Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
277-278
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277 Nast

Natur 278

naß, vor naß umsonst⸗, Nassauer«armer, geldloser od. geiziger Mensch, der nicht zahlt⸗ (Trachsel Berlin. Wörter 38). Schon im 15. Jh. steht naß für«betrunken», später dann auch für«Abenteurer, gerieben, verschlagens, vgl. DW. 7, 423. Anders ZfdW. 2, 346.

Nast, m.(Jels, Pl.-e): Ast u. Astwurzel- knoten. 1618 bei Schöusleder, 1525 bei Bau- mann Queller 1, 634, noch hess.-fränk.-bayr.- schwäb.-els. Mit vorgetretnem aus 48t.

Natälie, Frauenname. Von lat. nãtãlis m. Geburt, Familie, od. vom Adj. nãlis zur Geburt(insbes. des Heilands) gehörig.

Nation, f.(Pl.-en): das Volk als Gesamt- heit; die Menschen einer großen Staatsgesamt- heit. 1446 bei Janssen Frankf. Reichscorr. 2, 91 nacion, ebenso 2, 253 von 1467, Liliencron 2, 425 b von 1499 nation f. Aus glbd. lat. udãtio f. (Gen.-nis), urspr.«Geschlecht», woher auch frz. nation, ital. nazione f. nationãl, adj.: einem Volke eigentümlich, bei Herder, Goethe (in Zss. schon 1526 in Reichsordn. 130 National- Versammlung) gebildet nach frz. national, da- neben nationell b. Goethe 34, 1, 188; nationäl- liberal, adj., 1867 in Hannover auftauchender Name für eine politische l'artei; Nationäãl- ökonomie, f.: Volkswirtschaftslehre, zuerst 1805 in Deutschland auftauchend in dem Werk des Grafen Soden die Nv. nationalisieren, v.: in ein Volk einbürgern, 1725 bei Gottsched Vernünft. Tadlerinnen 1, 11, nach glbd. frz. nationaliser. Nationalitäãt, f.(Pl.-en): Volks- eigenheit, Volkstum, bei Goethe 27, 97, aus glbd. frz. nationalité f.

Nativität, f.(Pl.-en): Geburt, Geburts- stunde; der das Lebensschicksal vorbedeutende Stand der Gestirne zur Geburtsstunde eines Menschen. Im 16. Jh. Nativitet f. in der astro- logischen Bed.(Zimm. Chron. 2,110, 38, Mathes. Sar. 52 2), mhd. nativitas f.«Geburts, aus lat. nãtvitas f.«Geburts, von lat. nãlrν‿ ge- boren, angeboren»(s. naip).

Natron od. Natrum, n.(-s): mineralisches Alkali od. Laugensalz. Aus gr. lat. nitrum, gr. virpov n.«natürliches mineralisches Laugensalzy.

Natter, f.(Pl.-n): Art kleinrer Schlangen, coluber. Mhd. nãter(e), ahd. nãt(a)ra f.; dazu asächs. nädra, ags. nc(d)dre, anord. nadra f., nadr m., got. nadrs m., mit Abstoßen des Anlautes n mnd.-ndl.-engl. adder(s. Otter f.). Urverw. mit glbd. ir. nathir, kymr. neidr, auch lat. natriæ f. m.«Wasserschlangen(angelehnt

an näre«schwimmen»). ZUS. Natterhals

1721 bei Jablonsky. lein, 1696 bei Elis. Charl. v. Orleans 2, 69, aus

od. Natterwendel, m.: der Dreh-, Wende- hals, jynx torquilla, 1558 in Heuslins Vogel- buch 553. Natterwurz, f.: die Pflanze poly- gonum bistorta, spätmhd.-ahd. nater:wurz f., mnd. naderwort; sie hat ihren Namen wegen der schlangenartig gedrehten od. gekrümmten Wurzel. Natterzunge, f.: die Pflanze ophio- glossum vulgatum; versteinerter Fischzahn als Zierat. Beides spätmhd. im 15. Jh. Natür, f.(Pl.-en): urspr. Beschaffenheit, Wesen eines Dinges; Gesamtheit der Eigen- schaften alles Geschaffnen; Gesamtheit der geschaffnen Wesen, die sichtbare Schöpfung (1558 bei Heuslin Vogelbuch 163 das Bach der Natur); die in dieser sichtbaren Schöpfung wirkende Kraft(1541 bei Franck Sprichw. 1, 148² u. schon mhd. bei Heinrich von dem Türlin Krone 8167 f.). Mhd. natar(e), selten natiure(nach frz. nature) u. nattuore, nataur, ahd. natura f.«angeborne Art, Beschaffenheit». Aus glbd. lat. nãtũra f., urspr.«Geburts, von nãtus«geborenꝰ. naturäãl, adj.: der Natur angehörig, nur in Zss. wie Naturalbesoldung Besoldung an Naturerzeugnissen, Frucht u. dgl., Naturallieferung usw., von glbd. lat. nãtürãlis. Naturãâlien, Pl.: Naturkörper, erzeugnisse, 1675 bei Weise kl. Leute Na- taralia, der Pl. Ntr. des lat. Adj. nãtärälis. Naturalismus, m.: Schlagwort für eine bes. Kunstrichtung, die bes. von Zola künstlerisch u. theoretisch vertreten wurde. Vgl. Laden- dorf u. Zfd W. 8, 15. naturalisieren, v.: in den einheimischen Staatsverband aufnehmen, das Bürgerrecht geben, 1663 bei Schottel 1273 (von fremdsprachlichen Wörtern), aus frz. naturaliser. Naturalfst, m.(-en, Pl.-en): der Naturkundige(1616 bei Albertinus Narren- hatz 193 L.); wer eine Kunst od. Wissenschaft nur als Autodidakt betreibt(1778 bei Maler Müller Faust 15, 5, in der Fechtkunst 1742 bei Trichter); der Natur- oder Vernunftgläubige (1777 bei Adelung). Aus frz. naturaliste m. Naturéll, n.(-s, Pl.-e): natürliche, eigen- tümliche Anlage, Gemütsgabe, 1711 bei Räd-

glbd. frz. naturel m. natürlich, adj., mhd. natur-, natiurlich, ahd. natêrlih, im Adv. mhd. naturliche, ahd. natsrlicho, von Natur. In der Bed.«unehelich» seit dem 15. Jh., ent- sprechend frühmlat. filius naturalis(von Ver- wandten im 16. u. 17. Jh. auch æleiblich»); cungekünstelt, einfach, offen⸗ im 18. Jh. bei Hagedorn, Gellert. Natürlichkeit, f., mhd. natur-, natiurlicheit f. ZUS. mit Natur: 18*