Ausgabe 
23.6.1855
 
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Sie fünf Dhaler, un gehn Sie mit Gott., Doch gleich mit ne Wohlthätigkeit angefangen, des wird Glück be deuten. a i

Ein Anderer. Haben Sie schon ein Billet zum Industrie⸗Palast? Ich kaufte eben dasselbe um die enorme Summe von sechs Napoleonsd'or; aber ich kann keinen Gebrauch davon machen, da ich gerade um die Stunde der Eröffnung ein Duell vorhabe. Wollen Sie es, ich lasse es Ihnen um den halben Preis.

Brennecke. Sie kommen mir grade, wie gerufen. Hier is Kies.

Fremder. Und hier das Billet ich empfehle mich Ihnen.

Brennecke. Adje! Was steht denn druff!

Téte quaré. Des heßt ja: viereckiger Kopp. Du kommst mir wieder!

Ein Dritter. Haben Sie vielleicht ein Billet zu verkaufen?

Brennecke(für sich). Jetzt werd ick mal boch enen anführen.(Laut) O ja, wenn Sie vier Napoleons dran wenden wollen.

Fremder. Mit vielem Vergnügen. Aber ich habe nur englisches Geld. Können Sie mir auf die Zehn⸗ pfundnote herausgeben?

Na warte,

Brennecke. Recht gern. Hier haben Sie raus, und hier is des Billet. Fremder. Ithank you!

Brennecke. Sehr obligirt Na des freut mir doch, daß ick'n Engländer angeführt habe. Der wird mal Ogen machen.(Es klopft ihn Jemand auf die Schulter. Brennecke sieht sich um.) Was wünschen Sie?

Der Herr. Sie müssen mir sogleich auf die Polizei folgen.

Brennecke. Ich? Warum denn?

Der Herr. Es ist mir eben die Mittheilung ge⸗

macht, daß Sie falsche Zehnpfundnoten bei sich führen. Brennecke. Wer sagt das?

Der Herr. Sie haben ja grade eine in der Hand. Wollen Sie noch leugnen? f

Brennecke. Die Zehupfundnote is falsch? Na dann mögen gleich zehndausend Centner in alle Pfund⸗ noten schlagen!

Der Herr. Es bleiben Ihnen hier nur zwei Wege. Entweder Sie folgen mir zur Polizei, wo Sie für's Erste wohl nicht wieder loskommen möchten, oder Sie geben mir das falsche Papier zur augenblicklichen Vernichtung.

1(Forts. folgt.) i

IJskan der Bei.

(Fortsetzung.) Hier in seiner Erwartung getäuscht, wandte er sich nach China und machte die dortigen Feldzüge mit, ohne Be⸗ friedigung zu finden, da die Chinesen sich gar zu schlecht schlugen. Er kehrte nach Algier zurück und erfocht sich in den letzten Kämpfen mit Abd⸗el⸗Kader den Orden der Ehrenlegion. Die Revolutionsbewegungen von 1848 und 1849 stellten ihm die vollste Befriedigung seiner kriege⸗ rischen Leidenschaft in Aussicht. Es begegnete ihm, der bisher stets eine sügreiche Sache vertheidigt hatte, daß er sich einer zum Untergange bestimmten Parthei anschloß. Die Magyaren, deren Kampf er zu dem seinigen gemacht hatte, unterlagen und Felinski betrat mit den Trümmern ihres Heeres den kürkischen Boden. Männer wie er waren willkommen.

