Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
179-180
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179 Meuter

Miere 180

hunde zur Hetzjagd. 1746 bei Döbel Jäger- Practica 2, 97², aufgenommen mit den Ge- bräuchen der französ. Parforcejagd aus glbd. frz. meute f., eig.«Jagdzug»(s. Meuter). Meuter, m.(, Pl. wie Sg.), bayr.: Aufruhr- stifter(1734 bei Steinbach); Bandit, Meuchel- mörder(Schiller Fiesko 1, 9). Von älternhd. meaten«Aufruhr anstifteny, Meutef.«Aufruhr» (clev. 1477 meute), aus frz. meute, afrz. muete f. «Aufstand, Erhebung, Jagdzug, Koppel'», lat. movitaf. Bewegungo, zu lat. movére cbewegen». Meuteréi, f.: Aufruhr gegen die Obergewalt. 1517 im Teuerdank 95, 17 Merotrey, 1512 bei Diefenb.-Wülcker Meyterey, b. Luther 8, 210 W. Mütteren, 1507 bei Janssen Reichscorr. 2, 738 muterg. Meuterer, m.: Aufrührer, im 16. Jh. bei Götz v. Berlichingen 95 Meütterer. meute- risch, adj.: aufrührerisch, 1691 bei Stieler. Miäsma, n.(-s, Pl. Miäsmen): in der Luft verbreiteter Ansteckungs-, Seuchenstoff. 1712 bei Hübner. Das gr. iacua n.«Verunreinigung, Befleckung», von moiveiv«verunreinigen». miau! interj., vom Katzenschrei. 1664 bei Duez mauo, mieον, 1515 im Eulenspiegel 87 Br. mawau. miãuen, v., 1664 bei Duez miauwen, daneben miaulen(Musäus Volksm. 5, 129), auch frz. miauler. S. mauen, maunzen, mauzen. mich, s. ich. mich ist gleich gr. euére. Michael, Mannsname. Mhd. Michahél, aus biblisch hebr.-lat. Michaél, hebr. Michäé! «wer wie Gotty. Aber mhd. auch 28gez. Michél, nhd. Michel. RA. der deutsche Michel als Bezeichnung eines gutmiütigen, aber un- beholfnen u. beschränkten Menschen, 1541 bei Franck Sprichw. 1, 24 u. 2, 49 b der keutsch Michel, seit den Befreiungskriegen 181315 als Benennung der deutschen Nation. ZUS. Michaelstag, Michelstag, m.: der kirch- liche Festtag zu Ehren des Erzengels Michael am 29. 9., mhd. sancte Michéls tac. Auch Mi- chaelis, Michaeli, eig. Gen. u. Dat. von lat. Michaél, 1423 in den Weisth. 1, 487 nach Michaelis. michel, adj.: groß. Noch lothring. u. ostfrs. michel, sowie in Ortsnamen wie Michelstadt, ahd. Michelunstat, Michilinstat, eig. 2i dero mihhilun stat«in der großen Ortschafty». Mhd. michel, ahd. mihhil, asächs. nmilcil, mnd. michel, ags. micel, engl. mickle, anord. milcill, got. milcils«groß; dazu anord. Adv. mjök«in hohem Grade, sehr», urverw. mit lat. magnus«großy, magis«mehr», gr. uérac, Fem. uerdhn«groß. Miecke, f.(Pl.-n): gabelförmig zusammen- gestellte Hölzer u. ähnliches. Nordd. Dazumnd.

micke f.«Instrument zu Feuergewehren, Lunte, Linie, Richtung», mndl. micke«gabelförmiger Pfahl⸗, ndl. i fahly. Unerklärt.

Mickmack, n.: ein Durcheinander; zwei- deutiges Wesen(Goethe 3, 326). Auch Mick und Mack bei Goethe 5, 1, 102. Das zweite Glied s. Mack. Mick ist entweder Ablautsform od. gehört zu nd. niεe Brocken, Bißchen, kleines Kind, kleines Brot, Kramy, ndl. mik«feines Mehl, feines Brots, vielleicht aus lat. mica f. «Krume, Brocken». Aus dem Deutschen entl. frz. micmac m. unsaubrer Handel, Lumpereis.

Midder, n.(*s, Pl. wie Sg.): Drüsen am Kälberhals, Kalbsmilch, Brös-chen. In Nord- westdtschld. 1768 im brem. Wtbch. Zweifel- haft, ob zu mnd. middere, afrs. micrede, midri- there, mithridri«zwerchfell», and. midgarni «Fetty, ahd. mittigarni n.«Eingeweidefett», ags. midgern, micgern Fett».

Mieder, n.(-s,(Pl. wie Sg.): ärmellose, über dem Hemd getragne, durch Fischbein steife, eng auschließende Bekleidung der weib- lichen Brust u. des Leibes. Bei Steinbach 1734, Frisch 1741 M., im 15. Jh. bei Diefenb. gl. 226 b schwäb. iebermieder, mit md. u. oberd. ĩ statt i, denn noch bei Ludwig 1716 u. Stieler 1691 Müder, im Voc. von 1429 müleder, mhd. über- müedder u. nuoder n., ahd. mader(Ahd. Gl. 3, 358, 9; 3, 377, 32); dazu afrs. môther n. Brustbinde der Frauen?. Mhd. mMuoder bed. auch Kleidungsstück des Oberleibs d. Männer, früher die natürliche Bedeckung des mensch- lichen Leibes, die Haut, u. urspr. den Leib selbst, ahd. mauoder n.«Leib einer Schlangey. Hiernach zeigt M. dieselbe Begriffsentwicklung wie Leibchen, Brüästchen, Korsett, ist also Ab- leitung von Mutter(vgl. gr. unrpa f., lat. mätrie f.«Mutterleib, Gebärmutter»).

Mieke, Koseform für Maria, dann als häu- figer weibl. Bauernname(Wieland Amadis 18, 8) Bezeichnung eines Bauermädchens(Gellert 1, 131), auch Rufname der Katze(s. Mieze).

Miene, f.(Pl.-n): Gesichtszug. 1734 bei Steinbach M., 1648 bei Kemnitz schwed. Krieg 1, 249 b u. 1663 bei Schupp 124 Mine; dazu ndl. 1598 müjne. Aus frz. mine f. Haltung, Aussehen, Geberde, Gesichtsausdruck», das seit dem 15. Jh. nachweisbar, aber dunklen Ursprungs ist. ZUS. Mienenspiel, n., 1787 bei Gotter 1, 271.

1 Miere, f.(-n/): die Ameise. Nordd. Nd. maire; dazu nndl. mier, mndl. miere f., engl. mire, mengl. märe(mit Ablaut), anord. maurr m., dän. myre, schwed. myra f., krimgot. um