Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
85-86
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85 lose

Lot 86

lose, los, adj.: von Lug und Trug voll; heimlich zu Trug und Schaden gesinnt, arg- listig, böse, bis zu Verächtlichkeit schlecht und gering(Hiob 30, 8); mit Verstecktheit vergnüglich listig(1673 bei Weise Erzn. 34); mit Verstecktheit, mit Witz verbunden mut- willig scherzend, anmutig-schelmisch. Ge- wöhnlich als Abzweigung des Adj. 108(s. d.) in sittlichem Sinne aufgefaßt,«der Tugend bar und ledig, wahrheitsleer», mhd. 1õs clocker, veränderlich, mutwillig, fröhlich, anziehend, anmutig, leichtfertig, durchtrieben, arglistig, verschlagen, falsch schmeichelnd, ahd. 1ö8 chaltlos, leichtsinnig, voll Lug und Trug», asächs. in den Zss. löswerk n.«Obeltat», losaord n.«böse Rede, Schmähwort», mndl. loes, ags. léas«falsch, lügnerisch». Vielleicht aber zu got. liuts«heuchlerisch», Zfd W. 11, 57. Der Form nach ausgehend vom Adv. mhd. löse cleichtfertig, auch«anziehend-lieblichy; lose als Adj. in der Bed.«sittenlosy bei Luther 1. Sam. 1, 16, in der Bed.«lockery um 1480 im Voc. inc. teut. p 2 b f.

11osen, v.: aufhorchen, worauf hören, zu- hören. Noch alem. Mhd. losen, ahd.(h)losén, losõn«zuhöõren, horchen»; dazu ags. hlosnian caufhorchen, lauscheny. Zu gr. öw höres usw., vgl. laustern.

2losen, v.: das Los ziehen usw., s. 22.0s.

lösen, v.: losmachen; durch Verkauf wofür an Geld erhalten(im 15. Jh.). In der 1. Bed. mhd. Iœsen, md. lõsen, ahd. lösan, auch«mit Geld lösen, bezahlen für etwas»; dazu asächs. lõsian, löson«lösen, wegnehmen, entgehen), afries. lésa, ags. Iisan, anord. leysa, got. laus- jan«trennen, befreien, von jem. einfordern?, im Pass.«vereitelt, entkräftet werden». Von dem Adj. 10s(s. d.). 4L. Löser, m.(3. Mos. 25, 26), mhd. Iœscre, Iœser, ahd. lösäri m. Erlösery. Lösung, f., mhd. Iœsunge, ahd. lõsunga f.«Erlösungy. ZUS. Lösegeld, n., bei Luther 2. Mos. 21, 12.

Loser, Luser, m.(-s, Pl. wie Sg.): Auf- horcher;(weidmännisch) Ohr des Wildes(1795 bei Nemnich; Luser, Lösel 1763 bei Heppe Jäg.) Mhd. loscre«Horcher, Lauscher», ahd. losari m.«Hörer, Zuhörer» zu 1losen.

Losier, n.(*I, Pl.-e): Wohnung auf irgend- eine Zeit. Bei Bürger 196 Sommerlosier, 1691 bei Stieler Losir und Loschir, bei Opitz 2, 226 Losier. Veraltet. Von frühnhd. losieren (Zimm. Chron. ² 2, 268, 18 u. O.) für logieren.

Lostag, s. ² Los.

1Losung, f.(ohne Pl.): Erlös, Geldein-

nahme im Kleinverkauf; dann(übertragen) die Kasse für diesen Erlös. Zu lösen(s. d.). In der 1. Bed. 1573 bei Fischart Flöhhaz 375 Lossung, bildlich schon in den Fastnachtsp. des 15. Jh. 386, 8; mhd. 1ös⁹᷑ge f.«Kaufgeld.

2Losung, f.(Pl.-en): Auswurf des Wildes durch den After. 1741 bei Frisch, dafür 1782 bei Jacobsson Lösung. Das weidm. losen und sich lösen bedeutet vom Wilde: den Kot durch den After gehen lassen(los lassen), sich vom natürlichen Auswurf befreien?, zu mhd. Iœsen, md. lösen«losmachen, befreien? (. lösen). Vgl. 1 Los.

8Losung, f.(Pl.-en): Erkennungszeichen der Waffengenossen untereinander, gewöhnlich durch ein Wort(2. Makk. 13, 15), auch durch andre verabredete Wahrnehmungen(Richter 20, 38); dann überhaupt Wahrzeichen(1531 bei Franck Chron. 39²), Merkwort, Stichwort (Fischart Garg. 169). Wie im 15. Jh. Los (s. d. ²) die Bedeutung des lat. tessera f. Parolen angenommen hat(1474 bei Liliencron 2, 10, 7 1%), so auch das zugehörige Wort: losung«tessera?, 1537 bei Dasypodius und schon spätmhd. im 15. Jh. losung(Lexer 1, 1960); dazu mnd. lose f., mndl. 10ze, lose f. Losungy. ZUS. Losungswort, n., 1760 bei Heilman Thucydides 963, dafür 1749 bei Lessing 1, 402 Lösungstort.

4 Losung, f.(Pl.-en): unter die Grenz- steine gelegte Zeichen der Feldscheider und Steinsetzer, z. B. Steinchen, Kohlen, Eier- schalen, Glas, in Blei eingedrückte Zeichen usw. 1777 bei Adelung, dafür 1741 bei Frisch Los- Zeichen, die Marck-Losung. Loszeichen be- deutet bei Stieler 1691 cals Los, d. h. zum Losen gemachtes Zeichen», bei Maaler 1561 Loßzeichen das Wahrzeichen». Da man in älterer Zeit durchs Los Land anwies, so geht Losung hier auf mhd. Iözunge f.«Loswerfung, Teilung durchs Losy, ahd. lõzunga f.«das Losen»(ZfdA. 15, 40 5, 323) zurück.

Löß, m.(-es): gelblichgraue Erdart, ge- mischt aus Lehm, Kalk, Sand und Glimmer- blättchen. Im Rheinland von Basel bis Bonn und danach in der Geognosie(1839 bei Oken 1, 634). Vgl. dazu 1561 bei Maaler Lose, f.: cdas ort ze underst im schiff, da sich aller wust und unflat oder wasser hinzeücht und versamlety, 1664 bei Duez«die Losey, oder Grundsuppe eines Schiffes».

Lot, n.(-es): Blei, überhaupt schmelz- und gießbares Metall;(Pl.-e): das an einer Schnur befindliche Blei zum Messen der NMeerestiefe 6*