Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
375-376
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375 Parochie

partial 376

auch mhd. parlament n.«Besprechung, Dis- putation, Versammlung», aus mlat. parlamen- kum n., eig.«Besprechung, Unterredung, bes. eine feierlichey,(frz. parlement m.), von ital. parlare, frz. parler«sprecheny. UÜber dessen Herkunft s. Parole. Früher in Frankreich «das höchste Gericht einer Provinzy u. so auch deutsch, noch 1703 bei Wächtler nur in dieser Bed. Parlamentär, m.: Unter- händler im Kriege. Aus glbd. frz. parlemen- taire m., abgel. von parlement«Besprechung». Erst 1813 bei Campe verzeichnet. parlamen- tieren, v.: unterhandeln, sich unterreden. Umgebildet aus glbd. frz. parlementer. 1582 im Garg. 339. Im 17. Jh. auch parlementieren.

Parochie, f.(Pl.-n): Kirchspiel, sprengel. 1703 bei Wächtler. Aus kirch. Jat. parochia f. «Sprengel eines Bischofs», neben u. statt des glbd. ältern paroecia f., aus gr. rapoicia f.«das Wohnen an einem Ort als Fremder»(rapd cbei, nebeny, oixeiv«wohnen»), dann mittelgr. Bewohnung, Bischofssprengel». Vgl. Pfarre.

Parodie, f.(Pl.-n): Umbildung eines (ernsten) Gedichtes ins Scherzhafte, Spöttische unter Beibehaltung seiner Form. Aus glbd. frz. parodie f., u. dies aus gr. lat. paròdia f., gr. wapudic f.«Nebengesang, Parodiey(zgs. aus mopd nebeny u. einer Abl. von ddr «Gesangy, s. Ode). 1673 bei Weise Erzn. 78. parodieren, v., 1754 bei Lessing 4, 205. Aus frz. parodier cscherzhaft umdichten.

Paröle, f.(Pl.-n):(Ehren-) Wort(noch bei Goethe Br. 31. 1. 1769); militärisches Er- kennungs-, Losungswort. In dieser Bed. 1617 im teutschen Michel 12 parolla. Schon mhd. parol(le) m.«Wort, Rede», aus frz. parole f. Wort, Denkspruch, Zusage, Ehrenwort», ital. Parola f., aital.- prov.-aspan. paraula, aus mlat. parãbola, s. Parabel. Davon auch frz. parler «sprecheny u. Parlament.

Päroli, n.(-s, Pl.-s): die Verdoppelung des ersten Satzes im Spiel(Goethe 19, 205). RA. Einem ein P. bieten: in gleicher od. noch überbietender Weise entgegentreten. Erst im 19. Jh. aus dem Pharospiel. Entl. aus fraz. pParoli m. u. dies aus ital. paroli m. Unbe- kannter Herkunft.

Paroxysmus, m.(Gen. wie Nom., Pl. -men): höchste Steigerung eines krankhaften Zustandes, stärkstes Fieberschauer. 1703 bei Wächtler; b. Schiller Räuber 3, 2 Paroxismas. Das glbd. gr.-mlat. paroæismus m., gr. mapo- Eucuc m., von gr. raogbveiv«wozu schärfen, anreizen»,(bei den Arzten von Krankheiten)

cheftig od. gefährlich werden»(zgs. aus mopd cneben, bei, an, hiny u. ÖEbveiv«schärfen». Part,(öst. nur) m. u. n.(-els, Pl.-e): Anteil, 1727 bei Sperander F., 1734 bei Stein- bach Parte f. Mhd. part e) f., md. auch part n. (bei Jeroschin)«Teil, Anteil, Abteilung, Partei, Parteiungs, ndl. part f. Aus frz. part f.«Teil), u. dies aus lat. pars(Gen.-tis) f.«Teil. Partéi, f.(Pl.-en): sich für sich ab- sondernde Gesinnungsgenossenschaft; kleiner Heerhaufen, der einen Streifzug unternimmt; in einer Rechtsangelegenheit gegenüberstehende Person. Seit dem 15. Jh. auch Parthey ge- schrieben. Mhd., bes. md. u. im 14. Jh. ndrhein. partie f.«Abteilung von Personen als für sich bestehende Gesamtheit, Partein. Aus frz. partie f. Teily, dann auch«Partei⸗, von partir cteilem aus glbd. lat. partiri. Dasselbe Wort ist Partie (s. d.). Unsre heutige Scheidung ist erst im 18. Jh. völlig durchgedrungen, aber schon 1556 im Dictionariolum 178 b Part oder partey im Sinne unsres«Partei». 4L. partéien, v.: (refl.): sich in Parteien spalten. Schon 1318 mhd. sich partien(Diefenb.-Wülcker 7945). Davon Partéiung, f.(Pl.-en), 1482 im voc. theut. y 3b. partéiisch, adj.: zu einer Partei haltend u. daher ungerecht. Im 15. Jh. 1488 bei Liliencron 2, 238. partéilich, adj.: par- teiisch. 1513 im Sallust P 5. Davon Partéi- lichkeit, f.: einseitige Parteinahme. 1691 bei Stieler. Aber schon 1557 bei Sleidanus 221 b im Sinne von«Spaltung in Parteien?. ZUS. Partéigänger, m.: Anführer eines Streifkorps(Partei) od. einer aus diesem. Im 17. Jh. 1650 bei Moscherosch 2, 880 Parteyen- Gänger. Partéigeist, m., öfter bei Goethe. Partéke, f.: kleiner Teil, Stückchen; Stück Brot; irdisches Gut. Oft bei Luther. Nach dem DW. 7, 1474 das nd. Dim. von Part«Teilꝰ, eig. also Pärteke. Doch sind auch andre Er- klärungen aufgestellt, vgl. DW. a. a. O. Par- tékenhengst, m.: Kurrendeschüler, der für ein Stückchen Brot singt. Bei Luther. Partérre(spr.-ter), n.(*8, Pl.-s): Erd- geschoß; Raum zu ebner Erde(im Theater), 1703 b. Wächtler; Blumenbeet, 1709 b. Hübner. Aus frz. parterre m. Blumenbeet, Theater- parterrey, zgs. aus par terre auf der Erde». partial, adj. u. Adv.: zum Teil statthabend, teilweise. Aus glbd. mlat. partialis von lat. pars f.«Teil. partiéll,(aus frz. partiel) bed. dasselbe u. ist heute üblicher. Beide erst 1813 bei Campe. 1709 bei Hübner partial«eigen- nützig, partheiisch.