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gen, neben und unter welchen einzelne, abgerissene Menschenglieder, Theile von Schädeln, verwaschenes Sattelzeug, verrostete Gebisse, Schnallen, Kleiderfetzen u. s. w. umher zerstreut lagen. Ein furchtbares Laby⸗ rinth von Todeskämpfen, das nun ruhig in den Ver⸗ zerrungen, mit welchen der erlösende Tod auf sie herab⸗ gestiegen, liegen geblieben war. Aus unzähligen Grä⸗ bern hatte der Regen die obersten Schichten herausge⸗ waschen, so daß sie grimmig aus Gras und Blumen in die Höhe drohten, wie um gegen ihren Tod, ihr Begräbniß und diese Kriegsführung die Rache des Him⸗ mels herabzurufen. f
Trommeln und Pfeifen und unsere Sporen trieben uns und die Pferde in voller Lebenskraft durch die Uep⸗ pigkeit des Todes und des auferstandenen Frühlings, heute noch Kinder des letzteren, um vielleicht schon morgen verstümmelt und todt unter dessen Blumen zu versinken.
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Bei Sebastopol bleibts beim Alten, da muß wirklich dem Telegraphen ordentlich die Zeit lang werden. Der französische Kaiser soll ganz übler Laune sein und mogen sich die ohne ihre Schuld verbannten großen Generale, Changarnier, Lamoricier, Charras ꝛc. in's Fäustchen la⸗ chen, daß die Sachen für denjenigen, dem sie ihre Ver⸗ bannung zu verdanken haben, so schlecht gehen.— Man behauptet eine Bombe sey schuld, daß am 18. Juni die Sachen für die Westmächte schief gingen. Ein General hielt diese Bombe für das verabredete Zeichen zum Angriff und schlug zu früh los. So gerieth Alles ins Stocken, wollte nirgends klappen, trotz aller Bravour von Seiten der Franzosen und Engländer. Die Russen erhielten Zeit sich zu concentriren und den rasenden Sturm abzuschla—⸗ gen. Die Sache wird nun noch einmal versucht werden und hat Herr Pelissier 40 Stück neue Kanonen auffahren lassen.—
Es ist nun auch berechnet worden, wie viel die strei⸗ tenden Mächte seit Beginn des Kriegs an Menschheit ver⸗ loren haben und da kamen wahrhaft haarsträubende Re⸗ sultate zum Vorschein. Die Anzahl der umgekommenen Türken und Westmächte soll sich gegen dreimalhunderttau— send Mann belaufen, rechnet man nun den Verlust der Russen dazu, kommt über eine halbe Million heraus. Also der zweitausendste Theil der Menschheit— da man die gesammte Menschheit zu tausend Millionen veranschlagt— ist in diesem Kriege der Christen zum Besten von vier Punkten zu Grunde gegangen. Naͤchst der russischen Campagne von Anno 1812 ist die dermalige die menschen⸗ fressendste. Auch kann man mit Bestimmtheit behaupten, daß in sämmtlichen zwölf napoleonischen Hauptschlachten und Siegen von der Pyramidenschlacht bis zur Dresdener Schlacht, nicht so viel Pulver verplatzt worden ist, als seit dem ersten Bombardement Sebastopols im October 1854, bis zum Sturme am 18. Juni 1855.
Das große eiserne Doppeldampfschiff, das die Engländer bauen, dieses größte Wunder unserer Zeit, ist bereits halb fertig, es wird dreimal so groß als der große Wellington. Dieses neue Schiff ist so lang, daß es die höchste Wellen⸗ berge nicht aus seiner Coutenence bringen. Es geht ruhig gleichviel ob Meeresstille oder Sturm seinen Gang, und führt so viel Kohlen bei sich, um auf der ganzen Reise nach Australien, sechzig bis siebzig Tage, damit auszu⸗ reichen. Die luftdichten Räume zwischen den Decks sind so groß und abgetrennt, daß das Schiff selbst bei einer Durchstoßung der gewaltigen eisernen Doppelwände und Anfüllung sämmtlicher Raͤume mit Wasser nicht sinken kann. d
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Ein Strome hatte einem an der Chaussee schlafenden Handwerksburschen das Felleisen genommen. Als er hier⸗ über vor Gericht vernommen wurde, gestand er die That ein und sagte zu seiner Entschuldigung:„Das Felleisen habe ich dem müden Schlafenden mitgenommean, aber den Handwerksburschen habe ich zum Ausruhen liegen gelassen.
