Ausgabe 
27.4.1855
 
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Bekenntnissen und Interessen ist, macht der Eindruck sich im weitesten Umfang geltend. Wir sehen eine höhere Hand in das Getriebe der Weltbegebenheiten eingreifen, und die Menschen erinnern sich alle, daß auch der mächtigste Wille nicht allmächtig, und daß selbst die Hand, die ihre Kraft am weitesten fühlbar machen kann, nicht unendlich ist.

Ein Mensch entwendete die großen Gichtschuhe von Lord Chatam. Der Diener des Lords, der sie nicht fand, fing an, den Dieb zu verwünschen. Laß es gut sein, sagte der Lord,ich wünsche dem Schlingel nichts weiter, als daß sie ihm passen mögen.

War die Taube, die dem Noah ein Oelblatt in ihrem Schnabel brachte, ein Männchen oder ein Weibchen? Unstreitig muß es ein Männchen gewe⸗ sen sein, denn ein Weibchen hätte unmöglich den Schnabel so lange halten können.

Die Zunge auf dem Präsentirteller. Ein junger Herr hatte einige Zeit Bekanntschaft mit einem jun⸗ gen Frauenzimmer, welche jedoch allmählig wieder aufgehoben wurde. Als dieser Tage der Herr über den Marktplatz ging und dem Austand gemäß seiner früheren Geliebten sein Compliment machte, so ließ die Dame plötzlich statt Gegengruß die Zunge aus dem Halse glitschen. Es muß nun diesem Herrn um so lieber sein, dieses Bündniß gebrochen zu ha ben, als er früher den Fehler, daß die Dame ihre Zunge nicht im Zaume halten kann, gar nicht wahr genommen hat.

Hier machen sich die Mucker allmählich! Der King der Mucker hat vergangenen Sonntag fast den ganzen Nachmittag in verschlossenem Hofe Holz ge hackt! Verdient ein solcher Mucker nicht auch ge hauen zu werden?

In Laubach hat dieser Tage eine Dienstmagd mit drei erwachsenen Personen einen Kampf bestan den und sie alle drei derb durchgewamst. Das Mägdelein soll derhalben von dem berühmten Me nagerie-Inhaber Kreuzberger als Thierbändigerin

einen Ruf erhalten haben.

Bappelhans: Herr Professor, warum halten denn die Deutschen gar so viel auf das Lied:Was ist des Deut⸗ schen Vaterland?

Professor: Ich kann den wirklichen Grund nur darin finden, weil es eine fixe Idee ist!

Bedaure mür Keuner möhr dusen Lazarus! Or hat nücht an döm Hause dör grünen Laden gesössen, neun, ör böhauptet sölbst barün gewösen ßu seun.

Hünterlöndör.

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Büle Mönschen sagen oft von eunem reuzenden Weube: uüst eun reuner Ongel! Nach Adam Rüsens Rö⸗ chenbuch üst dör Ongel eun Maskulünum, was soll mür eun solcher Ongel?

Wohlthätigkeit. Es ist kein klein Verdienst und wird mit Recht geschätzet, Ganz aus sich selbst heraus zu geh'n, Doch wer in fremdes Leid sich gar zu oft versetzet Der wird, was ihm gehört, zuletzt versetzt auch sehn!

Warum die Armuth nicht aufhört. In Deutsch⸗ land giebt es bekanntlich eine große Anzahl sogenannter Volksbücher und Schriftengedruckt in diesem Jahre; noch zahlreicher als bei uns sind solche Schriften in Frankreich, wo sie fast die einzige Lektüre des Volkes ausmachen. We nige in Deutschland kennen solche französische Volksbücher und zu den allerunbekanntesten gehörtdie Geschichte des guten Elend, die ihres sehr poetischen Inhalts wegen wenigstens kurz erzählt zu werden verdient:

Zwei Wanderer, Peter und Paul, wurden einmal, vor langer langer Zeit, in einem Dorfe von einem Regenguß überfallen. In mehreren Häusern suchten sie ein Obdach und Nachtquatier, aber vergebens; die Reichen ließen sie von ihren Knechten von der Thür jagen und die Armen hatten keinen Platz. Endlich fanden sie Aufnahme in einer Hutte, bei demguten Elend, dem ärmsten Manne im Orte, der auf einem Bündel schmutzigen Strohes schlief. Seinen Hauptunterhalt hatte Elend von einem Apfelbaum an seiner Hutte, aber jetzt grade hatte ihm ein Dieb die meisten Aepfel gestohlen. Die Geschichte des guten Elend erregte das Mitleid der Fremden und zum Lohn für ihre Aufnahme gewährten sie ihm seinen Wuͤnsch, daß von nun ohne seinen Willen Niemand von dem Apfelhaum wieder herunter steigen könne. Der Erste, der so auf dem Apfel- baum gefangen wurde, war der erste Dieb, der noch mehr Aepfel hatte haben wollen. Elend sah ihn oben, lachte ihn aus und ging fort, um im Wald dürres Holz zu suchen. Zwei Nachbarn, die den Dieb schreien hörten, wollten ihn befreien stiegen zu ihm hinauf und blieben ebenfalls hän gen. Als Elend zurückkam, ließ er die beiden Nachbarn frei ohne ein Wort zu sagen, den Dieb aber nach dem Ver sprechen, den Baum nun in Ruhe zu lassen. Bald darauf kam der Tod zu dem alten Manne, und er wunderte sich sehr, daß dieser ihn ohne Furcht, ja freudig empfing.Wa- rum sollte ich mich vor Dir fürchten? sagte er.Welche Freude hat mir das Leben gewährt? Das Einzige, was ich ungern verlasse, ist mein Apfelbaum, der mich mildthätig genährt hat. Er bat denn auch, sich noch ein Paar Aepfel holen zu dürfen, dann wolle er gern mitgehen. Der Tod bewilliget das und geht mit dem Alten hinaus. Der gute Elend blickt sehnsüchtig nach einem Apfel, der am Ende eines Zweiges hängt und bittet den Tod, ihm doch einen Augenblick die Sense zu borgen, damit er den Apfel herunter holen könne.Meine Sense darf ich nicht aus der Hand geben, sagte der Tod;steige hinauf.Das kann ich nicht, ich vermag ja kaum zu stehen und zu gehen. Nun gut, so will ich Dir den Apfel holen, sagte der Tod und stieg hinauf, konnte aber nicht wieder herunter. Er bat er drohete; vergebens; ein ganzer Tag verging in Un terhandlungen und Tausende von Jammernden warteten auf den ausbleibenden Tod, daß er sie erlöse. Endlich versprach der Tod dem guten Elend, wenn er ihn herunter lassen wollte, werde er ihn bis zum jüngsten Tage nicht wieder stören. Das gab der gute Elend zu und daher kommt es, daß Elend nicht stirkt. Der Tod geht wohl bisweilen an der Thür vorbei, sieht aber gar nicht hin, und so lange die Welt steht, wird es die ärmliche Hütte und in ihr Elend geben.

Allgemeiner Anzeiger.

nc.

8 J. Unverzagt,

Schmiedmeister in Gießen,

am Wallthor,

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