Arbeit geben wird, da die Russen in dieser Stellung außerordentlich verschanzt sein sollen.
In Vigevano in Sardinien ist es wegen der unbefleck⸗ ten Empfängniß zu förmlicher Prügelei gekommen. Die eine Partei war für, die andere gegen das Dogma. Es ging ziemlich blutig her und mußte das Militär die er⸗ bitterten Kämpfer auseinander bringen. Wenn selber die
Christen unter sich nicht einig, wie ist da an einen Frie⸗ den der unterschiedlichen Religionsparteien überhaupt zu denken. Des Heilands Lieblingsgruß war: Friede sey mit Euch!
In Spanien war auch wieder einmal Krawall, damit der Regierung und dem Volke ja nicht zu wohl werde. Wieder waren es Soldaten, die die Empörung anfingen und Sarragossa verließen unter dem Rufe: es lebe der König, d. h., der legitime, der Nachfolger des Don Car⸗ los, dem aber vor der Hand nichts fehlt als Alles, Land und Leute. 5
Die Franzosen sitzen noch immer in Rom und denken gar nicht an ein Fortgehen. Nichtsdestoweniger wird ge⸗ mordet und gemaust nach Herzenslust. Raäuberbanden, die nicht einmal Gewerbsteuer bezahlen, gibts die Menge. Wenn diese das Mausen nicht gar zu bunt treiben, läßt man sie ungestöet, betreiben sie aber das Geschäft en gros, schickt man wohl römische Soldaten gegen sie. Da ist aber leider schon der Fall vorgekommen, daß ein Theil der bewaffneten Macht ausriß und der andere Theil zu den Räubern überging. Schöne Zustände das!
In Berlin trennten sich vor einiger Zeit zwei Brüder in bitterem Zank und der Aeltere sagte:„So lange ich lebe, komme ich nicht wieder zu Dir— zehn Pferde sol⸗ len mich nicht wieder zu Dir bringen!“—„Es wäre doch wohl möglich,“ sagte der Jüngere,„und vielleicht ginge es wohl gar ohne Pferde.“—„Dann sollst Du mich mit Füßen treten, denn ich wäre es werth!“ rief der andere erbost und stürmte hinaus. Er verließ Ber⸗ lin. Was geschah nun vor Kurzem? Ein junger Mann wird auf der Straße wegen Tabakrauchens arretirt, weil er seinen wahren Namen hatte verschweigen wollen. Man bringt ihn auf die Wache, und wer tritt ihm da entge⸗ gen als Soldat? Sein jüngerer Bruder. Finster sagte der Aeltere:„Der Zufall hat's so gewollt,— tritt mich mit Füßen!“ mit den Worten:„Ich dächte, wir träten lieber unsern ehemaligen Groll mit Füßen!“ Er drückte dem Bruder warm die Hand und dieser schlug ein.
Auch ein Vortheil. Als Latour Maubourg in der Schlacht ein Bein verloren hatte und sein Kammerdiener darüber weinte, tröstete sein Herr ihn mit den Worten: „Narr, Dir kann's lieb sein; Du hast ja künftig nur ei⸗ nen Stiefel zu putzen!“
Vergnügen. Ein zänkischer Besucher sagte zu seinem Collegen: In der anderen Woche reise ich nach Paris zu meinem Vergnügen! Und zu unserm auch, bemerkte einer der Anwesenden.
Arroganz.
Bettler: Man kann wahrhaftig in dieser Zeit beim Fechten nicht mehr g'nug aufpassen;— da hat mich so'n Kerl schon wieder betrogen; dann s ist nur ein Heller, ich mag's betrachten wie ich will, und hab's doch für'n Kreuzer abgenomme.
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Der Soldat aber trat ihm freundlich naher
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Canalmüller. Sag mal, Colleg, mir nenne Schiller immert blos Schiller unn in de Zeitunge les' ich doch Friedrich von Schiller! war dann der adelig?
Schlammbeißer. Daß versieht sich!'s Edelste, waß Deitschland hatt, unn das Adligste, waß in Deitschland bestehe bleibt, das is von Schiller.
Schlammbeißer. Weißt du waß Näh'res, Emil, hatt dann Oestreich nanu endlich e Licht üwer sei Polledik in der orjendalsche Frag uffgesteckt?
Canalmüller: Ja wohl, awer es is blöslich noch nitt ahngesteckt!.
Schlammbeißer. Emil, wie heißt der neie Oberbefehls⸗ haber in der Krim?
Canalmüller. Pellisieh.
Schlammbeißer. Waß heißt dann das uff deitsch?
Canalmüller. Das heißt uff deitsch so viel wie Kürsch⸗ ner. a
Schlammbeißer. Also soll der de Russe die Pelze aus⸗ kloppe?— Ob er awer auch wird die Motte rauskriege?
Canalmüller. Daß iß freilich die Frag, wann nur die Motte nitt an ihn komme!— f
Canalmüller. Bah! Heint hab' ich mal widder gut gelebt, Hammelcher. Schlammbeißer. Woso?
Canalmüller. Ich hab' e Hähnche gegesse.
Schlammbeißer. Wer wird awer alleweil so kostspielig lewe!
Canalmüller.'s kost nur ahn Kreizer,'s Hähnche war noch im Ey.
Schlammbeißer. Wann ich etzend Jemand etwas esse
sehe, sein ich allemal neuschierig zu wisse, wie's ihm schmeckt. Canalmüller. Ja unn ich kriege immert Dorscht da⸗ druff. 8
Landmann. He da, Kellner, woas kost't das Dings da, woas ich gegesse hawe?
Kellner. Das Beefsteak kostet achtzehn Kreuzer.
Landmann. Soo? No doas Fleisch ging noch, awer doas Gemoiß müßt'r künf dig weglasse, da hab' ich ornlich drahn würge müsse.
Kellner. Guter Freund, was Ihr für Gemüse geges⸗
sen, war Senf und da Ihr die ganze Büchse leer gegessen,
kostet's noch zwölf Kreuzer mehr.
Die allerneuste Kettenrrechnung: Mit Ketten bei Sebastopol Versperrt man den Hafen fein z; Das kann fürwahr nichts anderes Als russ'sche Kettenrechnung sein.
E. Wovon biste jo eschoffirt?
M. Ich hab' eine Fußreise gemacht.
E. Woher?
M. Von Grünberg.
E. Warum fährst Du nicht mit der Post? M. Weil man kein Billet kriegen kann. E. Warum nicht.
M.
An der Thür, wo die Billets genommen wer⸗ den, steht: f
„Verbotener Eingang.“ Räthin. Geh' zum Fleischer, Christel,
den Schinken geben, den ich bestellt. Christel. Ganz wohl! Aber wie ist's mit dem ge⸗
räucherten Wurstgeld, daran werde ich immer erinnert,
und laß Dir


