Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
195-196
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195⁵ Mistel

miste, dünge», lit. mieslai pl. m. Düngery», arm. mizem æich harne, awest. mabëzaiti, aind. méhati cer harnty. Vgl. Jdg. Forsch 4, 106. 4BL. misten, v., mhd. misten düngen, ausmisteny, ahd. mistön«düngeny». Z0S. Mistbeet, n., 1716 bei Ludwig Mistbett. Mist- fink, m.: der Bergfink, welcher im Winter in Höfen seine Nahrung sucht(1793 bei Nem- nich); schmutziger unsaubrer Mensch(1572 bei Fischart Prakt. Großm. 11), auch bezüglich der Gesinnung(1499 in der Straßburger Terenz- übersetzung 130 b). Mistgabel, f., mhd. mist- gabel, ahd. mistgahala f. Misthaufen, m., mhd. misthäfe,-houfe m. Mistkäfer, m., 1642 bei Duez. Miststätte, f., spätmhd. im 15. Jh. miststatt f.

Mistel, f.(Pl.-n): die auf Bäumen schma- rotzende dickblätterige Pflanze viscum. Mhd. mistel, ahd. mistil m.(noch bei Frisch 1741 u. Nemnich 1795 Mask., aber vereinzelt schon im

16. Jh. Fem.); dazu ags.-schwed.-dän. mistel m., engl. mistle«Mistel, anord. mistilteinn m. «Mistelzweig, Mistel», auch mlat. mistus für glbd. lat. viscus m. und viscun n. Nach Falk. Torp zu MWist, weil die M. nur dadurch ent- steht, daß ihr Same von Vögeln gefressen und mit deren Exkrement auf Bäume gebracht wird. ZUS. Misteldrossel, f.: Mistelbeeren fressende Drosselart, 1795 bei Nemnich.

Miszelläneen(östr. mit rund 5), Pl.: ver- mischte Aufzeichnungen, Aufsätze oder Schrif- ten, Vermischtes. Erst im 18. Jh.(1716 bei Ludwig Miscellanea, 1788 Miscellanien) aus lat. miscellãnea«aus allerlei Speisen gemischtes geringes Gericht der römischen Fechter»(Ju- venal 11, 20), dann in neurer Zeit,«eine in Allerlei bestehende Schrift», eig. Ntr. Pl. des Adj. miscelläneus«gemischt, vermischty, ab- geleitet von miscellas(s. Miszellen).

Miszéllen, Pl.: Aufzeichnungen oder Auf-

satze vermischten Inhalts, Vermischtes. Nach

Campe erst durch v. Archenholz, der 1795 Miscellen zur Geschichte des Tages herausgab, für Miscellaneen eingeführt. Aus lat. miscella, Ntr. Pl. des Adj. miscellas«gemischt», von lat. miscére«mischen.

mit, Präp. mit Dat., urspr. Adv., das Ver- hältnis der Verbindung, der Gemeinschaft, des Zugleichseins bezeichnend. Das Adv. lautet mhd. mit(e)(daher noch bei Fleming 415 mitte), ahd. miti, asächs. midi, ndl. mede, afries. mithi, mithe, ags. mid, anord. med, in Zss. got. mi⁵-; die Präposition mhd.-ahd. mit(im Hildebrands- lied 19 miti), md.-ndl. met, asächs. mid(i), afrs.

mit 196

mith, ags. mid, anord. med, schwed.-dän. med, got. mipß. Urverw. mit gr. uerd(als Adv. «zugleich, zusamty, in Zss. eine Gemeinschaft, Teilnahme ausdrückend, als Präp.«zwischen, unter, nach... hin), ferner mit awest. mal, aind. smãt«zusammen, samt, mity. ZUS. Mit- arbeiter, m., 1678 bei Krämer. mitbringen, V., b. Luther. Mitbruder, m., um 1480 im Voc. inc. teut. q3 b, mnd. medebröder. Mitbürger, m., mhd. mitebargœre, md. miteborgére, mete- burgére, mideburger m. miteinander, adv., mhd. mit einander, auch mit einandern, 1482 im Voc. theut. vAb miteinander. Miterbe, m., mhd. mit(e)erbe m. Mitesser, m.: mitessende Person(1678 bei Krämer); mitzehrendes ver-

meintliches Würmchen in der Haut(1691 bei

Stieler, wonach man die Würmchen als in die Glieder des Menschen gezaubert ansah, damit sie, namentlich bei Kindern, die Nahrung weg- zehrten). mitfahren, v., mhd. mite varn. mitfühlen, v., 1691 bei Stieler. Mitgabe, f.: das als angehörig, eigentümlich Mitgegebene (um 1480 im Voc. inc. teut. q4° mitgab); das Heiratsgut(md. im Anfang des 14. Jh. mete- gabe). Mitgift, f. das mitgegebene Heiratsgut, 1421 im Liegnitzer Urkdbch. 324 metegifft f., 1444 im Henneberg. Urkdbch. 7, Nr. 173 mite- gift, mnd. medegift. Mitglied, n.: Teilnehmer einer Körperschaft, bei Luther 1, 290 b, Reim- chron. des Herzogs Ulrich 81 Mitgelid; dazu ndl. medelid. mithalten, v.: an einem Spiel teilhaben, 1490 in den Nürnb. Pol.-Ordn. 88. Mithilfe, f., um 1480 im Voc. inc. teut. q4 mithilff. mithin, adv. und dann konj.: zu- gleich daraus folgend, bei Leibniz unvorgreifl. Gedanken 20, in der Bed.«gleichzeitig» schon 1541 bei Frisius 594b. Mitlaut, m. u. Mit- lauter, m.(-s, Pl. wie Sg.): Konsonant. Im 16. u. 17. Jh. mitlautender Buchstab(1531 bei Frangk Teutscher Sprach Art, dafür um 1522 bei Ickelsamer 11 Mitstimmer, 1691 bei Stieler Mäitlclinger), 1748 bei Gottsched Mäit- lauter, 1777 bei Adelung Mitlaut. Eine Uber- setzung des lat. consonans f.(nämlich litera f. Buchstabe»); das Adj. consonans wird schon um 1480 im Voc. inc. teut. q 4 b durch das Adj. mitlaut verdeutscht, wie ebenda lat. con- sônãre durch mitlauten. Mitleid, n.: Schmerz- gefühl aus Teilnahme, zuerst im östlichen Mitteldeutschland im 17. Jh.(1677 bei Butschky Pathmos Register, 1700 bei Philander v. d. Linde ernsth. Ged. 156), nach Sympathie gebildet; Mitleiden, n., mhd. miteliden n.(mnd. mede- liden) neben mitelidunge f. gemeinsames Leiden,