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niht(e)s(gekürzt nichs, nüts, nütz), vereinzelt noch bis zum Anfang des 18. Jh. nichtes; in Verbindung mit einem subst. gebrauchten Adj., das urspr. im Gen. steht, dann aber als ein mit nichts übereinstimmender Kasus angesehen wird, bei Luther Briefe 1, 547 nichtsredlichs. Das Wort ist durch Kürzung hervorgegangen aus der nachdrücklichen Ver- bindung mhd. nihtes niht«ganz u. gar nichts», dessen niht ausgelassen wurde, so daß der bloße Gen. nihtes, aber mit der Bed. des ganzen stehen blieb. Doch erhielt sich bis in die 2. H. des 17. Jh. im Hochd. nichts nicht u. im Ndd. bis heute niks nig(s. nio). Verkürzungen von mihtes niht sind mhd. nichs nich, niuts niut, spätmhd. nihtzit, niuschent, nichzen, nist, nichs, nätz, im 16. Jh. nihtzit, nichtzet, nitzit, nutzet, neuscht, nichst(Adventin 4, 1050, 28 Var.), in md. Ma. nischt. Als Subst. Nichts, n., bei Luther 8, 6b ein lauter nichts. nichts desto minder, 1508 bei Keisersberg Pred. 5 nichts dester minder, im mrhein. Voc. ex quo 1469 nicht da mynner(lat. nihi- lominus), aber ahd. ni thes thiu min, ni thiu min, ohne den Instrumental. dius auch neorwiht min u. mit Gen. niwwihtes min. nichts desto weniger, 1507 bei Wilwolt v. Schaumburg 111 nichts dest weniger, im 16. Jh. bei Alberus nicht desta weniger. VZVUS. nichtsnutz, adj., 1678 bei Krämer nichtsnütz; als Subst. Nichts- nutz, m.(-es, Pl.-e): Taugenichts, 1482 im Voc. theut. x 5 bz= nichtsnutzig, adj., 1626 bei Zincgref Apophth. 1, 300. nichtssagend, Part., 1675 bei Tobler Thomson 310. nichts- wert, adj., bei Adventin 4, 819, 16 nichtsewert, 1556 bei Frisius 1380 b nichts wärt. nichts- würdig, adj.: ohne Wert, 1654 bei Olearius Lokmans Fab. 13; niederträchtig, ehrlos, 1716 bei Ludwig. Davon Nichtswürdigkeit, f., 1691 bei Stieler.
Nick, m.(-els, Pl.-e): nickende Kopf-, Augenbewegung. 1663 bei Schottel Nik m., vielleicht schon mhd. nic m. in sunder nicke (Plur.); dazu 1598 ndrhein. nick, mnd. nick m. (Blinzeln der Augen).
tNickel, m.(es, Pl. wie Sg.): vermummte Schreckgestalt. Im gemeinen Leben auch Nickels m. Kürzung von Nikolaus(Nickel als Personenname schon im 15. Jh. bei Wolken- stein 38, 1). Am Vorabende des auf den 6. Dez. fallenden Gedächtnistages des früh als heilig verehrten Bischofs Nixolaus zu Myra in Lyzien schreckt eine als heilig. Nikolaus im Bischofs- ornat erscheinende od. auch sonst feierlich ver-
mummte Person in den Häusern die Kinder, indem sie diese prüfend fragt, ob sie fromm sind, u. ihnen dann entweder Nüsse, Obst, überhaupt Eßwaren u. eine Rute beschert, od. sie in den schwarzen Sack zu stecken u. mit fortzunehmen droht.
2Nickel, m.(-s, Pl. wie Sg.): kurzer un- ansehnlicher Mensch; zwergartiges Pferd. In der 1. Bed. 1562 bei Schmeller, hervorgegangen aus dem Gegensatz klein Nickel zu großer Hans (bei Luther 1, 236 ²), vgl. Nicolaus, die selben geraten selten wol 1522 bei Pauli Schimpf 338 Öst.; auch mit dem Nebenbegriff des Eigen- sinns, daher scherzhaft von eigenwilligen Mädchen, 1755 bei Rabener 3, 18, bei Lessing 1, 355 von 1748. In der 2. Bed. akleines unansehnliches Pferd, 1663 bei Schottel, noch bayr. u. nd., zeigt sich Beziehung zu mndl.- ndl. negge f.«kleines Pferd, Zwergpferdy, auch engl. nag«kleines Pferd», dann über- haupt Pferdy.
s Nickel, m.(-v, Pl. wie Sg.): leichtfertige Weibsperson, Buhldirne. 1691 bei Stieler. Als Schmähwort gegen einen Mann 1578 bei Fischart Ehzuchtb. Q8; auf lüderliche Weiber angewandt wohl mit Beziehung auf Mickel m. ckleines Pferd, zumal da engl. nag«kleines Pferd» u. auch«gemeine Buhldirne» bed., in Anspielung darauf, daß reiten auch für die Stute od. die Kuh bespringen» steht.
4 Nickel, m. u.(bayr. nur) n.(-S, Pl. wie Sg.): ins Stahlgraue fallendes silberartig weißes, sehr strengflüssiges, aber hämmer- u. streck- bares Metall; Zehnpfennigstück aus N.(seit Einführung der deutsch. Reichswährung 1873). In der 1. Bed. gegenwärtig vielfach Ntr. nach der latinisierten Benennung niccolam n., urspr. aber M., schwed. nichel m., wie der schwed. Mineralog Axel Fredrik von Cronstedt dieses Metall, das er in der 2. H. des Jahres 1751 entdeckte, unterm 16. 2. 1754 nach weitern Untersuchungen benannte, indem er den Namen RKupfernickel, schwed. Kkopparnickel m., kürzte, da diese Erzart(niccolum sulphuralum) den größten Gehalt von dem neuen NMetall zeigte. Ahnlich wie der Kobalt(s. d.) nach dem neckenden Kobold benannt wurde, erhielt der oft in Gemeinschaft mit ihm vorkommende Kupfernickel(1741 bei Frisch Kupfer-Niekel, seine kupferrötliche Kobold-Art) seinen Namen von Nickel m.«Kobold, auch von den Hexen gebrauchter Name des Teufels», weil die Berg- leute aus diesem Erze vergeblich Kupfer zu gewinnen suchten.


