Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
317-318
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317 nüchtern

Numerale 318

schatten, schattieren», abgeleitet von lat. n2ũbes f. Wolkes. nuancieren, v., bei Goethe 24, 367, nach frz. nuancer.

nüchtern, adj.: in der Tagesfrühe oder seit derselben weder Speise noch Trank zu sich nehmend; den betäubenden Genuf gei- stiger Getrünke meidend, mäßig im Genuß von Trank u. Speise(mhd. näehter); gehalt- u. schwunglos, abgeschmackt, geistlos(1691 bei Stieler); leidenschaftslos, besonnen(spät- ahd. im 12. Jh. nühter). In der 1. Bed. mhd. nüehtern, nüehtarn, meist verkürzt nüehter, md. nuchter n), nuchtirn, mnd. nuchtern, noch- tern, mndl. nuchter, ndl. nuchter, nochter, noch bayr. öst. näechter u. in md. Ma. nüchter(entl. schwed. nykter); ahd. nuohturn, wahrschein- lich als Klosterwort aus lat. nocturnum(erster der täglichen Klostergottesdienste, noch im Morgengrauen abgehalten, von lat. nocturnus nächtlich»), zumal da bei Notker Ps. 76, 5 lat. nocturnas(vigilias) durch ahd. nohturna (wachun) übersetzt wird; daher erklärt sich die zum urspr. Fremdwort weitergebildete Form ahd. nuohtarnin, nuehternn«nüchtern), deren Ableitungssilbe-in den Umlaut bewirkt. In der Stammsilbe aber hatte bei Ubernahme des Fremdwortes Anknüpfung an einheimisches ahd. uohto f. Morgendämmerung»(s. Ucht) stattgefunden, vor das auch sonst a tritt, wie Nüuchtland aus in Ujchtland, Nüchtweide neben Ujchtweide«Weide am frühen Morgen», mndl. nuchte(n), nuchtens«in der Morgenfrühey; so begreift sich auch die ahd. Nebenform ohternin cnüchtern⸗(Ahd. Gl. 2, 279, 50), andrerseits nd. im 13. Jh. enugterne«sobrius»(Diutiska 2, 229). Mit Beziehung auf den leiblichen Zu- stand der für diesen frühesten Gottesdienst vorgeschrieben war, wird das Wort urspr. bed. haben«in Rücksicht auf Speise u. Trank nächtlich bleibend oder geblieben). 43L. Nüchternheit, f., am Anfang des 15. Jh. hd. u. nd. nauchternheit bei Diefenb. gl. 539°, nd. im 13. Jh. enugterheit(Diutiska 2, 229), mnd. auιαᷣᷣternicheit, hd. im 15. bis 17. Jh. meist nüchterkeit, nüchterheit.

Nucke, Nücke, f.(Pl.-n): versteckte Bos- haftigkeit, bes. eine versteckte, unfreundliche, eigensinnige Laune; Schwierigkeit. In der 1. Bed. älternhd. 1568 Nicke, 1571 Nücke, 1663 bei Schottel Nükk m. Aus glbd. mnd. nuchc m., nuclce f., nnd. naucke, nücke, Pl. nücke, nücken, mndl. nucke, nndl. nuk f. Von Brug- mann Idg. Forsch. 13, 153 zu got. bi-niunsjan causspähen, auskundschaften» gestellt.

Nudel, f.(Pl.-n): schmales längliches urspr. walzenförmiges u. spitzige Enden haben- des Teigstück, roh od. als Speise abgekocht; Stopfnudel zum Mästen der Gänse(1663 bei Schottel). In der 1. Bed. 1575 bei Fischart Garg. 311 f. Nutel, Nottel, aber Nudelküchlin, 1563 bei Mathesius Hochzeitpred. Aa 3* Nadel- pauntzen(136, 4 Neudr.), kärnt. 1560 Nadl- pecht«Nudelgebäck». Es ist vielleicht das- selbe Wort wie schles. Knudel m., ndrhein. Knuddel m., fläm. knoedel, noedel m.«Mehl- kloß»(vgl. Knödel). Aus dem Deutschen entñ. frz. nouilles«Nudeln). 4B L. nudeln, v.: walgern(in obd. u. nd. Ma., schles. mudeln u. knudeln); stopfen(1783 b. Jacobsson nudlen).

Nudität, f.(Pl.-en): Nacktheit; nackte Figuren(bei den Künstlern, 1791 bei Roth). 1727 bei Sperander«Armut, Blößey. Aus frz. nudité f.«Nacktheit⸗ u. glbd. lat. nãdlitas f. umgebildet. Von lat. nüdus nackt.

null, adj.: durchaus ungültig. 1522 für null und nichtig erklähren(Lehnsurkunden Schlesiens 2, 365), 1711 bei Rädlein null seyn. Aus ital. nullo, frz. nul, span. nulo ckein, un- gültig», von lat. nallus«keiner, 2gs. aus ne cnicht» u. ullus«irgendeinery. Null, f.(Pl. -en): das(für sich nichts geltende) Zahl- zeichen 0O. 1711 bei Rädlein Nalle), schon bei Fischart Nachtrab 1876 Nall, 1630 bei Lehmann Florilegium 262, 7 Noll, 1618 bei Schönsleder nalla von nalla geht auff, 1495 in Reichsordn. 17 b soll Nalla und unkrefftig sein. Aus ital. nulla f.«nichts», als Bezeich- nung des zehnten, der schon im J. 1100 in Italien nachweisbaren arabischen Zahlzeichen, von lat. nulla(res f.«Sache»), dem F. des Adj. nullus«keiner). Bayr. gew. Nalla m.; in Oberhessen, der Wetterau, Nassau Null n., 1685 im Simpl. 1, 112 Kll. Nall(en) n., 1605 Nullo n., das subst. Ntr. des Adj. aull. Nulli- tät, f.(Pl.-en): Ungültigkeit(1488 nullitet f., ebenso 1521 in den Reichsordn. 98 b); Unbe- deutendheit, Gehaltlosigkeit(bei Schiller an Goethe 2, 104); geltungslose Person(nach frz. nullité f.). Aus mlat. nullitas f.«Ungültig- keit in Rechtssachens, von lat. nallas.

NumerzäFle, n.(Pl.-lia u. lien): das Zahl- wort. Das(mit Hinzudenken von lat. nomen n. «Name) subst. gesetzte Ntr. des lat. Adj. numerdlis«zur Zahl gehörig», von lat. aumerus m. zahl». numerieren, v.: zählen; be- ziffern(1716 bei Ludwig). 1562 bei Mathesius Sarepta 213 b numeriren«wägend berechnen?, 1571 bei Rot«rechneny. Aus lat. numeräre