Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
229-230
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229 Muhme

Mumie 230

werk, n., mhd. mül-, mulaerc n.(spätmhd. bei Jacobson Mul, gekürzt aus engl. mulmul,

auch Erzeugnis einer Mühle, z. B. Papier usw.).

Muhme, f.(Pl.-n): Vater- oder Mutter- schwester; Seitenverwandte;(übertr.) Kinder- wärterin. In der 1. Bed. ist das Wort, die Dichtersprache ausgenommen, durch das im 18. Jh. aus dem Franz. kommende Tante(s. d.) verdrängt, aber noch bayr. Muem f.«Mutter- schwester». Mhd. muome, md. mäme, ahd. muoma, mõma f.«Mutterschwester», im 14. Jh. auch Schwägerin», im 15. Jh. überhaupt cweibliche Verwandte», zu Ende des 15. Jh. bei Keisersberg im bes.«weibliches Geschwister- kind; dazu mnd. môme, môöne, müne, clev. 1477 moyne, mndl. moeme f.«Tante», entsprechend anord. möna f.«Mutter». Mit andrer Endung clev. 1477 u. mndl. moeye, nndl. moei f.« Tante⸗ (wie ahd. muoia in holæmuoia f.«Waldmütter- chen, Waldweibchen», gr. Hoa f.-Mütterchen»), ahd. muotera, mnd. medder, modder, clev. 1477 moddere, afrs. modire, ags. mõdrige, môddrie f. Mutterschwesters»(übereinstimmend mit glbd. gr. unrpuid f., vgl. lat. matertera f.), mndl. moede f. Tante⸗». Gleichen Stammes wie Mutter(s. d.). Das Ags. bewahrt das ent- sprechende fada f. Vaterschwestery.

Mühsal, mühsam usw., s. Mühe.

Mulätte, m.(-n, Pl.-/): Mischling von Weißen u. Negern. 1716 bei Ludwig Mulatt m. Aus span. port. mulato m., urspr.«Abkömm- ling von Hengst u. Eselin, Mauleselꝰ, adj. Ab- leitung von lat. mülus m. Maultier».

Mulde, f.(Pl.-n): langrundes, etwa einer halben, der Länge nach geteilten Walze ähn- liches ausgehöhltes Gefäß, Back-, Mehl-, Fleisch- trog;(bergmännisch im 18. Jh.) Vertiefung in den Flötzen, dann Talsenkung. Spätmbd. malde, molde, muolte(St. Galler Ordnungen 193) f., auch für Milch(Michelsen Mainzer Hof 40), mnd. molde, molle, malde f. Gekürzt aus glbd. mhd. multer, muolter f., 1482 im Voc. theut. t8b mulchter(Melkkübel), ahd. muolt(e)ra f.«Mehl-, Backtrog», mulhtra f.«Melkgelte», entl. aus lat. mulctra f.«Melkkübel». Die Form der Mulde ist urspr. der des alten länglichen Melkgefäßes ähnlich.

1 Mull, Müll, m. n.(els): lockre Erde, Stauberde, Schutt. 1777 bei Adelung Mall n., bei Zelter an Goethe 2, 8 Müll, aufgenommen aus dem Nd., mnd. mal⁷) n., ndl. mul f., ent- sprechend hochd. Molte)(s. d.), spätmhd. gemül(le) n.«Staub, Auskehricht»(s. Gemüll).

* Mull, m. n.(-Lels, Pl.-e): weißer dünner Baumwollenstoff, urspr. aus Ostindien, 1783

ind. malmal«feiner Musselin».

Müller, m.(-s, Pl. wie Sg.): der eine Mühle besitzt od. bedient. Mhd. im 14. Jh. müller, md. maller, moller, möller, älter u. üblicher mhd. miülnœre, mülner, md. mulnere, molner, ahd. mul(i)nari m.(daher noch 1691 bei Stieler Müllner); dazu and. mulineri, mnd. molre, mõlre, moller, anord. mylnari m. Wohl unmittelbar entl. aus mlat. molinarius m. Müllers. 48L. Hüllerin, f., spätmhd. mäülnerin, müllerin, md. mollerin f. ZUS. Müllerbursche, m.: Mühlbursche, dafür mhd. müllerkneht m. Mülleresel, m., 1561 bei Maaler.

Mulm, m.(Tels): von Würmern zu Staub- mehl zerfressnes od. auch verwittertes Holz (1691 bei Stieler Mulm, 1663 bei Schottel Mülm m. u. Gemulm n., andl. 1598 molm); aus- gewittertes Erz(1710 bei Hertwig Bergbuch); Holzfäulnis(1783 bei Jacobsson); lockre weiche Erde(Voß Landbau 2, 204); wie zu Mehl Auseinandergefallnes(Gosthe 12,90). Gleichen Stammes wie mahlen, Mehl, Molte(s. d.). 4B L. mulmicht, mulmig, adj., 1691 bei Stieler mulmicht, mulmicht, bei Voß Ovid Nr. 9, 42 u. Landbau 16 b mulmig.

mulsch, adj.:(von Obstfrüchten) innen angefault, mohl, teig(s. d.). Sächs. u. ndd., obd. mölsch, molsch, melsch. Vielleicht zu gr. uokaxòc«weich).

mulstern, v.: schimmlig, faul werden. Ndd. 48L. mulsterig, adj.: faulig, stockig, im 18. Jh.

multiplizieren, v.: vervielfältigen, d. h. eine Zahl sovielmal nehmen, als eine andre Zahl anzeigt. 1514 in Böschensteyns Rechen- buch A. Aus lat. multiplicäre verviel- fältigen?, von lat. multus«viely u. plicäre cfalten». Multiplikatiön, f., 1664 bei Duez, aus lat. multiplicãtio f.

Mumie, f.(Pl.-n): einbalsamierter einge- trockneter Leichnam der Vorzeit. 1534 bei Franck Weltbuch 185 2 Mummea f., 1565 bei Paracelsus Wundartzney 43 Mummia mit dem Pl. Mummien S. 55, 1574 bei Fischart Onomast. 74²2 Mumie f. Wie ndl. mummie, mommie f., engl. mummy, aufgenommen aus ital. mummia, afrz. mumie, nfrz. momie f., aus glbd. arab. mümlja, von pers.(u. dann arab. u. türk.) muüm, mön«Wachsy. Die Perser u. Babylonier überzogen ihre Toten mit Wachs(Herodot 1, 140, Strabo 16, S. 746). Die frühre Ver- wendung der Mumtie als Arznei(noch bis 1834 in öst. Apotheken) beruht auf der Benutzung

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