Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
287-288
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287 Nerz

Nestel 288

adj.: nervig, kräftig(bei Lessing 10, 299, noch 1813 bei Campe nervig); in gereiztem Nerven- zustande befindlich(bei Goethe Nat. S. 11, 281, aber erst seit 1830 recht gebräuchlich); aus lat. nervõsus«nervig) unter Einwirkung von frz. nerveuæ. Vgl. Ladendorf. Davon Nervosi- tät, f., zuerst 1849(Beleg a. a. 0.). ZUS. Nervenfieber, n., 1777 b. Adelung. Nerven- krankheit, f., 1741 bei Frisch.

Nerz, Nörz, m.(-els, Pl.-e): der kleine Fischotter od. Sumpfotter, Wasserwiesel, mu- stela lutreola, dann sein geschätzter Pelz. Im 15. Jh. nortz(Nürnb. Pol.-Ordn. 189), 1561 bei Maaler Nertz, Nörtz, mlat. noerza, aus abg. norici «Taucher», serb. norac, poln. nurek m., russ. norka f.«Sumpfottery, apreuß. naricie«Iltis».

Nessel, f.(Pl.-): die Brennen u. Jucken der Haut verursachende Pflanze urtica; dann (aber erst mhd.) der Khnlichkeit wegen die Pflanze lamium. Mhd. negzel(e), ahd. nez(3)ila f.; dazu mnd. ne(t)tele, ndl. netel, ags. netele f., engl. nettle, schwed. nässla, dial. nätla, dän. nelde. Weitergebildet von ahd. nagza f., norw.- dial.-nata, gotländ. natäã«Nessel». Urverw. mit ir. nenaid«Nessel», lit. néndré(aus*nenadrε) «Schilfrohry. Mit abweichendem Auslaut lit. nõteré, apreuß. noatis, lett. nãtres Nessel. Vgl. Netz. ZUS. Nesselgarn, n.: aus Nessel- fasern gesponnenes Garn, 1562 bei Mathesius Sar. 14². Nesselsucht, f.: Hautkrankheit mit sog. Quaddeln oder Nesselmälern, das Nesselfriesel, 1705 bei Elis. Charl. v. Orleans 2, 385 Neßelsucht. Nesseltuch, n.: urspr. aus Nesselgarn gewebter Zeugstoff, jetzt baum- wollner Batist u. Musselin, 1678 bei Krämer. Nesselvogel, m.: der Schmetterling papilio

urticae, der kleine Fuchs, dessen Raupe auf nastila, nastula, nastola f., ital. nastro m.); dazu 1477 clev. nastel, nestel, and. nestila f.

Brennesseln lebt. 1796 bei Nemnich. Nest, n.(es, Pl.-er): Lagerbau usw. von Vögeln, Insekten, Würmern, sowie von man- chen Säugetieren für die Brut od. die Jungen u. zum Aufenthalte;(dann bildl.) Lager(schon mhd.) u. Wohnstätte der Menschen(Luther 4. Mos. 24, 21), bes. geringer Wohnort(im 16. Jh. bei Götz v. Berlichingen 2, 74). In urspr. Bed. mhd. nest, nist, ahd. nesf n.; dazu mnd.-ndl.-ags.-engl. nest. Urverw. mit glbd. lat. michas(aus*niεε⁴ s), ir. nett«Nesto, kymr. nyth«Nest, Wohnung», abg. gnezdo n., lit. lizdas m.«Nest», arm. nist«Lage, Sitz, Resi- denz', aind. nda- m. n.(Lagerstätte für Tiere, auch Wohnung). Vgl. Walde. Dafür got. sitls m.«Sitz, von sitan æsitzen». 4 BL. Nestling, m.(-s, Pl.-e): das Nestjjüngste,

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Nestküchlein, Vogel, der noch nicht flügge ist, 1664 bei Duez, 1477 clev. nestlyng m.; bildl. vom Kinde, mhd. 1399 nestlinc, dafür in Rhein- hessen Nestert(gebildet wie Bankert, s. d.). 2Z0S. Nestbuttich, m.(-s, Pl.-e) u. Nest- bützel, m.(-S, Pl. wie Sg.): das Nestjüngste, in der Wetterau, von nd. Butt m.«kurzes dickes Kind», bayr. Batt m.«Person, Tier oder Pflanze von kleiner, kurzer, dicker Ge- stalty, mhd. batze m., bäützel, pützel n.«Wicht- lein, Wichtel, Zwerglein»(s. butt). Nestei, n.: im Neste liegen gelaßnes od. hineingelegtes künstliches Ei, damit das Federvieh weiter dazulege, b. Luther 3, 388 b Nestey, vom künst- lichen 1716 bei Ludwig. Nestflüchter, m. u. Nesthocker, m.: Bezeichnung für die verschiednen Vögel, je nachdem die Jungen gleich das Nest verlassen können od. nicht. In der neuern Zeit in der Naturgeschichte. Nesthäkchen, n.: das Nestküchlein, obsächs., dafür 1715 bei Günther 996 Nest-Heckel n., 1781 bei Salzmann Krebsbüchlein 54 Nest- höckchen, 1716 bei Ludwig Nesthöckelchen, henneberg. Nesthückele n., schweiz. Nesthöck m. u. Nesthöckerli n. Nestküchlein, n.: das Nestjüngste, das von einer Brut zuletzt aus dem Ei gekrochne, kleinste u. zarteste Nestjunge, dann das Letzgeborne von Geschwistern. 1741 bei Frisch, mnd. nestkülcen n. Nestquak, m. (-els, Pl.-e): das Nestküchlein, 1664 bei Duez Nestguack, u. Nestschreier(s. quaken). Nestel, f.(Pl.-n) u. m.(-s, Pl. wie Sg): Schnur od. Riemen, gew. mit einer Art Nadel, Stift od. Beischlag an dem einen Ende zum Einsenken, Durchstecken od. Einschnüren ver- sehen, Bandschleife. Mhd. nestel m. f., ahd. nestilo m. u. nestila f.(woraus entl. mlat.

Binde, Haarbands, ndl. nestel m., afrs. nestla m., westfrs. nest«Nestel», anord. nist(i) n. Heftnadel am Kleid», norw. nest«lose Nahtꝰ, dial. neste«Spanne, Haken», älterdän. nest(c) «Spange» und ahd. nusta f.«Verknüpfung, Haken zum Einhängen d. Schlingev. Gleichen Stammes wie ahd. naska, nusga f. u. nuskil m., mhd. nusche f. u. nischel m.«Mantel- u. Gürtel- schnalley, and. nusk(i)a f.-Spange». Wohl urverw. mit lat. nôdus m. Knoteny. Vgl. Walde. RA. Den oder die N. knüpfen«mit Zauberei zeugungsunfähig machen» entweder durch Verschnüren an heimlichem Orte(Hölty 20, 25 f.) oder durch einen heimlich an einer der Hosennesteln des Ehemanns angebrachten