Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
231-232
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23 1 Mumme

Mumpitz 232

des Asphalts(pers.-arab. ebenfalls maün) im antiken Orient als Heilmittel, u. da die Ein- balsamierung der ägyptischen Leichen zum Teil mit Asphalt bewirkt war, benutzten die Araber im 9. Jh. zunächst den in den Mumien gefundnen Asphalt als Arzneimittel u. dann die Körperteile selbst(s. Wiedemann in Ztschr. d. Ver. f. rhein.-westf. Volkskde. 1906, S. 1). 4B E. mumienhaft, adj., bei Goethe 24, 277.

1 Mumme, f.(Pl.-n): ein starkes, sehr dickes, dunkelbraunes, süßliches Hopfenbier. Schon 1492 in Städtechron. 16, 391, 2 mumme als Braunschweiger Bier genannt. Die Angabe, daß Christian Mumme es 1489 erfunden habe, findet sich erst bei Adelung 1798. Bei Fischart Garg. 86 als M. der Braunschoeigisch Mumm. Aus dem Deutschen ndl. im 16. Jh. mom(me) f., engl. mum, mom, mundartl.-schwed. mumma f.

² Mumme, f.(Pl.-n): verlarvte Person, Verkleidung. Bei Frisch aus Straßburger Pol.-Ordn. des 16. Jh.; dazu 1477 clev. mumme, 1495 in der Kölner Gemma M3c momme(in mommenaensicht), mndl. momme, nndl. mom f.; dazu spätmhd. mumme f.«Brummerin⸗(von einer Kuh). Von mummen, v.: brummen, un- deutlich reden; sich verhüllen, verlarven. In der 1. Bed. nur älternhd., z. B. bei Luther 6, 317 b, 1691 bei Stieler«unverständlich dumpf sprechery, 1663 b. Schottel mummen, mummelen cein Lautwort, mum muum sagen»(s. maummeln); in der 2. Bed. ebenfalls im 16. u. 17. Jh.(1575 bei Fischart Garg. 72), jetzt nur in Zss. ein-, vermummen(letztres refl. bei Fischart Dicht. 2, 243, 65 Kurz, das Part. vermumpt 1557 bei Sleidanübers. v. Stamler 123 b). Vgl. Mummerei. ZUS. mit Mumme Mummenschanz, m.: Maskerade, d. h. Tanz od. Lustbarkeit ver- larvter Personen. Spätmhd. mummen hieß im 14.16. Jh. ein Glücksspiel mit Würfeln, schanz f.«der Glückswurfs(s. Schanze), mum- schanz od. mummenschanzf. im 16. Jh. ein Wurf in diesem Glücksspiel(H. Sachs Fastn. 6, 34), der dann in Fastnachtszeiten von umherziehen- den Masken dem Hauswirt u. seinen Gästen angeboten u. ausgeführt wurde(Zimm. Chron. ² 3, 265, 2 momschanz); daher ging das Wort in die Bed.«Vermummung, Maskerade» über (1595 im Froschmeuseler 3, 3, 8), kam aber im Anfang des 18. Jh. außer Gebrauch, Campe verzeichnet es als«veraltet u. jüngst von Veit Weber Genuswechsel wieder erneuerts(daher bei Goethe 3, 165 M. 15, 1, 22 F.). Mummen- spiel, n.: Maskerade, bei Goethe 28, 156.

1 Mummel, m.(*, Pl. wieSg.): vermummte

unheimliche Gestalt. 1537 bei Dasypodius Mumelf., 1605 bei Hulsius Mummel«Gespenstꝰ, schon bei Keisersberg Postill 3, 802 Mummel- thier u. im Evangelibuch 232 Mummelspiel, 1420 mnd. mumelinæ-hovet«Larve, Maske» (Diefenb. gl. 319 b). Von mummeln, v.: die Stimme brummend, in dumpfen Lauten hören lassen, undeutlich sprechen, murmeln; ver- mummen, unheimlich einhüllen;(auch) kauen wie ein Zahnloser(daher Mummelgreis, m., bei Busch Mümmelgreis), vgl. mumpfeln. Ite- rativ von mummen(s. d.). In der 1. Bed. 1508 in der Straßburg. Gemma 4 b u. bei Luther W. 6, 235 mummelen; dazu mnd. mummelen «in den Bart brummen, heimlich reden, 1495 in der Kölner Gemma 0 4 b u. mndl. mommelen; aus dem Deutschen entl. isl. u. schwed. manla «murmeln, murren, brummenꝰ», dän. mamle; in der 2. Bed. im 16. u. 17. Jh. gebräüuchlich, jetzt nur in Zss. ein-, vermummeln(1560 bei Melanchthon corp. doct. christ. 743 vermimlen).

2 Mummel, Mümmel, f.(Pl.-/) u. Müm- melchen, n.: die weiße od. gelbe See-, Wasser- lilie, nymphaea alba u. lutea. Auch Mummel- kraut n. Bei Nemnich 1794 eiße und gelbe Mummeln, bei Voß 5, 150 Mümmel u. Idyll. 12, 21 HMümmelchen, aus dem Ndd., mnd. miim- melken. Wohl eins mit 1Mummel, denn den Seelilien, die auch Wassermännchen u. Nix- blumen heißen(Nemnich), haftet wegen ihrer Bez. zu den Wassergeistern etwas Unheimliches u. Gespenstiges an; mehrere Seen, die das Volk von Nixen bewohnt dachte, heißen Mummelsee.

mummen, Mummenschanz, s. Muneme.

Mummeréi, f.(Pl.-en): Vermummung; Mummenspiel. 1521 bei H. Sachs Fastn. 6, 281 u. 1524 bei Luther 2, 477²2 Mummerey, in der Zimm. Chron. ² 1, 574, 2 Mumerei, 2, 391, 5 Momerei; dazu mndl. mommerije. Vonälternhd. Mummer m.«Vermummter?(1575 bei Fischart Garg. 167), mnd. mummer, mndl. mommer, ab- geleitet von mummen(s. d.).

mumpfeln, v.: im Munde hin- u. herbe- wegend mühsam kauen, wie zahnlosealte Leute. 1570 bei Agricola Sprichw. 312 b mümpflen neben mumpfen 1541 bei Franck Sprichw. 2, 10 b; dazu md. u. nd. mumpeln, ferner mndl. mom- pelen neben mondpelen«leise, heimlich reden, murmelny, 1477 clev. mumplen cals heimliches Gerede erzäühlt werden, vgl. muffeln u. mum- meln. Zu älternhd. Mumpfel f.«Bissen», mhd. muntvol m.

Mumpitz, m.: Schwindel, Unsinn. Zuerst um 1850 in Berlin, aus dortigen Börsenkreisen