Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
349-350
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349 Orthographie

Orthodoxie, f.: Rechtgläubigkeit, 1703 bei Wüchtler, aus gr. Öpodokia f.

Orthographie, f.: Rechtschreibung. 1478 bei Nicl. v. Wyle 350, 27 ortographie, aus glbd. gr.-lat. orthographia, gr. ôpeoyrpagia f., 2gs. aus gr. Öpc«gerade, rechty u. einer Abl. von vpdꝓewv«schreiben». orthogrãphisch, adj., im 16. Jh. bei Fischart Nachtrab 1215, gebildet nach gr.-nlat. orthographicus, frz. orthographigue, ital. ortografico.

Ortolan, m.(-s, Pl.-e): die Fettammer. In der 1. H. des 18. Jh. bei Brockes, aus glbd. ital. ortolano m., von lat. hortulanus«den Garten(hortus) betreffendy. Der Vogel hält sich nämlich gern in Gärten u. Weinbergen auf.

Ortscheit usw., s. ¹0Ort.

Ortsgulden usw, s. 20rt.

Ose, f.(Pl.-n): E, insbes. die Draht- schlinge am Kleide zum Einhaken des Krapfens; das Ohr des Metallknopfes. Md. im 15. Jh. b8e, ndrhein. im 15. Jh. oyse, Oze, ese(Diefenb. gl.'36e). Gleichen Stammes wie Ohr, aber das urspr. s bewahrend(s. Ohr).

Oskar, Mannesname, ags. Osgär, ahd. Ansgẽr, ins Asächs. spielend Ansigur, Ansgãr, Asger, 228. aus Ger(s. d.) u. anord. ãss m. Gotty (Pl. æsir«die Asen, Lichtgottheiten), ags. ös, ahd. ans-(nur in Personennamen, s. Anseim).

Ost, m.(-Lels): die Himmelsgegend des Sonnenaufgangs;(Pl.-e): der Wind aus dieser Himmelsgegend. In der 1. Bed. 1440 öst (Diefenb. gl. 400 b), dazu md. Ost m., afrs. aest, oest n., ags. éast m., engl. east(woher frz. est m.), dafür anord. austr m.(Gen. austrs). Osten, m.(-*s): die Himmelsgegend d. Sonnen- aufgangs; nach dieser Himmelsgegend gelegner Teil der Erde. In beiden Bed. mhd. östen n., spätahd. östan, östen m. n. Sonnenaufgang als Himmelsgegend». Urverw. mit lat. durdra f., gr. ſichc f., abpiov morgen⸗, lit. ausra f. «Morgenröte», aind. usᷣds n.«Morgendämme- rung». Dazu das Adverb mhd. östen(e) öst- lich, ostwärts, ahd. östana, asächs. Ostan(a), ags. éastan, anord. austan«von Osten hery, schwed. östan, dän. östen-, auch ahd. fon õstana, md. von ôstin, nhd. nur noch in aas, gegen, nach, von Osten(aber als Kasus des Subst. Osten angesehen). Ferner das Adverb ahd.- asächs. östar, mhd. öster cim Osten», anord. austr«nach Osten hin», nhd. noch in Osterland n. Vgl. ZfdW. 7 7, 61 ff 4,BL. östlich, adj., 1656 b. Olearius pers. Reisebeschr. 4, 15 ostlioh. ZUS. Ostsee, f.: das baltische Meer, 1557 bei Waldis 4, 59 Ostse, mhd.(md.) u. mnd.

Ostern 350

õöstersé f. ostwärts, adv., im 17. Jh.(Zfd W. 7, 123), im 16. Jh. bei Adventin 4, 224, 33 gegen ost werts. Ostwind, m., im 15. Jh. östwint (Diefenb. nov. gl. 353 a), 1482 im Voc. theut. y 22 ostenwindt, mhd. õsterwint, dafür ahd. östrõni m. (mit Ergunzung von wint), vom ahd.-asächs. Adj. õstroni, ags. õastern, anord. austrœnn cöstlich».

Ostentatiön, f.: geflissentliche Schau- stellung, Prahlerei, Ruhmredigkeit. 1571 bei Rot, aus glbd. lat. ostentãtio f., von ostentäre czeigen, sehen lassen». ostentativ, adj.: prahlerisch. Aus einem nlat. glbd. ostentativas. Erst in neurer LZeit.

Osterluzei, f.: die Pflanze aristolochia clematis, Hohlwurz. 1546 bei Bock 67 Oster- lucei, 1482 im Voc. theut. p osterluzi, mit Anlehnung an Ostern(s. d.), um wenigstens zum Teil dem fremden Worte deutschen An- strich u. damit Volksverständlichkeit zu geben (vgl. Liebstõckel, Orengel), aus mlat. aristo- locia, gr.-lat. aristolochia, gr. àpicroXoxia f., von äpicroc«best, stärksty u. einer Abl. von XGXioc die Geburt, die Gebärende betreffendy, weil die Pflanze für das beste Mittel zur Förderung der Geburt gehalten wurde(s. Dioscorides de materia medica 3, 4).

Ostern, Pl.: das Fest der Auferstehung Christi. Mhd. öster(e)n, ahd. östarun, õst(o)ron Pl., selten im Sg. ahd. östra, mhd. õster, õstir f.; dazu ags. éastre n., éastro Pl., engl. Easter, nach Beda de temporum ratione Cap. 15 von der ags.(Frühlings-) Göttin Eostre, mit Uber- tragung des altgewohnten heidnischen Wortes (easturmonath) auf das zur selben Zeit ge- feierte christliche Fest. Eostre ist urverw. mit aind. usrä Morgenröte»(s. Ost). Vgl. Kluge ZfdW. 2, 42. Der Plural wurde darum die übliche Benennung des christlichen Oster- festes, weil dieses früher 4, vom J. 1094 an 3 Tage dauerte. Aus dem Pl. hat sich der Sg. Ostern f. n. gebildet, schon mhd.(1294) ôstern f., im 14. I. als Ntr. Ubrigens ge- hört der deutsche Name des Festes Sd. u Mitteldeutschland u. den Angelsachsen an; denn glbd. got. paska f., asächs. pascha, pasca, mnd. päsche, nnd. pdsken, nndl. paasch f., afrs. pascha, anord. pãskar m. pl., schwed. pasſc m., dän. paaske, sind aus gr.-lat. pascha n. f., hebr.-gr. dcxa n. entl. 4L. öster- lich, adj., mhd. õsterlich, ahd. õôstarlth. ZJU8. Osterabend, m.: Vorabend des Osterfestes, mhd. österäbent m. Osterblume, f.: Name verschiedner zur Osterzeit blühender Blumen, wie der Küchenschelle, gelben Schlüsselblume,