Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
35-36
Einzelbild herunterladen

35 Ddeben

lecken 36

Nach Heynatz 1796 wird es aus der Schrift- sprache immer mehr verbannt. Lebzeit, f., meist im Plur. Lebzeiten: Die Zeit, welche man lebt, die Lebensdauer, der Sg. 1575 im Garg. 60 u. noch bei Goethe 20, 6, der Pl. in Jhren Lebzeiten 1587 im Faustbuch 75 Br. Leb- zucht, f.(ohne Pl.): Lebensnahrung, Lebens- unterhalt. Md. im 15. Jh. lebezuht f., zsgs. mit mhd.-ahd. zunt f. in der Bed.«Nahrung', ver- derbt Lebsucht f.(vgl. Leibzucht).

Jeben in Ortsnamen Thüringens, der Prov. Sachsen u. Schleswigs. Thür. im 15. Jh. Jeubin, leibin(das rote Buch von Weimar 54. 87 u. 5.), in Dänemark-lev. Wohl zu bleiben, eig.«Über- bleibsel, Erbes.

Leber, f.(Pl.-n): Körperteil. Mhd. leber(e), ahd. libara, lebara f.; dazu and. lebera, mnd.- ndl. Lever, afrs. livere, ags. lifer f.(Leber, leber- artige Stücke geronnenen Blutes), engl. liver, anord. lifr f., schwed. lefyer, dän. lever, aschw. yjr aus*liburi. Gewöhnlich zu gr. ffrop n., lat. iecur n., aind. jäkrt n.«Leber» gestellt, doch bleiben dabei lautliche Schwierigkeiten. Vgl. Zupitza 12. Genau entspricht arm. leard, bei dem inlautendes p regelrecht schwand. Nach der Anschauung der Alten, die viel- leicht auf den Orient zurückgeht, war die Leher der Sitz des Zorns und der Leiden- schaften. Ebenso bei uns. Daher(bei Goethe) die L. befreien«seinem Zorn Luft machen?, frei von der Le wegredden, eig.«seinem Zorn Luft machen», es kriecht einem etwas über die L., es läuft einem eine Laus über die L. 2.0S. Lebererz, n.: leberfarbenes Erz und (1546 bei G. Agricola 478) leberfarbener Fisen- stein. Leberfleck, m.: leberbrauner Haut- flecken, 1666 bei Comenius Sprachenthür§ 286. Leberkraut, n. Name mehrerer Pflanzen, die gegen Leberverstopfung oder auch, wie das Steinleberkraut, gegen Leberschaden heil- sam sind, mhd. leberkrüt n. Leberreim, m., eine Art vierzeiliger Epigramme aus dem Stegreif, benannt nach dem Anfang Die Leber ist vom Hecht und nicht von einem.., im 17. Jh. üblich, aber schon 1712 bei Hübner cheutiges Tages wenig geachtet). Leber- stein, m.: rötlichbrauner leberfarbener Salz- ton; erdharzartiger Kalkstein, mhd. Ieherstein. Leberwurst, f.: Wurst aus klein gehackter Leber, mhd. leberzwurst, ahd. lebaraowurst f.

Lebermeer, n.: sagenhaftes geronnenes Meer, in dem die Schiffe stecken bleiben. Mhd. lebermer, ahd. lebirmere n., zu mhd. liberen«gerinnen»(s. geliefern).

lebhaft, lebig, s. leben.

Lebkuchen, m.: dünner Honigkuchen. Mhd. lebeluoche, lepkuoche, mnd. lebekoce m., lebe- vielleicht im Ablaut stehend zu mhd. leip m. Brot», s. Laib. Vgl. Lebzelt.

Lebtag, Lebzeit, Lebzucht, s. leben.

Lebzelt, m.(-Lels, Pl.-e), auch Leb- zelten: Lebkuchen, mhd. lebezelte, lebzelte, lezelte m., im voc. opt. X, 127 libenzelten, 28gs. aus leb in Lebuchen(s. d.) und Zelte(s. d.).

lech, adj.: durch Ritzen Flüssigkeit durch- lassend(bei Comenius 1642, Kramer 1719 und Steinbach 1734, noch hessisch, kärnt.);(rhein.) schmachtend(gleichsam rissig) vor Durst und Hunger(Kehrein 260, ähnlich 1579 bei Mathe- sius Postilla 3, 54 b). Ii Hochd. durch die nd. Form leck(s. d.) verdrängt. Von lechen, V.: austrocknend rissig werden(Jerem. 14, 4); verlangend schmachten(Bürger 194); in beiden Bed. mhd. lechen mit schwachem Prät., abd. im starken Part. Prät. zelechen zerlechzt, leck»; dazu ndl. 1599 bei Kilian leken, anord. lela(mit starker Flexion Prät. lak, Part. lekinn)«tröpfeln, rinnen», engl. leax cleck sein». Vgl. Lake, lechzen, 3 4 een. Davon

Lecher, m.: Lechzender(Bürger 78).

lechzen, v.: heiß schmachtend verlangen, vor Schmachten fast vergehen, mhd. lechezen, lechzen, spätmhd. lehazen, durch Abl. mit-den (ahd.-azan) Verstärkungswort von lechen(s.d.).

Leck, m. n.(Tels, Pl.-e): Flüssigkeit durch- lassender Ritz oder Spalt. Bei Ludwig 1716, aufgenommen als Schifferausdruck aus nd. lech m., ndl. lex n., 1599 bei Kilian lekce.

leck, adj.: durch Ritzen Flüssigkeit durch- lassend. 1660 bei Fleming 557. Aus nd. leck; dazu ndl. lex, ags. hlec«leck», anord. lerr. Vgl. lech. Vielleicht verwandt mit ir. legaim clöse mich aufy, kymr. Naith«feuchts. Vgl. Zupitza 215.

lIecken, v.: mit der Zunge worüber auf- nehmend hinfahren. Mhd. lecken, ahd. Iecclh)n; dazu asächs. leccon, liccon, nld. 1599 bei Kilian licken, lecken, lachen, ags. liccian, engl. lick, got. in bildigön«belecken?. Urverw. mit gr. Xeixetv clecken, belecken», Rixvoc«lecker, nasch- hafty, Nixvebei«belecken, benaschen», lat.

lingere, ligirire clecken», air. ligim lecke?,

abg. lizati, lit. laizti, léeε⸗ti«leckeny, arm. lizum, aind. réhmi, lähmi cich leckey. Aus dem Germ. wahrscheinlich entl. ital. leccare, prov. liquar, lichar, lechar, franz. lécher. 4L. Lecker, m.: Leckender, dann Feinschmecker, mhd. lecker«Tellerlecker, Schmarotzer?, dann