Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
471-472
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471 Pretiosen

Priester 472

praestigium n.«Blendwerk, Gaukeleien». 1813 bei Campe in dieser lat. Bed. Prästigien. In der jetzigen 2. Bed. erst in der 2. H. des 19. Jh. Vgl. Pretiösen, s. Preziösen.[Ladendorf. Preufße, m.(-n, Pl.-n): Angehöriger des Königreichs Preußen(seit 1701), früher nur des deutschen Ordenslandes(Ost-, Westpreuße). Mhd. Priug(e), md. Präze. In latinisierter Form zwischen 977 u. 1006 Pruzzi, dann Pruci, Prutzci, Prus(s)i, Name eines in Westpreußen sitzenden Volksstammes, der eine mit dem li- tauischen eng verwandte, also indogermanische Sprache sprach. Preußen, 1482 im voc. theut. 2 6 b Preußen, mhd. Priuzen, md. Präzin, aus mhd. ze Priuzen cbei d. Preußem. preußisch, md.(b. Jeroschin) präzsch. ZUS. Preußen- tum, n., Schlagwort u. arges Scheltwort seit den ersten Jahrzenten des 19. Jh. Vgl. Laden- dorf u. Gombert ZfdW. 3, 150 u. 325. Prezel, s. Brezel. preziös, adj.: geziert. Das frz. glbd. pré- cieuæ von lat. pretidòsus«kostbary zu pretium n.«Preis». 1703 bei Wüchtler«kostbar», in heutiger Bed. 1770(ZfdW. 7, 256). Prezi- ösen, öst.-bayr. nur Pretiösen, pl.: Kost- barkeiten, Geschmeide. 1703 b. Wächtler. Aus dem subst. N. Plur. des lat. pretiosus(s. o.). Priämel, f., bayr. nur so,(Pl.-n), Priâ- mel, n.(-s, Pl. wie Sg.): einem Rätsel ver- gleichbarer Reimspruch, dessen einzelne Sätze als Vorspiel(Einleitung) der den Schluß bil- denden Lösung erscheinen. Dichter solcher Priameln waren Hans Rosenblut u. Hans Folz. Im 15. Jh. entstellt aus préambel«Tonvorspiel» (8. Präambel), noch wetterau. Pre-, Priãmbel n. umständliche Einleitung wozu». prick, adj.: fett, fest, bes. an Võgeln. 1782 bei Göckingk 3, 49. Aus dem Ndd. Eig. wohl s. V. W.«gespickty, d. h.«mit dem Prickeisen, Pricke, s. Bricke.[(. prickeln). prickeln, v.:(eig.) mit dem Prickel(nd. Stecheisen, Stachel, Stift⸗) stechen; eine Emp- findung wie lauter kleine wiederholte Stiche haben; wie mit kleinen Stichen empfindlich erregen; gleichsam stechenden Eindruck u. so höhern Reiz verursachen. Erst im 18. Jh. in der Schriftsprache, bei Bode Trist. 3, 23, 1778 b. Hermes 6, 478, 1781 b. Kindleben. Eig. nd. Md. 1482 im voc. theut. ff 1 b u. 2 7b prickeln u. preckeln«stacheln, empfindlich anregen, reizen, peinigen», mnd. 1424 prickeln u. 1420 prekelen«stechem, 1477 clev. preelen, preelclen astechen, reizen». Von md. pritcen«peinigen, (Jeroschin 25072), eig. cstechen», obd. im 15. Jh.

(Fastn. des 15. Jh. 945, 13) einmal pfregken, nd. pricken, mnd. im 15. Jh. bricken, 1425 Prelcen, ndl. prilcken«stechen»; dazu dän. prege, prige«stechen, anstechen, reizen, antreiben?, schwed. mundartlich prekca cleicht stechen», norw. mundartl. prita«punktieren, stochern', anord. prixa«mit einem kurzen Stock schlagen». Weiter dazu nd. prik m.«Stichy, ndl. prik m. «Stecheisen, Stich, ags. prica m. Punkt, Stichy, and. precunga f.«Stich, Merkmal», adän. preg «Spitze, Stachel» u. a. Vielleicht zu lit. bräex³ ckratzey»y. 4BL. pricklig, adj.: prickelnd. Bei G. Keller Ges. W. 5, 172.

Prieche, f.(Pl.-/): Empore in der Kirche. Nordd. 1809 bei Campe. Wohl eig.«Bretter- boden», eins mit schweiz. Brüge(s. Brücke).

Priel, m.(-Lels, Pl.-e), auch Priele, f. (Pl.-n): kleiner Wasserlauf in den Watten beim Eintritt der Ebbe. 1795 bei Röding, öfter bei Storm ges. Schr. 19, 207, Frenssen. Ndl. priel m. Unerklärt.

Priemchen, auch Präumchen, n.(*8, Pl. wie Sg.): Stück Kautabak. Aus ndl. pruinpje n., eig.«Pfläumchen», Dim. von ndl. pruim f. Pflaume»(s. d.). Die Stücke Kautabak sind einer getrockneten Pflaume in der Größe ähn- lich. Dazu priemen, v.: Kautabak kauen, aus ndl. pruimen.

Priese, auch Preise, f.(Pl.-n), u. Preis, m.(-Ses, Pl.-e): Riemen, Saum, bes. die Ein- fassung vorn am Armel u. am Halse des Hem- des. Md. prise f., mhd. byise f.«Schnürbendel, Einfassung, Saum am Kleid od. Schuh» von mhd. brisen«durch festanliegende Umgebung einschließen, schnüreny. Unerklärt.

Priester, m.(-s, Pl. wie Sg.): der zur Ver- richtung der heiligen Gebräuche Geweihte od. Befugte. Mhd. priester, md. prister, préster, ahd. priestar; dazu and. préstar, ndl. priester, afrs. préstere m., dagegen ags. préost, engl. priest(ohne r), woraus anord. prestr, schwed.- dän. prest. Aus afrz. prestre m. von kirchl. gr.-lat. presbyter«Gemeindeältester, der ge- weihte Geistliche nach dem Bischofs, gr. pec- Borepoc«der Altere», kirchl.«Vorsteher einer Christengemeinde» zu gr. pecßuc. Der eig. deutsche Name des Priesters ist ahd. οαrto), mhd. 6αrt(e) m.«Hüter(wart) des Gesetzes» (5, s. Ehe). 4BL. priesterlich, adj., mhd. priesterlich. Priesterschaft, f., mhd. prie- sterschaft f.«Amt u. Würde des Priesters, Ge- samtheit von Priestern⸗. Priestertum, n., bei Luther. ZUS. Priesterweihe, f., mhd. priesterwohe f.