Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
413-414
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413 Pflicht

Pflug 414

Wechsel). Entl. spätanord. plega ausüben», plaga apflegen, Sorge tragen» usw., schwed. Pläga, dän. pleie, u. viell. auch mlat. plegium n. «Sicherheit, Garantie, Pfandꝰ, afrz. plevir«ver- bürgen», frz. pleige m.«Bürgschaft», vgl. Kör- ting. Die Grdbed. ist jedenfalls«die Verant- wortung auf sich nehmeny, wie sie im Asächs. u. in dem Abstraktum Plicht zutage tritt. Damit läßt sich ags. Plegian«spielen», engl. plag kaum vereinigen. Die Herkunft ist un- klar. Da Wörter mit pf im Anlaut häufig entl. sind, hat man Entlehnung aus lat. plicãre cfalten angenommen. W. Wackernagel ver- glich gr. SXéweiv«sehen». Beides unhaltbar. Die Zusammenstellung mit lat. balcus in ba- balcus«Ochsenknecht» ist unzulässig, vgl. KZ. 37, 177. Neuerdings führt man den Anlaut urgerm. pl- auf tl-, idg. dl- zurück. Die Ver- gleichung mit ir. dligim«ich verdiene, habe Anspruchs, dliged«Pflicht, Gesetz, Recht⸗(Idg. Forsch. 23, 372) ist von Seiten der Bed. an- sprechend, bereitet aber sonst viele Schwierig- keiten. Vgl. noch Franck KEZ. 37, 138 u. Me- ringer Idg. Forsch. 17, 101, d. von einer Grund- bed. pflügen» ausgeht. 4BL. Pfleger, m., mhd. pflegœre, pfleger, ahd.(b. Notker) flegare, flegere. Pflegling, m., 1663 bei Schottel 372. Vgl. ZfdW. 2, 196, 4, 196. Pflegschaft, f., 1561 bei Maaler. Z?S. Pflegeeltern, Pl., 1691 bei Stieler. Pflegekind, n., frühnhd. Pflegemutter, 1678 b. Krämer Pflegmutter. Pflegesohn, m., im 16. Jh. b. Aventin 4, 478, 15. Pflegetochter, 1642 b. Duez. Pflegevater, 1556 bei Frisius 1334°.

1 Pflicht, f.(-en): Verbindlichkeit zu einem Verhalten; sittliche Verbindlichkeit; aus Ver- bindlichkeit hervorgehende Handlung. Mhd. Ppfliht, auch pflihte f., md. auch plicht, plichte (noch bei Luther Pflichte) f. Fürsorge, Ob- hut, Verwaltung, Gewalt, das Tun u. Treiben, die Art u. Weise, Gemeinschaftlichkeit, An- teilhaben, Teilnahme, Verbindung», ahd.(erst bei Notker) fliht f.«Fürsorge, Auflage oder Gebotv, afrs. plicht f., von pflegen wie Gewicht von wägen. Aus jenen Begriffen bei Luther Röm. 4, 4 pflicht crechtliche Verbundenheit» u. 1556 im Dictionariolum 180 b«rechtliche, sitt- liche Obliegenheit od. Verbindlichkeit, Schul- digkeity. 4BL. pflichten, v., nur in bei-, verpflichten, mhd. pflihten«sich beteiligen, ver- bindenv, refl. csich verpflichten», mnd. plichten. pflichtig, adj., md. pflichtic, mnd. plichtich c(rechtlich, sittlich) verbunden». pflicht- mäßig, adj., 1711 b. Rädlein. ZUS. Pflicht-

eifer, m., erst im 19. Jh., noch nicht b. Campe. Pflichtgefühl, n., erst in der 2. H. des 18. Jh. (bei Wieland 18, 100). pflichtgetren, adj., Anfang des 19. Jh. pflichtschuldig, adj., 1645 b. Zesen Ibrahim 1, 193, 1617 b. Hulsius Schiff. 13, 6. Pflichtteil, m. n.: das gesetz- mäßige Erbteil eines Noterben. 1678 b. Krämer. Schon mhd. pflihtteil m. n. aber in der Bed. «Gemeinschaft, Anteil». pflichtvergessen, adj., 1727 b. Aler. pflichtwidrig, b. Kant.

² Pflicht, f.: Vorderdeck des Schiffes. Am Rhein u. Main, luxemb. plicht f.«Hebeschiene, Vorrichtung, worin sich das Steuerruder be- wegt, Mühlschwengelb. 1734 b. Steinbach Plicht. Mhd. pflihte f.«Vorderteil», ahd. plihta f.; dazu mnd. plicht f. das Verdeck des Hinter- und Vorderteils eines sonst offnen Fahrzeuges», vgl. 1795 bei Röding, ndl. plegt, nordfrs. pliucht, ags. plihtere«Ausguckmann an Bordo,(entl.) dän. pligt, schwed. plilct. Unerklärt. Vgl. Idg. Forsch. 17, 101 u. Falk-Torp.

Pflock, m.(-els, Pl. Pföcke): zugespitzter kurzer Pfahl; starker hölzerner Nagel zum Be- festigen. Erst in der 2. H. des 14. Jh. pflock vom Zeltpfahl», im 15. Jh. auch Pflocke m. u. das Dim. pflochlin, später pflocklein; dazu mud. Plalt(plok), Gen. pluckes m.«Pflock», plugge m. chölzerner Nagel, Zapfen», mndl. plugghe, ndl. plag«Pfropfen eines Fasses, Keil, Zapfen», norw. plugg«kleiner Holzpflock», dän. plög, schwed. plugg«Holzpflock». Unerklärt. Vgl. Idg. Forsch. 23, 369. RA. einen P. zurückstecken, urspr. vom Pflug gesagt, vgl. ZfdU. 20, 591.

pflücken, v.: spitz angefaft ausziehen od. abbrechen. Mhd. pflücken, md. placken, plücken, 1477 clev. u. 1469 im mittelrhein. voc. ex quo plucken, nd. plucken, ndl. plulclcen, daneben als 6-Verb 1482 im voc. theut. y 8 b pflocken, spätmd. plocken, ahd. ploccon æ«zu- sammenlesen»(s. Graff 3, 246), nordwestfrs. ploaitsje, ags. pluccian, engl. pluck, anord. Plolka, pluklca(Vögel rupfen), schwed. plocka, dän. plakke. Viell. entl. auch prov. pelacar causrupfen», ital. piluccare Trauben ab- beerenv, frz. Splacher«mit den Fingerspitzen auflesen». Doch sind diese selbst unklar u. könnten aus dem Germ. stammen. Nach andern echt germ. u. zu Pflock, was der Bed. wegen wenig einleuchtet. Vgl. Idg. Forsch. 23, 371. RA. mit jem. ein Hühnchen pflücken zeine Streitsache mit jem. ausmachen, ihn zur Rede stellen. Unerklärt. Vgl. Borchardt-Wustmann.

Pflug, m.(-Lels, Pl. Pflüge): Ackergerät zum Durchschneiden u. Umbrechen. Mhd.