Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
489-490
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489 puff

Pult 490

puff! Interj. des dumpfen Schalles von ausbrechender Luft, insbes. des Schusses, dann von einem Schlag, Wurf u. dgl. Bei H. Sachs 2, 391, 14. Früher auch buff(z. B. bei Schottel). Lautnachahmend.

1Puff, n.(-els): Spiel mit 2 α15 Steinen des Damenbrettes u. mit 2 Würfeln. Früher m. u. Bufr. Schon um 1280 mhd. buf m. von dem Wurfe gleicher Zahlen im Brettspiel. Wohl eins mit dem vorigen; die Benennung von dem Geräusch der aufschlagenden Würfel.

»Puff, m.(-Lels, Pl. Püffe, bei Herder Cid 61): dumpfer Schall ausbrechender Luft; dumpf schallender(Faust)schlag oder Stoß (1512 bei Murner Narrenbeschw. 80, 134). Im 15. Jh. buf, puf(1412 Pl. püffe), büff, 1477 clev. buff«Schlag, Stoßy. Entlehnung aus afrz. buffe f.«Schlag auf die(aufgeblasne) Backe, ins Gesicht», frz. bouffe f.«Aufblasen der Backey anzunehmen, ist nicht nötig, da sich das deutsche Wort als lautnachahmend genügend erklärt. 4BL. puffen, v.: dumpf schallen(von ausbrechender Luft, das Bier puff!), bei Luther; dumpf schallend schlagen, bes. mit der Faust(1540 bei Alberus dict. c 2 b ich püff u. b 2 b büff«schlage?). Im Nordd. werden die beiden Bed. teilweise als puffen u. buffen unterschieden.

sPuff, m.(Jels, Pl.-e): bauschige Auf- blähung am Kleide, z. B. am Armel eines Frauenkleides, an Beinkleidern(mit Puffen bei Goethe 21, 142). Bei Fischart Ehz. 530. 1477 clev. buf m., in einem Kölner gloss. des 14. Jh.(Mone Anz. 4, 254, 146) buffe f.-Auf- blähen des Mundes, d. h. der Backens». ³. könnte zu 2. gehören, da die Bedeutungs- entwicklung keine Schwierigkeiten bereitet, könnte freilich auch aus dem Rom. stammen, frz. bouffe f.«Aufblasen der Backe, die ge- schwollne Backe» aus mlat.(im 13. Jh.) bffa f. Da auch das Rom. den Stamm buff kennt, so ist nicht zu entscheiden, wie weit Ursprüng- liches u. wie weit Entlehnung vorliegt. 48 L. puffen, v.: sich bauschig aufblähen; bauschig machen. Das Haar büffen, bei Keisersberg Brösaml. 12 ², 1605 bei Albertinus weibl. Lustg. 219 b puffen. ZUS. Puffärmel, m.: gepuffter Armel.

4 Puff, m.(-Lels, ohne Pl.): in Halle a. S. das gemeine Stadtbier; durch Aufguß von Wasser auf gekeltertes Obst gewonnener Wein, Nachmost, schlechter Obstwein. 1691 b. Stieler u. 1663 bei Prätorius Saturnalia 16 in 1. Bed., wohl scherzh. Anwendung von ²Puff in 1. Bed.,

eig. wohl s. v. a.«ein starkes Aufsteigen aus d. Magen verursachendes schlechtes Getränk».

Puffbohne, f.: die Pferde-, Saubohne vicia faba, von der schwellenden Gestalt. Im 18. Jh. S. 2 Paf.

Puffe, f.(Pl.-n), Nebenform von 3Puff.

puffen, s. ² u. 3 Puff.

1Puffer, m.(Ds, Pl. wie Sg.): Knallbüchse (1678 bei Krämer Terzerol»); Vorkehrung zur Milderung des Stoßes an Eisenbahnwagen (im 19. Jh.). Zu puffen, s. ²Puff.

² Puffer, m.(*H, Pl. wie Sg.), auch Puffert, m.(Jels, Pl.-e): Art Pfannkuchen aus ge- riebnen Kartoffeln. So genannt, weil er beim backen Pufft, s. 2Puff. 1768 im Brem. Wb. dazu wohl auch mnd. puffe«eine Art Brotv.

puh! Interj., zunächst des Widerwillens u. Ekels, ndd., ähnlich hochd. pfui(im 18. Jh.); als Laut des Schnaubenden(im 18. Jh.).

pulen, v.: zupfen, rupfen, bohren, wühlen. Aus dem Ndd., mnd. pulen«klauben, Bohnen auspuleny». Wohl stammverw. mit polken u. pPalen. 1776 bei Hermes 3, 242, Heine 2, 246 c.

Pulk, Polk, m.(-els, Pl.-e): Regiment Kosacken. 1758 bei Gottsched Beobacht. 132 Pullc, 1757 bei Egger Polk. Das poln. pulk m. Regiment, bes. leichter Reiter», russ. polk m.

Pull, m.(-s, Pl.-e): Art Knaul, namentl. in Haarpull, Kopf. Aus dem Nd., holst. Pall, mnd.-mndl. pol(Te)«Kopf, Wipfel. Bei Storm Ges. Schr. 19, 125 u. ö.

Pulle, f.(Pl.-n): Flasche. 1721 b. Günther Branditabein-Bulle. Aus glbd. nd. pulle, bes. « Branntweinflaschey, ndl. pul f., mndl. am- palle f., von lat. ampalla f.«kleine Flasche.

Puls, m.(-ses, Pl.-se): Aderschlag. 1537 bei Dasypodius Puls«arteria⸗, spätmhd. puls m. u. f., auch palst f.«Aderschlag, Schlag- ader. Mit frz. pouls m., ital. polso, ndl. pols, engl. pulse aus mlat. pulsus m.«Schlag, Ader- schlag» von lat. pellere«schlagen, stoßenn. ZUS. Pulsader, f., 1482 im voc. theut. aa. Pulsschlag, m., 1691 bei Stieler. Puls- wärmer, m.

pulsieren, v.: schlagen, klopfen, sich leb- haft bewegen. Bei Goethe 30, 19. Aus glbd. lat. pulsãre. Dafür auch pulsen, im 18. Jh.

Pult, n., bayr. auch m.(-els, Pl.-e): Gestell mit schräger Fläche zum Schreiben, Lesen u. a. 1469 im mrhein. voc. ex quo pult n., gekürzt aus pulpt(1477 clev.), 1482 im voc. theut. aa 1 5b u. aa 2 b pulpet, mhd. im 14. Jh. Pulpid, aus lat. pulpitum n.«Brettergerüst für öffentl. Darstellungen, für Vorlesungen u. a.».