Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
529-530
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529 Raptus

rasen 530

Raptus, m., wohl nur in der EA. einen

R. haben(1710 bei Nehring), entl. aus mlat. raptus«Verzückung des Geistes, Unsinnigkeity.

Rapünzchen, n:: die Salatpflanze valeriana locusta. 1711 bei Rädlein Rabäntzgen, Ra-, Repüntzgen. Diminutivbildung aus glbd. mlat. rapuncium, rapontium n., von lat. rãpum n. Rübe». S. Rapunzel.

Rapünzel, m.(-s), auch(bayr. nur) f., (Pl.-n): die Salatpflanzen campanula rapun- culus, valeriana locusta u. phyteuma spieata. 1533 bei Rößlin 287 b u. 1546 bei Bock 277² Rapnntzel f. Nicht aus spätmlat. rapunculus m. Rübchen», sondern eine Weiterbildung d. glbd. mlat. rapuncium, rapontium n., zu welchem das Ntr. Rapüntzle(Maaler 1561), Rabüntzle (Frisius 1541 Bl. 736 b), Rapintele(Pinicianus 1516 A), 1616 bei Henisch Rapantalin, Diminutivbildung ist. S. Rapünzchen.

Rapüse,(bayr. auch) Rappüse, auch Rabuse, f.: das Preisgeben zur Wegnahme. Bei Luther 2, 259 b in die Rappuse komen, 4, 185 b in die Rapus werfen, Jer. 15, 13 in die Rappuse geben, eig.«zu jedermanns Ein- schnitt ins Kerbholz dargeben od. kommen? (urspr. wohl als Landsknechtswort«aufs Kerb- holz, zum Pfand für Wirtshausschulden»), 1517 bei Trochus J missilia(vom Kaiser unter das Volk geworfne Geschenke) quae mittuntur in medium collatum in dy rapueßen, noch md. Rappuschef.«allgemeine Plünderung, wobei alles drauf u. drunter geht, Wirrwarr», bei Goethe 1, 151 Rapaschchen n. als Karten- spiel mit durcheinander geworfnen Karten. Hervorgegangen aus einer Vermengung des nd. u. md. Rappse f.«das Rappsen, schnelle Zugreifen eines jeden bei preisgegebnen Sa- chen⸗(Brem. Wb., Bernd Posen 233), nass. Rappsch f.(Kehrein 1, 322), mit spätmhd. (15. Jh.) rabusch, rabüsch, rabasch m.«Kerb- holzy, im 16. Jh.(Mathesius Sar. 902 u. 316 b) u. noch bayr.-öst. Rabisch m., aus tschech. rabuse f., serb. rabosch m. Kerbholz». Vgl. rapsen, ripsraps. Eine ganz andre Erklärung bei Schröder Streckf. 67 ff.

rar, adj.: selten. 1663 bei Schuppius 163, mnd. im 16. Jh. rär. Aus lat. rärus un- dicht, vereinzelt, selten». Rarität, f.(Pl.-en): Seltenheit, 1650 bei Moscherosch Phil. 2, 870, 1669 im Simpl. 69, aus glbd. lat. rãritas f.

rasâunen, v. wild lärmen(Musäus Volksm. 2, 122). Bes. md., aber auch ndd. Mhd. sich rasênen asich ordnen, sich scharen», wohl zu- nächst«mit Lärm, zurückgehend auf prov. ra-

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. II. Bd.

sonar, razonar«überlegend ordneny. Anders Schröder Streckformen 74.

Rasch, m.(-es, Pl.-e): ein leichtes lockres Wollenzeug. 1678 bei Krämer(ital. rascia); mnd. raß, ndl. 1598 ras,(engl. rash«zZeug aus glatter Wolle od. Seide), gekürzt aus spätmhd.(1417) arras,(1370) arreis, benannt nach der Stadt Arras in den Niederlanden, jetzt in Nordfrankreich, wo dieser Zeugstoff (mlat. arrasium, arracium, engl. arras) ver- fertigt wurde. Davon raschen, adj.: aus Rasch gemacht, md.(1399) arrazin.

rasch, adj.: reißend geschwind. Mhd. rasch, ahd. rasc, mit den Nebenformen mhd. resch (noch bayr. resch), risch, rosch, räsch, ahd. reski, rose«feurig(vom Geiste), hitzig, sehr lebhaft, reißend geschwind, flink, tüchtig, kriegstüchtig», verwandt mit ahd. raskezzan «Funken sprühen, funkeln», ags. rœscetung f. cdas Funkeln»; dazu mnd. u. mndl. rasch, entl. engl. rash chastig», dän.-schwed. rask. Anord. röskr zur Reife gelangt, tüchtig», ist nicht verwandt. Weitre Anknüpfung ist unsicher. Das Adv. lautete ahd. rasco, mhd. rasch(e). Davon raschen, v.: in äberraschen (dafür 1631 bei Zinkgref Apophth. 2, 116 über- rauschen); Raschheit, f., 1691 bei Stieler.

rascheln, v.: schnelles Geräusch machen im Laube, Stroh usw. Zuerst b. Schlesiern, 1661 Lohenstein Cleop. 66, Steinbach 1734. Iterativ zum glbd. schles. raschen, von rasch(s. d.).

Rasen, m.(-s, Pl. wie Sg.): grasbewachsne Erde. Spätmhd. im 14. u. 15. Jh. rase m., 1470 md. rasen, die md. Form für mnd. zrase, nnd. rose, götting. brãsen, vrdãsen, hess. frasen, oberd. dafür Wasen, mhd. wase, ahd. waso m., das wurzelverwandt wäre, wenn man Ausfall eines r annehmen dürfte. Anknüpfung in den verw. Sprachen ist unsicher. Ist ndd. Wrasen m.(s. d.) Brodem», schon mnd., verwandt, so könnte man épcn f.«Tauy vergleichen.

rasen, v.: von Sinnen u. darum gewaltsam ungestüm sein; überhaupt lürmend, geräusch- voll ungestüm sein(1556 bei Wickram 4, 199, Fischart Garg. 72). In der 1. Bed. md.(u. mhd.) um 1300 räsen«tobens; dazu mnd. räãsen cunsinnig sein», rãs m.«heftige Strömung», clev. 1477 raisen unsinnig toben», ndl. 1598 raesen, ndl. razen, ags. rãsettan«rasenꝰ, rãνεsan «worauf losstürmen», rαs m.«Angriff, Sturmy, (engl. race), anord. rãsa cungestüm laufen, rasen», rãs f.«hastiger Laufs; dazu mit Ab- laut anord. rasa«gleiten, stürzens, ras n. Eile»; dazu gr. épuetv«fließen, strömen, her-

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