Gegebnes. Spätmhd. im 15. Jh. rätsal, rœtsel,

rœtsele n., zu Anfang des 15. Jh. rätczal, im Voc. 1482 aa u. bei Luther Retzel, daher älternhd. bis Ende des 18. Jh. Rützel(Räzel Schiller Kab. 5, 7), mit der Dim.-Bildung Reta- lein(1578 bei Mathesius Sar. 62 b, 1562 Reitz- lein), Rätzlein(1591 b. Decimator Sylva vocab. Rr 22), Räthslein(1605 bei Hulsius), aber 1678 bei Krämer Rathsel, Räthsel. Eingedrungen aus dem Nd., and. rãdislo m., rãdisli, mnd. rãdelse, rédelse, mndl. raedsel, reedsel, nndl. raadael n., ags. rãẽdels m.(daher engl. ıddle). Von raten(s. d.), wie die glbd. ahd. rätisca f. neben rãtissa, rãtussa f., mhd. rãtische, rœætische, rœtsche, entstellt ræœtersche f., daher häufig im 15. u. 16. Jh. Rätersch, Räterschen, Räters f. 4BL. rätselhaft, adj., 1691 bei Stieler. 2²Rätsel, n.(-s, Pl. wie Sg.): Mensch mit zu- sammengewachsnen Augenbrauen. Bei Goethe 27, 232 Räzel, 27, 361 Räthsel. 1666 bei Präto- rius Anthropodemus 1, 335 eine Art Nachtgeist. Viell. Dim. zu Ratz m.«IItis, Marder», da nd. mürte«Marder» auch einen Menschen mit zu- sammengewachsnen Augenbrauen bezeichnet. Obpfälz. sind Rätsel«Kobolde Hausgeistery.

Ratte, f.(Pl.-n): das Säugetier mus rattus, im Altertum noch unbekannt. Mhd. ratte f. u. rat, rate m.(noch älternhd.), Ratt m., ahd. ratta, radda f.(12. Jh.) neben rato m.(9. bis 10. Jh.); dazu andfrk. ratta f., mnd. u. mndl. rotte f., nndl. rat, rot f., ags. rœæt m., engl. rat (entl. dän. rotte, schwed. ratta), woraus mlat. rato u. rat t)us m., daher frz. rat u. raton m., ital. ratto m. Vgl. Ratz, Ratze. Wegen dieser Nebenform wohl echt germanisch u. wurzel- verw. mitraeh, eig. der Nagery. ZUS. Ratten- fänger, m., 1664 b. Duez. Rattenkönig, m: mit den Schwänzen verwickelte Ratten, 1535 bei Schwarzenberg 119 b, als Schimpfname bei Luther 6, 92 5b J. Rattenpinscher, s. Pin- scher. Rattenschwanz, m.:(bildl.) dünner Haarzopf, 1628 bei Opel u. Cohn 30 jähr. Krieg 413, 5 Rattenschaänalein.

Rattel, f.(Pl.-n): Klapper, nd. Form von Rassel(s. d.); dazu ratteln, v.: klappern, 1678 bei Krämer rattelen.

Rätter, m.(-s, Pl. wie Sg.): Getreide- u. Erzsieb. 1557 b. Agricola Bergbuch 230 räder m., von mhd. reden(noch obd., hess., wester- wäld., auf der Eifel), ahd. redan«sieben, sichten⸗, davon 1482 im Voc. theut. aa 6 b rede- sih n., 1642 bei Duez Rädsieb. Urverw. mit lit. Kretalas m.«Sieb», krech«schüttele», ir. crothim æich schüttelen. Mit Reiter(s. d.) läßt es sich unter Annahme von Schwebelaut, idg.