Ausgabe 
23.5.1855
 
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Alpdrücken nennen. Während sie sich am Tage mit den Russen herumbalgen, geht's in der Nacht mit dem Alp los. Die Westmächte sollen überhaupt entsetzlich traͤu⸗ men. Alle Nächte ist es, als wälzten sich russische Cü⸗ rassiere auf ihnen herum. Was wird das überhaupt noch für eine Alpdrückerei geben? Dagegen ist die russische Hartleibigkeit nicht zu rühren, 26,000 Stück Pillen(Bom⸗ ben und Granaten) haben sie wahrend zehn Tagen von den Westmächten zugeschickt erhalten, aber vergebens. Ein russtscher Magen ist doch wirklich was Schönes, man darf nur unsre Mütter fragen von wegen der Sauerkrautfässer von Anno 13. Von Sebastopol laufen wirklich höchst bedenkliche Nachrichten ein. Wenn das Alles so wahr ist, steht es mit den Westmächten ganz und gar nicht zum Besten. Sie haben das Bombardement eingestellt um die Munition zu schonen und in den englischen Zeitungen steht, daß die Kanonen durch das viele Schießen so ab⸗ genutzt seyen, daß sie gar nicht mehr zu gebrauchen und als altes Eisen zu betrachten sind.

Noch nie ist wohl über eine beabsichtigte Reise so viel geschwatzt und gemuthmaßt worden, als über die napo⸗ leonische Krimfahrt, und es wird gar nichts draus, ob⸗ wohl die Tapezirer und Zimmerpolirer schon vorausge- schickt sind. Ein Zeitungsschreiber behauptet, die Aerzte hatten die dermalige Luft in Constantinopel nicht ganz gesund gefunden. Man vergleicht so gerne den Neffe und Onkel und welcher Contrast zeigt sich hier? Der alte Napoleon fragte nichts nach der Luft, der ging in das Pestspital von Java und hat in Rußland in mancher Hütte übernachtet, die nicht tapezirt war. Oder hat man je gehört, daß Napoleon zu einem Feldzuge die gute Jo⸗ sephine oder die schöne Marie Luife mitgenommen und Zierer und Polirer vorausschickte?

Auf dem englischen Landtage geht's unterhaltend zu. Da sollen wie gewöhnlich die Minister schuld sein, daß man Sebastopol nicht erobern kann. Jetzt geht's sogar über Lord Feuerbrand her, der nicht feurig genug sein soll. Es thäte Noth, daß sich das englische Ministerium jetzt selber an die Kanonen stellte und losdrückte, eher glauben diese Landstände nicht, daß es ihren Ministern mit dem Kriege Ernst ist. Die Engländer sind über die ganze Kriegsführung sehr verschnupft, das kommt aber da⸗ her, daß sie voriges Jahr zu viel russische Prise ge⸗ nommen haben. g

Von Norden her wird geschrieben: der Feldzug in der Ostsee von 1855 beginnt. Die aliirten Flotten, mit neuen

Zerstörungsmitteln versehen, sind auf derselben erschienen. Wird derselbe, wie der vorjährige auch wieder zu Wasser werden? Wenn nicht alle Anzeichen trügen, so wird der Norden dies Jahr auch das Schauspiel eines Landkrieges darbieten, denn wozu sonst die Armee von Boulogne? die zeigt nach Norden. Auch hat die französische Presse wohl nicht ohne Absicht auf einen Feldzug in Polen hingedeu⸗ tet, wodurch Preußens Lage bedenklich und die Neutrali tät nicht mehr gehalten werden könne.

Schlammbeißer: Weißte dann schond, Emil, daß der Kaiser Napoleon an Canrobert de Auftrag geschickt hatt, Sebastopol in jedem Fall ze nehme unn ze schleife.

Canalmüller: Ja, so stehts, Canrobert soll aber ge antwortet hawe, se könnte nitt schleife, awer a bz iehe.

Schlammbeißer: Waß haste dann mit dem?

Canalmüller: Der hatt mir ewe eigehännig e Uhrfeig gestochche unn da frag ich'n blöslich, ob daß Schpaß odder Ernst, dann so Schpäß versteh ich nitt.

Canalmüller: No, der Dings ja vo d'r Zamba gekratzt unn geschmisse worde?

Schlammbeißer: Der mag ja vo so Gäulercher bleiwe, wann'r nitt d'rmit umgeh kann. 5

Schlammbeißer: Warste am Sonndag neilich uff m Prinzkarlball?

Canalmüller:, zufällig grad nitt.

Schlammbeißer: Awer, da häste die Scharwächter danze selle seh, de graziöse Haldung unn den ville Anstand, Hurrjeh!

Canalmüller: Dadervo hab ich geheert, der ahne soll uffgedon nert gewese sei wie'n Geheimsektär.

Schlammbeißer: Ja wahrhaftig: s'is schad, daß die Herrn kein Unnerricht erdeile, da se doch so geleert sei solle.

Der Teufel als Pflegvater.

Ohnlängst schickte eine hiesige Bürgersfrau ihr Dienstmädchen noch Abends fort aus dem Dienste; wie höchst unrecht dieses ist, namentlich ein Mädchen nächtlich der Straße preis zu geben, wird Jedermann einsehen! Das arme Mädchen geht verlassen einher, weiß kein Unterkommen und beschließt sich in die Hölle zu stürzen. Der Deubel aber hatte mehr Gefuͤhl als die Herrin, und führte das Mädchen aus seiner Hölle in die Sonne, woselbst es gut aufgeho⸗ ben und vor allem Uebel bewahrt blieb.

Ihr Leute nehmt Eure Hühn- und Hähnlein in Acht! In der Neustadt gehet ein Würgengel einher, der sulche zu töden und sich daran zu ergötzen suchet. Ein Meister der Bürger. Am letzten Markttage trank ein Bauersmädchen aus dem kur⸗

hessischen Maßigkeitsvereine ihrem Geliebten 23 Viertelcher Brant⸗ wein vor und brachte ihn auf den Hund, sie aber blieb sich gleich. . Drum prüfe, wer sich ewig bindet,

Ob sich das Herz zum Herzen findet!

Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang!

Allgemeiner Anzeiger.

. Oe.

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Ankündigung.

Am 1. Juni 1855 unwiderruflich, 5 N 3 iehung zu Mainz auf dem Stadthause, N der grossen Kunst-, Industrie-& Geld- Lotterie f Haupttreffer fl. 30000 baar, fl. 12000 Amenblement etc. zus. fl. 42000. 1

Bestellungen auf Loose ein Stück à fl. 7 oder 4 Thl. 5 nebst ein * 5 925 der. A ebst einem G6 ten sicher gewinnen⸗ den Freiloose fl. 35 oder 20 Thlr. sind zu richten an dus Handlunghaus 1

J. Nachmann und Comp. in Mainz.

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