Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
189-190
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miß- 190

Minnesold, m., bei Bürger im Göttinger Musenalmanach 1774 8. 164, früher im 15. Jh. bei der Hätzlerin 2, 68, 422, aber mhd. minnen- solt m. Minnespiel, n., mhd. minnespil n.

minorénn, adj.: minderjährig, unmündig. 1694 bei Nehring, aus mlat. minorennis, von lat. minor«kleiner, jünger» u. einer Bildung von lat. annus m.«Jahr, jünger an Jahrenꝰ, vgl. majorenn. 4BL. Minorennität, f.: Minderjährigkeit, Unmündigkeit, 1694 bei Neh- ring, aus spätmlat. minorennitas f.

Minorit, m.(-en, Pl.-en): Franziskaner- mõnch, nach fratres minores«geringre Brüder» zum Zeichen der Demut, daß gleichsam einer dem andern die Füße wasche(vgl. Joh. 13, 14).

Minorität, f.(Pl.-en): Minderzahl von Stimmen, Stimmenminderheit(Goethe l. H. 23, 262). Aus mlat. minoritas f.«Minderheit», von lat. minor«kleiner, weniger.

Minstrel, m.(-s, Pl. s): englischer u. schottischer Sünger. Bei Wieland u. Herder 2. Lit. 7, 364. Mengl. mynstrelle, minstral m. Sänger, Spielmann, auch Diener», wie afrz. menestrel, prov. menestral«Handwerker, Mu- siker, Künstler», aus mlat. ministerialis«Be- dienstetery(s. Ministerium).

Minüte, f.(Pl.-n):, einer Stunde; Keiner Zeitteil. Spätmhd.(1418) minnt e) f. Mit verändertem Geschlecht aus glbd. mlat. minatum n.(daher ital. span. minuto m.), urspr. Ntr. des lat. Adj. minũtus«klein, winzig»(eig. Part. Perf. Pass. von minuere akleiner macher).

Minze, f.(Pl.-n): die Pflanzenart mentha. Mhd. minz(e), ahd. minza f.; dazu and. minta, mnd.-ags. minte f., engl. mint. Aus glbd. gr.- lat. mentha, gr. uiveo, uiven f. Daneben spät- ahd. münza, munza, mhd. münze, nhd. Münze, deren u nicht klar ist.

mir, s. ich.

Mirabélle, f.(Pl.-n): kleine runde wachs- gelbe od. rötlichbraune Pflaume. Im 18. Jh. (Goethe 4, 26) aus glbd. frz. mirabelle, ital. mirabella f., span. mirabel m., scheint abgel. zu sein von Mirabel Ort in Mittelfrankreich.

Miräkel, n.(-«, Pl. wie Sg.): Wunder, Wunderwerk. Mhd. u. nd. im 14. Jh., sowie clev. 1477 mirlel n., aus glbd. lat. mrãculum n., von mräri«sich wundern.

Misanthröp, m.(en, Pl.-en): Menschen- hasser. Im 18. Jh.(1703 bei Wächtler Misan- thropus, bei Lessing Misanthrop, bei Klopstock Wingolf 8 Misanthrope). Wie frz. misanthrope m. aus gr. Lucdvépurroc«menschenhassend, menschenscheuy, von Luceiv chasseny u. äv.

9purnoc m. Mensch». Misanthropie, f.: Menschenhaß, bei Herder, Wieland, wie frz. misanthropie f. aus glbd. gr. nicovporic f. misanthröpisch, adj.: menschenhasserisch (bei Goethe), wie frz. misanthropique nach glbd. spätgr. uicavòpumixöc.

mischen, v.: ohne Ordnung durcheinander- kommen machen. Mhd. mischen, obd. auch müschen, muschen, ahd. miskan; dazu mnd. mischen, ags. miscian, engl. miæ. Sehr wahr- scheinlich mit der Herübernahme der Wein- kultur entl. aus glbd. lat. miscére, obgleich es rein formal auch urverw. sein könnte. Vgl. Afd A. 42, 26. Vgl. Maische. 4BL. mischeln, v.:(obd. schon im 16. Jh.) die Spielkarten mischen, mhd. mischeln astellenweise ein- mischen», ahd. miskelön, wohl aus mlat. mis- culare, woher ital. mescolare, frz. méler, älter mesler«mischen». Mischling, m., 1621 bei W. Spangenberg Anmütiger Weißheit Lust- garten 221. Mischung, f., mhd. mischunge, ahd. miscunga f. ZUS. Mischehe, f.: Ehe zwischen Angehörigen verschiedner Konfes- sion. Mischmasch, m., 1664 bei Duez Misch- masch m., 1575 im Garg. 269 Mischmesche n.

Misel, n.,(Pl.-s): Mädchen, ein Lieb- lingswort des jungen Goethe, eig. elsäss. Dim. von mMäs«Maus». 4.B L. miseln, v.: liebeln, Goethe Br. 3, 23.

miseräbel, adj.: bejammernswert, erbärm- lich, elend, armselig. Im 17. Jh.(1643 im Sprachverderber 20, bei Schuppius 666) aus glbd. frz. misérable, von lat. miserãbilis, zu lat. miserãri«bejammern», miser cerbärmlich».

Mispel, f.(Pl.-n): Die Frucht des Mispel- baumes, die erst eßbar ist, wenn sie morsch wird. Mhd. mespel, mispel, auch nespel(noch bayr.-östr. Nespel), ahd. mespila u. nespela, nespil f., aus lat. mespilus f. u. mespilum n. Mispel, Mispelbaum, gr. uécmov n.«Mispel, woher auch ital. nespola, span. nispola, nespera, afrz. neple, nfrz. nefle f.« Mispel». ZUS. Mispel- baum, m., mhd. mispel-, nespelboum, ahd. nespilboum m.

mif-, partikelhaft bei Substantiven, Ad- jektiven u. Verben, den Begriff des Fehlenden, Verfehlenden, Nichtzutreffenden, Unrechten, mit Verkehren ins UÜble verbundnen Fehlers mitteilend. Bei den verbalen Zss. trennt heute die Umgangssprache zuweilen das miß- ab, 2z. B. verstehen sie mich nicht miß, was aber nicht als gut gilt. Im Part. steht normaler Weise das ge- nicht, doch hört man neben mißbilligt auch gemißbilligt u. mißgebilligt. Die Formen