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Dazu dann weiter norw. dial. fassa(auch ſſussa) chudelnꝰ, fasla-hudeln, kramenꝰ, schwed. dial. fusla cheimliche Künste treiben», dän. fusle «unordentlich sein». Dann könnte auch Fusel
dazu gehören. Nach Schmeller fälschlich ver-
hochdeutscht für puschen, md. vorpuschen, mnd. vorbuschen cheimlich beiseite schaffen, verheimlicheny, die wahrscheinlich zu Busch gehören, vgl. Zfd W. 8, 194. Auch nd. buschen
allein(um 1500), noch altmärk.-magdb. puschen
«Heimlichkeiten treiben, heimlich zuflüstern, um damit aufzureizen. 4 L. Pfuscher, m., b. Mathes. Syr. 2, 136 2. Davon Pfuscheréi, f., 1691 bei Stieler. pfuscherhaft, adj., ebd.
pfutschnaß, adj.: naß wie in od. aus einer Pfätze(s. d.). Henneb.-wetterau. putschnaß.
Pfütze, f.(Pl.-n): in kleiner flacher Erd-
vertiefung angesammelte u. stehen gebliebne
od. stehende Flüssigkeit. Mhd. pfatze, pfätze f.,
md. putze, pfutze«Brunnen, Lache, Pfützen,
ahd. pf)uzzi m., puzza f.«Zisternes, erst im 12. Jh.«Sumpf»(noch kurhess. von der Quelle der Ems, die einen tiefen u. weiten Tümpel bildet Pütsche f.). Dazu andfrk. pate f., mnd. pu(t)te m. f., ndl. puf m., afrs. pet, ags. pytt m., engl. pit, anord. pyttr m., schwed. pytt, dän. pypft. Zweifellos früh entl. aus lat. puteus m. «Brunnenꝰ(ital. pozzo m.«Brunnenꝰ, pozza f. Pfütze) trotz Johansson KZ. 36, 353 u. a. Westfl. pôt«Pfützen aus*pauta- ist allerdings davon zu trennen, u. viell. mit dem unter Pfahl behandelten Pfadel zu verbinden. Phäethon, m.(-S, Pl.-s): zweiräderiger eleganter Wagen. Aus glbd. frz. phaéton m., benannt nach gr. Oaeowv dem Sohne des Sonnengottes, der beim Fahren des Sonnen- wagens umkam. Bei Wieland 23, 291. Phänomén, n.(-els, Pl.-e): Natur- erscheinung, merkwürdige Erscheinung. Bei Wieland Amadis 152 unter Einfluß von frz. phénomène m., aus gr. orvéuevov n.«Himmels- erscheinung»(1710 bei Nehring Phänomenon Lufft-Gesichter?, im 17. Jh. Phaenomena), N. des Part. Präs. von uivecéoi erscheinen?. Phantasie, f.(Pl.-n): schaffende Ein- bildungskraft; Gedanken-, Trugbild; Tonspiel
aus dem Stegreif u. dann eine bes. Klasse von Tonstücken. Schon mhd. fantasie f.(u.
danach nhd. phantasei), aus lat.-gr. phantasia f. Gedanke, Einfall, gr. ovracia f.«xSichtbar- machen, Empfangen von Sinneseindrücken, Einbildungskrafty, von gavrdzecot«sich vor- stellen, sich einbilden». phantasieren, v.: im 15. Jh. fantasieren, nach mlat. fantasiari.
Phantäst, m.(-en, Pl.-en): im 15. Jh. fantast. Von mlat.-gr. phantasta m., gr. Gvrachcm. «Prahlery. Davon Phantasteréi(frühnhd.) und phantästisch(bei Luther).
Phantöm, n.(-lels, Pl.-e, bei Schiller Kab. u. L. 2024-en): Trugbild; Gliederpuppe. Im 18. Jh. b. Klopstock Oden 175 M., Wieland Suppl. 2, 161. Aus glbd. frz. fantöme m., von gr. Pdvrocua Gespenst» von avrdzecOa(s. o.).
Pharmazéut, m.(-en, Pl.-en): der Arz- neikunde beflißner. Aus gr. ꝙapuokeuric m. «Bereiter von Arzneimitteln», von dphoxov n. &Heilmittel; damit zgs. Pharmakologſe, f.: Arzneimittellehre.
Phäro, n.(*N): Hasardspiel. Aus glbd. frz. pharaon m. Benannt nach dem ägypt. Königs- titel Pharao, früher Bezeichnung des Herz- königs. Früher Pharao. Bei Schiller Fiesko 1, 7. Phase, f.(Pl.-en): Lichtwechsel,-wandel; Wechsel, Wandlung, Erscheinung. Bei Luther 8, 254 b«Wolkensäule». Dann erst wieder im 18. Jh.(1710 bei Nehring Phasis) aus glbd. frz. phase f. von gr. ꝙdcic«Erscheinungy.
Philanthröp, m.(-en, Pl.-en): Menschen- freund. Aus gr. ꝙ&dvyépunoc menschen- liebend, freundlich», zgs. mit ꝙeiv lieben» u. ävòpurroc m.«Mensch». 1727 bei Sperander Philantropus. Philanthropie, f. Menschen- freundlichkeit, aus gr. dvépurid f. 1694 bei Nehring. philanthröpisch, adj. Vgl. Ladend.
Philatelist, m.(-en, Pl.-en): Marken- freund, Briefmarkensammler. Zgs. aus gr. ꝙXeiv liebeny u. einer Abl. von ârexꝶcæsteuer- freiy». Die Zss. bedeutet etwas ganz andres, als es heißen soll. In neurer Zeit.
Philipp, Mannsname, mhd. ahd. Philippus, got. Filippus, aus gr.-Jat. Philippus, gr. Oiknoc. Philippika, f.(Pl.-Kken): Strafrede, eig. Demosthenes Reden gegen Philipp von Make- donien, gr. râ duktricd, eig.«die Philippi- schen». Erst im 19. Jh.
Philister, m.(-s, Pl. wie Sg.): Nicht- student; nüchterner, beschränkter Mensch (Goethe Satyros 20, Briefe 15. 6.78). Aus der Studentensprache u. zwar Ende des 17. Jh.(1697 Bürger») von Jena ausgegangen. Urspr. aber «Stadtsoldat(1687 für Jena, 1758 für Leipzig, 1777 von Adelung für Wien bezeugt, auch 1791 bei dem Nürnberg. Roth die Invaliden, Mittel- wächter od. alte Bürger, die unter den Toren kleiner Städtchen Schildwach steheny. Die Erzählung, daß in Jena ein Student erschlagen u. bei der Leichenpredigt der Text Philister über dir» gewählt worden sei, könnte nur


