Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
95-96
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95 Lunge

Lunte 96

Zeugstück oder Kleid, Zeugfetzen. 1537 bei Dasypodius 379 Wischlumpen m. und 1605 bei Hulsius Lumpen m., sonst älternhd. Lunpe m. bei Luther 7, 270 2 und noch bei Hagedorn Od. 160, mit schwacher Flexion(Gen.-n, Pl.-n), spätmhd. lumpe m.; md. 1711 bei Rädlein Lumpe f., ebenso bei Klopstock gram- mat. Gespräche 108, ndl. lomp. f., bei Kilian lompe. Unerklärt. Vgl. Btr. 29, 334. 4 BL. Lumper, m.: Lumpenkrämer, Trödelwaren- händler, Flicker, 1691 bei Stieler, jetzt veraltet; dazn Lumperéi, f.: lumpiges Wesen, lumpige Sache, Wertloses, 1650 bei Moscherosch Phil. 1, 415 Lumpereg. lumpicht, lumpig, adj., 1551 bei Scheidt Grob. V. 4666 lumpecht(von der zerschnittnen schlottrigen Kleidertracht des 16. Jh.), 1596 bei Hulsius lumpechtig, 1664 bei Duez lampicht, 1658 bei Schoch Stud. 2, 1 (36, 35 Neudr.) lumpich, 1678 bei Krämer lumpigt und lumpig. ZUs. Lumpengesin- del, n., 1552 bei Liliencron 4, 537 b Lumpen- gsind, 1655 bei Abele Gerichtshändel 452 Lumpengesindlein. Lumpenhändler, m., 1654 bei Logau 1, 2, 94. Lumpenhund, m., 1650 bei Moscherosch Phil. 1, 379. Lumpen- kerl, v., 1734 bei Steinbach. Lumpen- pack, n., 1675 bei Weise kl. Leute 220, Lumpenpackt bei Günther 382. Lumpenvolk, n., 1649 bei Harsdörffer Gespr. 8, 342. Lum- penzeug, n., 1691 bei Stieler. Lumpen- zucker, m.: Zucker, der in Stücken in den Handel kommt, der gemeine Kochzucker, 1712 bei Hübner 1393, aus ndl. lompen«Stück- zuckery, dem Pl. von ndl. lomp f.«Stück), eig.«Lumpen». Md. und nordd. jetzt gew. Lompenzucker.

Lunge, f.(Pl.-n): Eingeweide der Brust zum Ein- und Ausatmen. Mhd. lunge, lungel(e), ahd. lunga und lungunna, lunginna f.; dazu and. lngannia, mnd. lunge, ndl. long, afrs. lungen e), ags. lungen f., engl. lungs(Pl.), anord.-schwed. Iunga n., meist Pl. Iungac, dän. lange. Verw. mit mhd. lunger, ahd.-asächs. lungar crasch, munter, rüstig, kraftig»(s. langern), mhd. lingen, ahd. lingan«rasch vor- würts gehen»(s. gelingen), bair.-östr. Lung m. « Trieb vorwärts zu kommen», die sich zu lit. lengvis, lengvas«leicht», ai. laghig«leicht (s. d.) stellen. Die urspr. Bed. demnach wohl «die leichte, wie russ. legkaje«Lungey zu legleij«leichty, engl. lights«Tierlunge» zu light«leichty, portug. leve, katalan.-prov. leus «Lunge» zu port. leue, prov. leu(lat. levis)

cleicht». ZUS. Lungenkraut, n.: heilsames

Kraut gegen Lungenkrankheit, 1516 bei Pini- cianus prompt. A 7 b, dafür mhd. lunᷣcheurz f. (ZfdA. 6, 332). Lungenmus, n.: aus klein- gehackter Kalbslunge bestehendes Gericht, 1537 bei Dasypodius, dafür mhd. lung el)muos n. Dazu schwed. lungmos, dän. lungemos.

lungern, v.: auf etwas gierig sein(Bür- ger 255 v. J. 1787), sich müßig umhertreiben, Dum etwas zu erschnappen, faulenzend um- herstehen. Aus dem Md. u. Nd., schon mud. lungerie f.«müßiges Umhertreiben». Vom Adj. mhd. langer, ahd.-asächs. Iungar crasch, munter, rüstigy, ags. Adv. lungre«schnell, alsbald, sehr, durchaus(s. Lunge). 4L. Lungerer, m., bei Musäus Volksm. 2, 114(leckerhaft Be- gieriger wonach).

Lüning, m.(-s, Pl.-e): Sperling, bes. Haussperling. In Norddeutschland. Nd. lüning, lünk, mnd. lunink, and. hliuning, 1477 clev. lagngnche, mndl. laninch m. Vielleicht zu ags. Mina, hléonap m.«Wohnstättey. Anders Idg. Forsch. 8, 284.

Lünse, f.(Pl.-n): Achsnagel vor dem Rade. 1595 bei Rollenh. Froschm. 1, 2, 12, 94 lünß, 1678 bei Krämer Luntze f. Aufgenom. aus md.(1414) lanse, mnd. lanse), lünse, lusse, lüsse, and. lunis, clev. 1477 lunse, ndl. luns, lens f.«Achsnagel»; dazu ags. ynis m. «Achse. Abgeleitet von ahd. Nuν(α) f. Achs- nagel», mhd. Tan, lon, lan(daher nhd. Lan- nagel) und lune, löne(daher nhd. Lehne), 1664 bei Duez Lünne, 1678 bei Krämer Lunne, Lonne, noch wetterau. Lun f. Andere Wei- terbildungen sind mhd. Nininc, ahd. laning m. «Achsnagel» und in gleicher Bed. älternhd. Löhner m.(1566 bei Mathesius Luther 160 b), spätmhd. luner, laner m. Wohl verw. mit aind. anig m.(aus alni-)«Lapfen der Achse, Achs- nagel, Lünse, Teil des Beins über dem Kniep.

Lunte, f.(Pl.-n): Zündstrick, Zündlappen; (weidmännisch nach der brennend roten Farbe) der Schwanz des Fuchses, des Luchses(1763 bei Heppe Jäg.). In urspr. Bed. bei Luther 1, 246 b Lunte f.«Lumpen, Fetzen?, 1517 bei Trochus R1 b lunten«Lampendocht⸗, 1575 bei Fischart Garg. 317 Zündstrick für Feuer- geschütze», 1602 bei Kirchhoff mil. discipl. 177 Lunde f., 1664 bei Duez Lunte, Lunten, Lonten m., 1678 bei Krämer Lunte, Londe m.; entspr. ndl. Iont f.(bei Kilian lonte), engl. lunt, (entl.) dän. Tnte, schwed. Tunta f. zündstricky. Wohl zu nd. slunte, ndl. slenter«Fetzeny. RA. Lunte riechen, 1664 bei Duez Lanten riechen, den Lunten riechen«xmercken u. gewahr wer-