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ohne ge sind im allgemeinen vorzuziehen. Bei Luther, Schottel, Stieler, Gottsched usw. mis-, mhd. misse-, mis-, ahd. missa-, missi-(auch and.); dazu asächs.-ndl.-afrs.-ags. anord. mis-, schwed. miss-, got. missa- den Wechsel, Unter- schied u. das Falsche, Mangel, Verneinung be- zeichnend, urverw. mit air. mis-«mißver-, kehrt». Selten als selbständiges Wort noch im Ahd. das Adj. missi«verschieden», mhd. mis«mangelnd, entbehrendy, ν⁸(se) f.«das Fehlen, Mangeln», als Adv. mnd. mis(se) cfehl, sein Ziel nicht erreichend, ermangelnd», anord. ã miss«aneinander vorbei»(engl. amiss«vor- bei»), got. missô gegenseitig, wechselseitig, einander»; urverw. mit abg. mité, mitus? Adv. abwechselnd, aind. mithäs«gegenseitigs, môthä, mithujã«verschieden, falschy. Nach Btr. 7, 173 aber steht ahd.-got. missa- für*mipta, altem Part. zur Wurzel mih, die dem Verb meiden (s. d.) zugrunde liegt. Vielleicht stecken zwei verschiedne Worte in miß-. An nd. mis, m*6 «vergebens, nicht geraten?(1722 bei Freyer 61, 1663 bei Schottel 1118² u. 1132 ²) schließt sich unter Einfiuß des in der Gaunersprache üblichen miß, missa«pös, schlimm?(Grolmann 49 ²) das in Norddtschld. gebräuchliche Adverb mies «schlimmy. mißachten, v.(Part.[gelmiß- achtet), md. im 14. Jh. misseachtin; Miß- achtung, f., 1691 bei Stieler. mißarten, v. (Part. mißartet), 1678 bei Krämer. miß- behagen, v.(Part. mißbehagt), 1482 im Voc. theut. v 4 b, dafür mhd. missehagen; subst. Mißbehagen, n., 1641 bei Schottel 501, mißbehaglich, adj., 1691 bei Stieler. miß- bilden, v.(Part. mißbildet), 1691 bei Stieler; Mißbildung, f. ebd. mißbilligen, v.(Part. [gelmißbilligt), 1691 bei Stieler. Mißbrauch, m., bei Luther 5, 45 b, im 15. Jh. bei N. v. Wyle 350, 24 miszbruhe Pl., dafür ahd. missebrücheda f.; mißbrauchen, v.(Part.[genißbrauchl), im 15. Jh. mMissegebrächen, misbrüchen, ahd. misbrähan; mißbräuchlich, adj.: 1691 bei Stieler. Mißbündnis, n., bei Lessing Em. Gal. 1,6. mißdeuten, v.(Part.[gelmißdeutet, auch mißigedeutet), 1641 bei Schottel 501 aus Luther. Mißerfolg, m., 1809 bei Campe. Mißernte, f., bei Campe. mißfallen, v.(Part. mißfallen), mhd. missevallen, mnd. misvallen; subst. Miß- fallen, n., mhd. missevallen n.; mißfällig, adj., im 15. Jh. mißvällig. mißfarbig, adj., 1583 bei Thurneisser magna alchymia 2, 124 mißferbig, 1482 im Voc. theut. v 42 mißvarb. Mißform, f., im 16. Jh. bei Paracelsus; miß- förmig, adj., bei Voß Oden 2, 6, 3. Miß-
geburt, f.: das Mißgebären(1654 bei Logau?, Zug. 120), das Mißgeborene(1541 bei Frisius 7²). mißgelaunt, bei Gotter(1802) 3, LXXV. Mißgeschick, n., 1741 bei Frisch. Miß- geschöpf, n., bei Lessing 7, 136. Mißgestalt, f., 1716 bei Ludwig; mißgestalt, adj., 1641 bei Schottel 501; mißgestalten, v.(Part. mißgestaltet), bei Wieland?, 102. Mißglaube, m.(-/s): unrechter, böser Glaube, 1418 misz- glaube. mißglücken, v.(Part. mißgläckt), im 17. Jh. bei Canitz 95 mißgelücken; das Subst. mißglück n. schon im 15. Jh. mißgönnen, v. (Part. mißgönnt), 1557 bei Waldis Esopus 4, 95, 328. mißgreifen, v., mhd. missegrofen«fehl- greifen; Mißgriff, m., mhd. missegrifm. Miß- gunst, f., 1509 bei Janssen Frankf. Reichs- corr. 2, 781; mißgünstig, adj., im 16. Jh. bei Bullinger Reformationsgesch. 3, 327. miß- handeln, v.: zu übel behandeln(Part.[ge-- mißhandelt), mhd. missehandeln; unrecht tun, sich vergehen(Part. mißgehandelt, bei Luther 1. Mos. 31, 36), mhd. sich missehandeln«sich im Handeln verfehlen»; dazu Mißhandlung, f.: üble Behandlung, mhd. im 14. Jh. misse- handelunge f. Mißheirat, f., 1777 bei Ade- lung, frz. mésalliance. mißhellig, adj., mhd. mishellich, fortgebildet aus ahd. missahelli, mhd. missehel nicht übereinstimmend, das sich anschließt an ahd. missahellan«im Tone nicht zusammenstimmen», mhd. Missehellen cuneins sein»(vgl. einhellig): Mißhelligkeit, f., im 15. Jh. mißhelligkeit f. mißhören, v. (Part. mißhört), bei Goethe Faust 3431, schon 1555 bei Wickram Rollwagen 31, 28 K. Miß- jahr, n.: unfruchtbares Jahr, 1641 bei Schottel 501. mißkennen, v.(Prät. mißkannte, Part. mißkannt), bei Haller, Wieland. Mißklang, m., 1777 bei Adelung; mißklingen, v., 1748 bei Klopstockl, 41. Mißlaune, f., bei J. Paul und Voß; mißlaunig, adj. bei Goethe 23, 61. Mißlaut, m., 1466 mißlat bei Diefenb. nov. gl. 4b, 138 b. mißleiten, v.(Part. mißleitet), bei Lessing 8, 107. mißlich, adj.: in Be- ziehung auf den Ausgang, den Erfolg, zu un- gewiß, zu gewagt, mhd. misselich, mislich«ver- schieden, verschiedenartig, mannigfach, mög- licherweise verschieden ausgehend, ungewiß, zweifelhaft, wankelmütig», ahd. missa-, missi- Uih verschieden, mannigfaltig, ungleich; dazu asächs. mislik, afries. mislix, ags. mis(se)lic, anord. mislitr, got. missaleilcs«verschieden?; im Adv. mhd. mis(se)lêche, ahd. missillcho, asächs. niisliko, ags. mislice auf mannigfache Weise, verschiedenartig. Mibßlichkeit, f.,


