Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
293-294
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293 Neutrum

nichts 294

(1618 bei Schönsleder geläufig) aus lat. neu- trälis(in gramm. Sinne), im Mlat.«parteilos, von lat. neuter(s. Neutrum). neutralisieren, v., aus mlat. neutralisare, frz. neutraliser. Neutralität, f.: Parteilosigkeit, 1446 bei Janssen 2, 93 f., aus mlat. neutralitas f.

Neutrum, n.(s, Pl.-tren,-tra): sächliches Geschlecht, Wort sächlichen Geschlechts. Das lat. neutrum n.«sächliches Geschlecht», d. i. weder männliches noch weibliches, also unper- sönliches Geschlecht, 1768 in Bodmers Gramm. cdas hermaphrodite Geschlecht», ist die mit Auslassung von genus n.«Geschlecht» subst. gesetzte sächl. Form von lat. neuter, d. i. ne-uter «nicht(ne) einer von beiden(uter), keiner von beiden», im Ahd. erklärt noh thizi noh thaz (weder dies noch das).

nibeln, v. impers.: fein(nebelartig) regnen. In Schwaben, Franken, der Wetterau usw. Mhd. nibelen, nehelen(s. nebeln), daneben in der trans. Bed.«in Dunkel(Nebel) hüllen? mhd. nibelen, ahd. nibuljan. Von Nebel(s. d.).

Nibelung, m.: urspr. sagenhafter Ge- schlechtsname, dann auch ehedem oft vor- kommender Mannsname. Mhd. Nihbelunc, ahd. Nibulanc, Nibilung, anord. Niflungr, d. h. cKind des Nebels, der Finsternis, Sohn der nebligen Unterwelt».

Nicht, n.(-Lels): das beim Schmelzen des Zinks als weiße od. graue Rauchflocke auf- steigende feine Pulver, auch Zinkweiß, Zink- blume, weißer Galmei u. Galmeiflug genannt. 1578 bei Lonicerus Kräuterbuch 360 ²2&ͥas Nicht, Galmeyflug», 1562 bei Mathesius Sar. 135 b weiß und grau Nicht, aelches die gelerten Onichitin und die Deutschen nichts nennen, so den Augen gut ist(als Arznei), 154² nuscCht, schon bei Luther nicht ist in die Augen gut. Entl. u. gekürzt aus gr.-lat. onychitis, gr. voxtric f.«eine(innerlich dem Onyx ühnliche) Art Galmei»; aus Mißverstand der Benennung Nicht bildete sich dann die schon bei Lonicerus vorkommende lat. Benennung nihili, dann nihil. Vgl. Nichts.

nicht, unsre Verneinungspartikel. Mhd. niht«nichts, nichts, südd. nia)t, neut, md. ni(ch)t u. näoit, näwet(woraus hess. naut), aus ahd. niwiht«nichts», neowiht«nicht(s), daneben niewiht, bereits im 8. Jh. neoiht u. im 11. u. 12. Jh. nWiht, neuht, ni(e)ht, nie)wwet, niwit, niet. Dazu asächs. neowiht, niowiht cnichts, durchaus nicht⸗, mnd. nicht«nichts, nicht, ndl. niet, afrs. nawet, na(u)t«nicht, ags. näãwiht, nowiht,(u)ht, noht cnichts,

nicht, engl. nought«nichtsy, not«nichty, aber got. ni waiht n. u. ni waihts f.«nichtsy. Ahd. neowiht(Gen.-tes) besteht 1) aus der Ver- neinungspartikel ahd.-asächs.-afrs. ni, ne, mhd. ne, en, ags.-anord. ne, got. ni, die übereinstimmt mit lit., abg. ne, lat. ne-, aw. na, aind. na (8. nein), u. 2) aus ahd. eozwiht, i(e)wweht, iuwit, ieht, mhd. iht«irgend etwas, irgend ein Dingy, z9s. aus eo, io«irgend einmal»(s. je) u. ahd. wiht n., got. waiht n., waihts f.«Geschöpf, Wesen, Ding»(s. Wicht). Schon im 8. Jh. steht ahd. neocwviht«nichts» adv. in der Bed. «durchaus nicht» als Verstärkung der ein- fachen Verneinung ni, ne, an deren Stelle es zuerst im 12. Jh. tritt, ein Gebrauch, der allmählich so zunimmt, daß ne für das Hoch- deutsche gegen Ende des 15. Jh. ganz erlischt. Daß aber das Wort urspr. subst. war, zeigen noch die Verbindungen mitnichten[mhd. mit nihtiu(Instrumental), mit nihte, verstärkt mit nihte niht u. verkürzt mit nihten], u. zunichte, mhd. ze nihte, ahd. zu nievihti u. 2u niowihtu (Instrument.), spätahd. ze niehte, ferner auch der von nicht abhängige Gen. in Sätzen wie hier ist meines Bleibens nicht, Elis. Charl. v. Orl. 3, 401 daß ich morgen der Zeit nicht haben werde. Vgl. Niete, nie, nein, noch, nur.

Nichte, f.(Pl.-/): Bruders-, Schwester- tochter. Ndd., im 17. Jh. ins Hochdeutsche aufgenommen(1678 bei Krämer), mnd. nichte, nichtelce, nichtele u. nifte f.«Bruders-, Schwe- stertochter, auch Enkelin», 1477 clev. nychte, im mrhein. Voc. ex quo 1469 npecht«Mutter- schwester», ndl. 1598 ni(e)chte, nndl. nigt f. Enkelin, Nichte, Blutsverwandte, Tante». Das Wort ist eins mit ahd. nift f.«Enkelin, Stieftochter», das fem. Bildung zu Neffe(s. d.) ist u. dessen Dim. Niftel(s. d.) im 18. Jh. von Nichte verdrängt wurde; dazu afrs. nift f. Nichtey, ags. ni¹t f. Nichte, Enkelin, Stief- tochter⸗, anord. nipt f.«nahe Verwandte, Schwestertochters; urverw. mit lat. neptis, lit. neptis«Enkeliny, ir. necht, aind. napli f. Enkelin, Tochter.

nichtig, adj.: ohne Wesenheit, ohne Be- stand, ohne Wert seiend. Von nicht(s. d.). 1509 bei Brant Layenspiegel J4²2. 43L. Nichtigkeit, f., 1483 bei Eychman n 82 nichttigkeyt, md. im 14. Jh. nihtekeit f.

1Nichts, n.: Zinkweiß, 1594 bei Frischlin Nomencl. Cap. 13 Nichts«Hüttenrauch», aus gr. lat. onyYchitis f., s. Nicht.

znichts, unbestimmtes substantiv. Zahl- pronomen, ohne Biegung. Mhd. im 14. Jh.

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