515 Rachitis
Rädelsführer 516
ahd. rehhari m., md. im 15. Jh. wrecher(Diefenb. gl. 620 a), ndrhein. 1495 zwrecher(Köln. Gemma 2 4²), clev. 1477 wreecker, mnd. wreker m.
Rachitis, f., auch Rhachitis: englische Krankheit. Das glbd. gr. boxiric f., ergänze võcoc f.«Krankheit», zu gr. pdxic f.«Rücken», also Rückgratskrankheit.
1Rack, m.(-Lels, Pl.-e): die Mandel-, die Saatkrähe(Voß Luise 1, 620). Auch Racke f. (Pl.-n), am üblichsten Racker m., nd. racker. Benannt nach dem Schrei des Vogels rack rack.
2Rack, m.(-es): Arrak(s. d.), bei Klopstock u. Voß, 1720 im Robinson 1, 423, nach engl. racx.
rack, adj.: straff, steif. Rhein. Mhd. rac(h) (Gen.-hes), gleichen Stammes wie ragen(s. d.). ZS. racketot, adj.: gänzlich tot, im 16. Jh. im Garg. 402 rack tod, in der Zimm. Chron.² 2, 345, 11 racks dodt, 1617 bei Messerschmidt Esels Adel 46 ragtodt. Vgl. Zfd W. 4, 317.
rackeln, v.:(durch Kratzen) widerlich rauh tönen, schnarren(von Saiteninstrumenten, bei Wieland Amadis 2, 71 entgegenrackeln); (magdeburg. an der Tuür rackeln adie Tür zu öffnen versuchen u. dabei Geräusch machen). Lautmalend, kaum von frz. räcler«schaben, kratzen, auf den Saiten der Geige kratzen», prov. rascler.
Racker, m.(-s, Pl. wie Sg.): Schinder, Henkersknecht, dann als Scheltwort(Lessing 1,515 u. 5, 337);(jetzt auch) junger, loser Mensch. Von Norddtschld. aus nach Mittel- u. Süddtschld. vorgedrungen. In urspr. Bed. 1572 b. Fischart Prakt. Großm. 11 Ragker, aus mnd. racker, racher m.«der den Unflat Fortschaffende, Ab- trittsfeger, Abdecker, Schinder, Totengräber', auch als Schimpfwort, ndl. rakker m.«Scherge, Häschers, vonmnd. racke, rache f.«Kot, Unflat», racken«den Unflat fortschaffew, nd. raken sstreichen, fegen, scharren', anord. raka cschie- benm, zu got. rilcan(s. Rechen). 4BL. rackern, v. in abrackern(s. d.), nd. rackern, urspr.«un- flätige Sachen wegschaffen»(1802 bei Schütze holst. Id.).
Racket, n.(-s, Pl.-s), engl. Form für Rakett(s. d.), in neurer Zeit als Bezeichnung des Schlägers beim Tennisspiel übernommen.
Rad, n.(-Lels, Pl. Räder): der um seine Achse bewegliche Kreis zum Fahren, Bewegen usw.; das Fahrrad, Veloziped(in neuster Zeit). Mhd. rat, nhd. radn., der Pl. mhdâ. rat, reder, ahd. rad, redir, âlternhd. auch Rade(1604 b. Colerus Hausb. 3, 108); dazu and. rath, mnd. rat, rad, mnädl. rad, afries. reth n. Urverw. mit lat. rota f., ir. roth m., kymr. rhõd(altgall. petor-
ritum eVierrad, Wagen), lit. rãtas«Radꝰ, aw. rapa- m.«Wagenkasten», aind. räthas m. Wagen, Streitwagen». 4BL. radeln, v.: Rad fahren, Radler, m. Beide erst in neurer Zeit. Vgl. Ladendorf. rädern, v.: mit und auf dem Rade hinrichten. Mhd. rederen. Vgl. radebrechen. ZUS. radebrechen, v.(Prät. dbrechte, Part. geradebrecht): eine Sprache stümperhaft sprechen, 1647 b. Rompler Reim- getichte 56 das Teütsch radbrechen, 1678 bei Krämer die Wort radbrechen; aber in urspr. Bed. mhd. radebrechen«auf dem Rade hin- richten(die Glieder brechen), rädern», ebenso im mrhein. Voc. ex quo 1469 ratbrechen, mnd. radebraken, mndl. radbraecken. Rademacher, m.: Wagenrädermacher, Wagner, nordd., 1429 md. rademecher(Liliencron 1, 303 2), mnd. im 15. Jh. rademaker u. 1420 rademeker(Diefenb. gl. 501 2), mndl. radmaecker.
Radäu, m.(-els): Lärm, Unfug. Bei Kluge Rotwelsch 1, 423 aus der Kundensprache be- legt. Seit den 70er Jahren des 19. Jh. von Berlin aus vorgedrungen. Vgl. Ladendorf.
Rade,(bayr. nur) f.(Pl.-n) u. Raden, m.(5s, Pl. wie Sg.): das Unkraut im Getreide (lat.) agrostemma. Das F. bes. in Mitteldtschld. (1604 bei Colerus Hausb. 3, 124 Rade f.), sowie els.-bayr. Ratte f., aber mhd. ra(¼)te u. ra(t)ten m., ahd. rato, rado, ratan, radan m., im 15. Jh. radel, and. rado, mnd. rade, raden, radel m. Bei Schottel 1663 u. Stieler 1691 die Neben- form Ratwen, henneberg. Ratme m., in Sal- zungen Radem m. Unerklärt.
Radeberge, f.(Pl.-/): einrädriger Schub- karren. Md., bayr. meist in der Form radeber, nürnberg. radovern. Mhd. radebere f., zgs. aus Rad(s. d.) u. spätmhd. bœære f.«Traggestell, Gestell auf einem Karren»(s. Bahre).
Radehacke, Radehaue, f. eiserne Hacke zum Roden od. Aufräumen. 1731 b. Zinck öcon. Lex. Radehacke, mnd. rodehackce, im 16. Jh. bei G. Agricola(† 1555) radehaawe f., md. 1427 rode- hauawe(Frankfurter Baumeisterbuch), von md. roden causreuten⸗, mnd. roden, raden.
Rädelsführer, m.(-, Pl. wie Sg.): An- führer zu bösem Tun. Ende des 16. Jh. bei Schweinichen 2, 117 R., 1566 b. Mathes. Luther 43 b(98, 4 Ndr.) Redelfürer, 1541 b. Frisius 772 u. 265 b Rädli-, Rädlefhrer, 1534 bei Franck Weltb. 154 b Recllinfärer, 1555 im Augsburg Reichsabschied 17 b Redlinsfürer m.«Anführer, insbes. Anführer herrenlosen Kriegsvolks, dann Anstifter». Aus der Landsknechtssprache, wo Rädlein«Kreis, Ring, in den man zusammen-


