Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
269-270
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269 nahrhaft

Name 270

16. u. 17. Jh. ne(h)ren, bei Luther neeren, mhd. ner(e)n, älter nerigen, ahd. nerjan, nerren (zgs. ginerjan)«gesund machen, heilen, am Leben erhalten, retten, schützen, an Leben u. Leib fortdauern u. gedeihen machen; dazu asächs.-ags. nerian, mnd. neren, afrs. nera, anord. ncra, schwed. nära, dän. näre, got. nasjan genesen machen, heilen, retteny». Dazu noch mit Ablaut anord. nôra cerfrischen, ernähren?, norw. nõre«anzünden, Feuer anmachenꝰ». Eig. Kausativ zu genesen(s. d.). ZUS. Nührboden, m., erst im 19. Jh. Nährstand, m.: der Stand, der sich mit Hervorbringung u. Verarbeitung der Naturerzeugnisse beschäftigt, Ackerbauer u. Handwerker, 1562 bei Mathes. Sar. 66 2 lehr, wehr und nehrstandt. Nährvater, m.: Pflege- vater, bei Campe mit Belegen aus dem 18. Jh.

nahrhaft, adj.: Fortdauer u. Gedeihen an Leben u. Leib gebend. 1678 bei Krämer, nahr- hafftig 1663 bei Schuppius 185, aber 1429 im Bürgermeistereibuch von Frankfurt a. M nar- haftig«auf Nahrung, Erwerb ausgehend». Zgs. mit mhd. Nar f. Heil, Rettung, Unterhalt, Nahrung, Kost», ahd. nara f.«Rettung, Er-, Unterhaltung», das wie nähren zu ahd. nesan, ganesan(s. genesen) gehört. Daneben 1537 bei Dasypodius neerhafft, das da neret, 1691 bei Stieler nehrhaft, von nähren abgeleitet. Nahr- haftigkeit, f., 1540 bei Alberus dict. aa 2 b narhaftigkeit.

nnährlich, adj.: notdürftig, spärlich, knapp; das Adv. auch in der Bed. ckaum. Das Adj. im 17. Jh. bei Rachel 1, 190 u. noch in Thüringen, spätmhd. nœrlich, md. nérlich u. néhirlich(LfdA. 8, 470); das Adv. nährlich bei Bürger Lenardo Strophe 22 u. noch in md. Ma., 1540 bei Alberus dict. aa 2 b nerlich«spär- lich⸗, p 1 b närlich«kaumo, im 15. Jh. bei Osw. v. Wolkenstein nérlichen genau, gründlich», ebenso bei Luther 4, 241 b nehrlich. An näher (Komp. von nahe) angelehnt, aber wohl urspr. zum asächs. Adj. naru, naro«enge, bedrängend, drückend, Pein erregend, Adv. narawo«enge?, ags. nearu(Adv. nearace)«zur Beklemmung schmal, beengend, zu knapp, bedrängnisvoll», engl. narrou«enge, schmal, kleinv, Adv. nar- rouolg«eng, schmal, knapp, mit genauer Nots, ags. nearu f.«Linengung, Klemme, Bedräng- nisy, afrs. nara«Bedrängnis», spätahd. narεοο m.«Klammer, Türschnalle»(s. Narbe).

2nährlich, adj.: sich durch Erwerb näh- rend, mhd. nerlich; Lebensbedarf gewährend, nahrhaft, 1537 bei Dasypodius neerlich. Von nähren(s. d.).

nahrlos, adj.: zum Leben unergiebig od. erwerbslos, 1716 bei Ludwig. 43L. Nahr- losigkeit, f., 1777 bei Adelung. Zgs. mit mhd. nar, ahd. nara f.(s. nahrhaft).

Nahrung, f.(Pl.-en): Ernährung(Luther 1. Mos. 6, 21); zur Ernährung dienender Stoff (mhd. narunge), nerunge f.); Lebensunterhalt (1514 bei Keisersberg dreieck. Spiegel Ce) u. Gewinnung desselben durch ein Gewerbe (1. Mos. 47, 3). Mhd. narunge kommt von mhd. nar, ahd. nara f.(s. nahrhaft), dagegen nerunge von nähren(s. d.). ZUS. nahrungslos, adj., 1659 bei Butschky Kanzl. 273. Nahrungs- mittel, n., 1641 bei Schottel374. Nahrungs- sorge, f., 1678 bei Krämer.

Naht, f.(Pl. Nähte): Linie des Zusammen-

genähtseins mittelst Nadel u. Fadens, sowie

derselben Ahnliches; Art des Zusammennähens. Mhd. nät(Pl. nœte), ahd. nãt f., im Mhd. auch «Stickerei, Zusammenheftung od. Zusammen- schnürung knopfloser Kleiders; dazu mud. nãt, ndl. naad f.,(entl. schwed. nät, dän. naad). Von nühen(s. d.), entsprechend gr. vhcic f. «Spinnen». 4L. Nühter, m., mhd. im 12. Jh. nãtere, ahd. nätare m.«Schneider, unge- bräuchlich; davon Nühteréi, f., 1727 bei Aler Näderei, u. Nähterin, f., mhd. nœterin, im 15. Jh. néterin f.

naiv, adj.: mit ansprechender Natürlich- keit unbefangen u. unverstellt. Zuerst nach- weisbar 1711 bei Elis. Charl. v. Orleans 3, 266 naif, in die Literatur eingeführt durch Bodmer (1746 im Mahler der Sitten 2, 624) u. Gellert, der naif(Schriften 1, 339 u. 4, 84) u. das Naive schreibt. Aus frz. nasν/ natürlich, naturgetreu, einfach, ungezwungen, unbefangen, aufrichtigꝰ, neben natif«gebürtig, angeboren?, von lat. nãtzwus«geboren, angeboren, natürlichy, im Mlat. auch«aufrichtig, offenherzig», zu lat. nätus m. Geburt». Subst. Nafve, f., Schau- spielerin, die jugendl. Rollen spielt. Naivität, f.: natürliche Einfachheit, Offenherzigkeit, un- gezwungnes Wesen, bei Lessing 4, 196, aus glbd. frz. naiveté f., von lat. nãt:witas f.«Geburts, im Mlat. auch«Aufrichtigkeit, Offenherzigkeit». Vgl. Nativität.

Name, m.(-ns, Pl.-n): das einem lebenden Wesen od. einem Dinge zur Unterscheidung von andern zukommende Wort. Bei Luther Name, im 17. Jh. oft Namen, mhd. nam(e), ahd. namo m.; dazu asächs. namo m., ndl. naum, afrs. noma, ags.*ama, noma m., engl. name, anord. nafn n., schwed. namn n., dän. navn n., got. namò n., urverw. mit lat. nõmen, gr. õvona,