4 Der Bauer in der Apotheke. Apotheker. Nun, Landsmann, möcht Ihr etwas? Bauer. Ei freilich, awer ich seh, Ihr habt's nitt! Apotheker. Das wär doch sonderbar, in meiner Apo⸗
theke ist Alles zu haben.
Bauer. Batt mich all nir, Ihr habt's nitt. Apotheker(ärgerlich.) Nun dann sagt's endlich raus was Ihr wollt. f
Bauer. Ei von dene elektrische(elastische) Peitschestyl.
Apotheker. Das ist was anders, hier sind nur Sachen für Kranke. Bauer. Ahnerlah, damit korir ich gar oft mei Frah.
Am Krankenbett. f Professor. Beobachten Sie, meine Herrn, am Unter⸗ schenkel dieses Mannes die Dünnheit der Haut, und das bläuliche Durchschimmern der zahlreichen Krampfadern. Wie lange ist das schon so schlimm lieber Mann? Patient. Wissese, Herr Prufesser, daß iß noch gar nitt so lang her, daß iß erscht seit e paar Däg, seitdem ich die neue blaue Schtrümp anhawe, daß Oosezeug duht so abfärbe.
Vauernbube. Herr Kreispiffikus, mei Vatter iß g'storwe,
da mögt ich de Todesschei hawe. Kreisphysikus. Wer hat ihn behandelt? Bube. Mei Motter. a 5 Kreisphysikus(ungeduldig). Ich will wissen, welchen Arzt ihr gehabt? 5
Bube. Es hatt'm kahn Dokter g'holfe, er hats elahns
fertig gebracht.
Schlammbeißer. Waß thätst Du, Emil, wann De fünfdausend Gulde in Gold finne dähtst?.
Canalmüller. Ich däht dem redliche Verlierer e Belohnungk vo wenigstens fünf Gulde gewe. 5
Canalmüller. Gelte, der große Homopath, der g'sunge hatt,
wann daß nitt gut for de Wanze iß, dann ꝛc., heißt Haumann? Schlammbeißer: Näß, Hanemann unn iß der Unnerschied, daß der erschte die Häuser vo unne ruff ahnsteckt unn die Wanze ver⸗
dilgt unn der annere vo owe runner die Häuser so inschmeißt, daß
kei Wänzi dervo kimmt. Canalmüller. Danke, Colleg.
Hollhosse. Wann der Vatter nidderkommt, gihst Du dann aach auf die Kindtauf?
Poppe. Daß versteht sich,'s wird ja Allens ingelade.
Hollhosse. Der Heiratseandidat auch?
Poppe. Nadirlich. Awer'r kommt nur unner einer Bedinkung unn die wern ich Dir später noch middeile. g
Poppe. War dann daß ewe en Schwolleschehr, der dorch de Stadt sprengt?
Hollhosse. Nä,'s war en Schwolleschehrgaul unn e Päffche druff, die Peiff im Maul? es bereit sich widder zor Himmelfahrt vor.
Schlammbeißer. Derf ich mei Auge traue, Emil, waß war daß ewe vor Frauenszimmer mit'r Cigarr in der Schnut.
Canalmüller. Ja, Hammelcher, wie de meinst, so isses,'s war Hamburg-Häussers-Stumprocks-Emancipations⸗Lazareth⸗Lisbeth!
Schlammbeißer. Ich sag' D'r Emil, mach mir nitt graulich, hatt dann die en Sonnestich? Uff ahnmol mit Hut, Visick, Sonne⸗ stichschirm, Ohrring, allens wie de vornehmst Dam, nur eppes schlawitzerisch, unn de Schell werd gezoge, wann Se heim kimmt.
Canalmüller. Daß iß wahr, so geht Se zum Treiwe uff de Damm, awer wie der Mann steuert uff Se los, isser vor Schrecke in e Andacht versunke unn aus der Geschicht werd nix.
Schlammbeißer. Gott sey Mensch unn Vieh gnädig! Hol' schnell
e Stärkungk unn wanns Häuser Fruchtschnapps iß, De kennst mei feine Nerve! 5
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