Mit einem hö⸗ bern Grade bekleidet,

begleitete er Omer Pascha auf des

sen Feldzüge in Bosnien und gegen Montenegro, und er⸗ wies sich zugleich als kühner Soldat und als guter Feld⸗ herr. Nach dem Ausbruche des türkisch⸗russischen Kriegs an die Donau versetzt, erhielt er den Befehl über die Reiter, welche die äußersten Vorposten zu besetzen hatten. Die Tollkühnheit, mit der er seinen Soldaten weit voran in den Feind sprengte, war selbst den Türken so räthsel⸗ haft, daß man einige Zeit glaubte, er suche auf diese Weise eine Gelegenheit, zu den Russen überzugehen. Seine Reiter hatten Anfangs Furcht vor den Lanzen der Kosa⸗ ken, aber Iskander Bei kehrte das Verhältniß bald um: die Kosaken färchteten sich vor seinen Reitern. Das Tref⸗ fen von Csetate machte ihn auf längere Zeit kampfunfä⸗ hig. Unter den ersten Angreifenden der vorderste, nahm er das Dorf Csetate im Fluge, hieb und ritt nieder, was ihm in den Gassen von Russen begegnete, brach aber bei einem Sturz mit seinem erschossenen Pferde mehrere Rip⸗ pen und konnte wochenlang das Lager nicht. verlassen. Seine Wiederherstellung markiren die Niederlagen, die er den Feinden in der kleinen Walachei zugefügt hat. Die Baschi Bozuks, die man allgemein für untauglich hält, machen sich unter seiner Führung sogar der regelmäßigen russtschen Reiterei furchtbar. Neuerer Zeit hat er sich durch seine Ausfälle von Eupatoria aus wieder vielfach hervorgethan, wurde aber bei eiuem der letzten schwer verwundet, so daß er lange Zeit für todt in den Zeitun⸗ gen figurirte. Seine kraftige Gesundheit überwand auch diesen neuen Schlag. Als er nach langer Zeit mit Ver⸗ lust zweier Finger zum ersten Male vor der Front seiner Reiter erschien, ernannte ihn der Obergeneral zum Pascha.

Sein Aeußeres schildert ein Berichterstatter derDaily News als ungewöhnlich.Iskander Bei ist ungefähr von Mittelgröße, aber muskelstark und ebenmäßig gebautz Haar und Bart sind kohlschwarz, doch wo möglich nicht ganz so schwarz wie seine Augen, die wie Feuer unter dunkeln buschichen Brauen hervorblitzen. Eine lange fein- gebogene Nase, ein kleiner Mund, dünne Lippen, eine hohe Stirn und eine von Sonne und Wind bronzirte Gesichtsfarbe bilden zusammen eine höchst markirte Phy⸗ siognomie.

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Das Drama auf der Halbinsel ruft in seinem blutigen Wechsel immer neue Darstellungen der Scenen und Situa⸗ tionen hervor, die geeignet sind, uns ein möglichst klares Bild der dortigen Ereignisse zu geben. Sebastopol, die ser kleine Scholle Erde, um deren Besitz sich jetzt Fran⸗ zosen, Engländer, Russen, Türken, Sardinier, Aegopter, Polen, Griechen, Araber und Tscherkessen schlagen, ist in diesen Tagen enger in den eisernen Gürtel der Aliirten geschlossen worden. Die am 6. und 7. erstürmten Ver⸗ schanzungen der Belagerten theils seitwärts, theils hinter dem Malakoffthurme, hat die Allirten in den Stand gesetzt, die bedeutenderen Befestigungen des Malakoffthurms ꝛc. jetzt mit aller Energie und leichter als zuvor anzu⸗ greifen. Die Erstürmung dieses Thurmes würde eine Wendung in dem Riesenkampfe herbeiführen, die über das Schicksal der im Hafen ankernden russischen Flotte und der Stadt Sebastopol selbst, besonders aber über die zu ihren Füßen sich befindenden Zeughaus und Pulvermagazine entscheidend wäre, denn jetzt schon, nach Erstürmung des grünen Mamelon ist, wie alle Nachrichten übereinstimmen, die russische Flotte sehr gefährdet und kann jeden Augen- blick durch die Geschütze der Aliirten vernichtet werden, wenn nicht, wie zu vermuthen steht, die Russen es vor⸗ ziehen, dieses Zerstörungswerke selbst zu verrichten. Nach den neuesten Nachrichten sind bereits die Schiffe aus dem Kriegshafen entfernt. Aber selbst im Besitz des so sey;