Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
45-46
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45 Leiche

Leid 46

(im 15. Jh.). Die schwache Form Leiche ist seit dem 16. Jh.(vereinzelt schon md. und frühmhd. liche f., bei Luther Nom. Sg. Leiche Jes. 14, 19, Akk. Sg. Leichen Tob. 12, 12, noch bei Goethe Faust 3752 der Dat. Sg. Leichen) an die Stelle des starkb. älternhd. Leich f.(bei Luther mit dem Pl. Leiche) getreten, mhd. lich f.«Leib, Körper, Ober- fläche des Leibes, Haut-, Gesichtsfarbe, Leibes- gestalt, Aussehen, zu begrabender Toter), ahd. lih f. n. Leib, Fleisch»; dazu asächs. Iik n. &Fleisch, Körper», afries.(als erstes Wort in Zss.) lk n. Leib», ags. lc n.«Körper,

schwed. li n.«Leiche», dän. lig, got. leit n. Fleisch, Leib, Leichnam»; das N. Leich noch bei Rachel 6, 572 Wetterau. mit t Leicht f. «Leichenbegängnisy, n. Sargy, schon 1537 bei Dasypodius Leicht f. und im 15. Jh. in lichtare n. Diefenb. gl. 230°(s. Leichkar). Vgl. lich und gleich. Verwandt sind wohl apreuß. laygnan, air. lecco«Wanges, vielleicht auch(mit Nasalierung) aind. Iiοgam n.«Kenn- zeichen, Abzeichen, Merkmal». Aus dem Germanischen entlehnt sind wohl abg. lice n. «Antlitzy, zulo-licu boshaft) usw. Nach Ehrismann Btr. 20, 53 gehört L. zu ahd. gileih Gelenky. Vgl. noch Btr. 30, 298. ZUS. Leichenbegängnis, n., 1452 lijchebegengnis (Germ. 28, 373). Leichenbitter, m.: Ein- lader zur Leichenbegleitung, 1664 bei Duez. Leichenfledderer, m.(-s, Pl. wie Sg.): Gauner, der die nachts im Freien Einge- schlafenen beraubt. Wohl aus dem Rotwelsch. Leichenstein, m., 1590 bei Ringwaldt Eckart 32 Leichstein. Leichentuch, n., 1678 bei Krämer. Leichhuhn, n.: der kleine Kauz, Totenvogel, der nach dem Volksglauben durch sein Geschrei in der Nähe einer Wohnung einen Todesfall verkündet(Hölty 43 H.). Leichkar, u.(-S, Pl.-e): Behälter der Leiche, Sarg, noch in Hessen, mhd. lchkar n.«Sarg), zu mhd. Kar, ahd. char n.«Gefäß, Behälter», got. kas n. Gefäßy. Leichnam, m.(-J, Pl.-g), im ältern Mhd. lebender oder toter Menschen- körper, ebenso mhd. lchname, lächnam und lcham(e), ahd.(im 10. Jh. hie u. da) lich(i)namo, gewöhnlich lichamo m.; dazu asächs. Mhamo, afries. Likkonmd, lichama, lema, ags. Lic-hama, Re-homa, anord. Ikami, lamr m., schwed. lekamen, dän. legeme. Der zweite Teil ist das nur in Zss. vorkommende ahd.-asächs. hamo m. Hülle, Kleido; dazu ags. hama, ham m. Hülley, anord. hamr m. Haut, Balg, äußre Gestaltꝰ,

schwed.-dän. ham«Haut, Balg, got. gahamön cankleiden»(S. Hemd). Leichnam ist gleicher Bildung wie ags. fcésc-homa m. Menschen-, Tierkörper», urspr.«Fleischhülle», wohl ein Ausdruck der Dichtersprache.

leicht, adj.: von Gewicht gering; in Be- ziehung auf Kraftanwendung unerheblich. Mhd. lht(e), md. licht, auch liecht, ahd. lihti (bei Notker liehte); dazu ndl. licht, afries. Rcht, ags. läht, léoht, engl. light, anord. lettr, schwed. lätt, dän. let, got. leints. Aus*lenhtaz und verw. mit gr. eXoaxòc«klein, geringy, lit.

lenguas, lengvits«leichty, zu denen auch Lunge Leichnam», anord. i n.«Leib, toter Leib,

(s. d.) gehört, vgl. engl. lights Tierlunge?. Eine nicht nasalierte Wz. in lat. levis, abg. Rgülci leichty. Weitres bei Walde u. Btr. 30, 298. 4BL. leichtern, v.: leichter machen, mhd. Whtern(auch cleichter werden»), ahd. Ühterõn, vgl. lichten. Leichtigkeit, f., mhd. Üühtec(h)eit, lihtikeit f.(meist«Leichtfertigkeit, Leichtsinn»). leichtlich, adj., mhd. lihtelich, ahd. Whtlih, afries. Iächtelilc, Adv. mhd. lhte- liche, ahd. Ehtlihho. ZS. leichtfertig, adj., mhd. Ehtvertec,-vertic; dazu Leicht- fertigkeit, f., mhd. lihtvertec(h)eit f. cleichtes Hinwegsetzen über Anstand und gute Sitten. Leichtfuß, m.: leichtsinniger Mensch, bei Campe 1809; dazu leichtfüßig, adj.: leicht zu Fuß, im 15. Jh. bei Diefenb. gl. 326 3 lijchtwoesig, Igechfaisßichk, mnd. lichtvotich. leichtgläubig, adj., bei Dasypodius 1537 und Luther 8, 146 W. leichtglaubig. Leicht- sinn, m., 1691 bei Stieler; dazu leicht- sinnig, adj.: unbedachtsam, 1678 bei Krämer (auch Leichtsinnigkeit«Unbesonnenheit»), im 16. Jh. in der Bed.«fröhlich»(H. Sachs Fab. 238, 112, Rollwagenb. 80, 12 K., Frisius 1556 S. 264 a, aber schon 1541 Lychtsinnigkeit S. 752 b).

Leichte, f.(Pl.-n): Tragriemen beim Schubkarren. Aus dem nd. lichte, mnd. lichte f.«Band, Riemen». Zu leichten«leicht macheny, s. Mohten.

Leichter, m., s. Lichter unter lichten.

Leid, n.(-Lels, ohne Pl.): Schmerzgefühl worüber, Betrübendes. Mhd. leit(Gen.-des), ahd. leid n.; dazu asächs. léch, afries. Iéth, léd, ags. lãd n. Anord. aber leida f., schwed. leda, dän. lede. Das Wort ist das substantivierte N. des Adj. leid(s. d.). In den RA. einem ein Leids, kein Leids, was Leids tun hängt der Gen. Leids ab von dem Pron. ein, kein, was. léeid, adj.: unlieb, widerwürtig, trüb, schmerzlich zumute, mhd. leit, ahd. leid(im Adv. mhd. leide, ahd. leido); dazu asächs. léc,