Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
467-468
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467 Präumchen

preisgeben 468

Pratsche. Vor allem südd. Aus ital. brãccio m. (spr. brattscho)«Army u. dies von glbd. lat. brachium n.

Präumchen, s. Priemchen.

Praxis, f.(ohne Pl.): Ausübung, Verfah- rungsart(1617 b. Wallhausencorp. milit. tab. 7); Gegensatz zur Theorie(bei Kant, Goethe); Geschäftskreis eines Anwalts, Arztes(1716 bei Ludwig). Das gr. Jat. praxis f., gr. npdkic f. Tat, Handlung, Verrichtung» von gr. odccetv ctun, handelnꝰ.

Präzedénzfall, m.: vorhergegangner Fall, früheres Beispiel. Im 17. Jh. Präcedenz«Vor- gang». Von lat. praecédens, Part. Präs. von prae-cẽdere«voraus-gehen).

Präzéptor, m.(-S, Pl.-en): Lehrer(im 18. u. 19. Jh. nur noch als Ehrentitel). 1570 bei Fischart Nachtrab 1647. Aus lat. praeceptor m. Lehrer» von praecipere ælehren?.

präzis, adj.: genau, bestimmt, pünktlich. Im 17. Jh. aus glbd. frz. précis u. dies aus lat. prae-cisus abgeschnitten, kurz», dem Part. Perf. Pass. von praecidere abschneiden, kür- zeny(prae«vor», caedeere«-hauen»). Präzi- siön, f.: Bündigkeit, Genauigkeit. Bei Lessing 5, 356. Aus glbd. frz. précision f.

predigen, v.: die christliche, dann über- haupt die göttliche Lehre durch Vortrag ver- kündigen. Mhd. predig)en, breddigen, ahd. predi(g)õn, bredigon, md. predigen, predegen; dazu andfrk. predicon, mnd. predeken, ndl. pre- diken, preeken. Als kirchlicher Ausdruck aus glbd. mlat. predicare, lat. praedicãre, s. Prã- dikat. Got. dafür mérjan«verkũnden», laisjan «lehren». Prediger, m., mhd. bredligœre, bre- degœre, bredi g)er, ahd. predi(g)ãri, bredi(g)ãri. Bei Luther Prediger, u. von da an mit p. Predigt, f.(Pl.-en): christlicher Lehrvortrag, Kanzelvortrag. Bei Luther P, md., auch mhd. predigãt(e), 1420 ndrhein. predicaet. Aus einem vorauszusetzenden mlat. praedicata, Part. Perf. zu lat. praedicare. Das g durch Einfluß des ältern ahd. prediga, brediga f., mhd. bredige, predige, noch obd. ganz allgemein Predi(g). Aus mlat. predica f.(ital. prédica).

preien, v.:(seemännisch) ein Schiff an- sprechen. 1795 bei Röding. ZfdW. 8, 46 Beleg von 1675. Ebenso ostfrs. praien, preien, ndl. praaien,(woraus dän. praie, schwed. preja) u. diese aus mengl. preien«bitten, anrufen⸗ (engl. pray), entl. aus afrz. preier(frz. prier) von lat. precäri æbitten?.

1Preis, m.(-es, Pl.-e): anerkennende, ehrende Hervorhebung(mhd.); wofür erteilte

hohe Belohnung(mhd.); als Geltung gesetztes (im 17. Jh.). Mhd. pris m., auch«Herrlich- keit». In der 2. H. des 12. Jh. aus frz. priæ m. Geldwert, hoher Lohn, Wert wofür» von lat. pretium n.«Wert, Geldeswert, Lohn wofür?. 4BL. preislich, adj., mhd.-md. prslich cpreis- würdig, herrlich». ZUS. Preisaufgabe, f., im 18. Jh. Preisfrage, f.: Aufgabe, Frage, für deren beste Beantwortung ein Preis aus- gesetzt ist. 1777 bei Adelung. Preislied, f., mhd. prisliet«ein zum Preise gedichtetes Liedh. Jetzt auch«preisgekröntes Liedy. Preisku- rant, m.(-Lels, Pl.-e): Preisverzeichnis. 1727 bei Hübner, eig.«der laufende Preis». Von frz. courant, s. urant. Preisrichter, m., erst in der 2. H. des 19. Jh. Preisschießen, n., bei Freytag Bilder 2, 2, 301 ff. preiswert, adj.: billig, dem Preise angemessen. Im 18. Jh.«des Preises(1) würdig». preiswürdig, adj., 1676 bei Butschky Pathmos 663(455). 2Preis, Preise, s. Priese. 3Preis, in preisgeben, preismachen(s. d.). Preiselbeere, öst. u. bayr. auch Preißel- beere, f.: Beere von vaccinium vitis idaea, dann auch übertr. auf andre Beeren(Sand-, Heidelbeere). Mundartl. auch prausel, pras(s)el- heere(Colerus 1,83 b, 92 b), praus(sel)-, braus(ch)- beere(bayr.), md. bruinschnetzen, bruischnetzen, bränschnitzen u. a. Aus glbd. tschech. brus- nice, brusniòka, brusina, bruslina, vgl. Berneker. prreisen, v.(Präs. preise, preisles]t, preist, Prät. pries, Konj. priese, Part. gepriesen, Imp. preis, üblicher preise): an Wert hochstellend auszeichnen. Urspr. schwach, so bei Luther preisete, gepreiset u. noch bei Fleming, Logau, Lohenstein, Hoffmannswaldau u. bei Voß. Von den Grammatikern stellen 1574 Olinger 120, 1641 Schottel, 1691 Stieler u. 1690 Bödiker 101, beide Arten nebeneinander, während 1748 Gott- sched deutsche Sprachk. 279 nur noch die starke Biegung hat. Mhd. präsen, selten brisen(Prät. prislelte, Part. geprislelt, stark Prät. preis, Pl. prisen, Part. geprisen erst vereinzelt im 15. Jh.) «verherrlichen, lobenswert machen, schätzen, beurteilen». Entl. aus frz. priser«schätzen, an- schlagen, hochschätzen, rühmeny», von lat. pretiãre«schätzen⸗(zu pretium n. Preis»). preisgeben, v.(Präs. ich gebe preis, Part. preisgegeben): schutzlos hingeben. 1605 bei Hulsius ital.-teutsch. Dict. 842 dare d sacco «Preiß geben». Schweiz. schon im 16. Jh. pris «Plündrung, Beuten, mnd. ebenso pris, 1711 bei Rädlein Preiß«Raub». Aus frz. prise(s.

Prise). Vgl. ital. dar presa«Anlaß, preis-geben.