Ausgabe 
23.5.1855
 
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das schönste Gewölbe gar nichts. Und was mich betrifft, da können Sie sich meiner waͤrmsten Empfehlungen ver⸗ sichert halten.

Schultze. Es wird mir gewiß sehr augenehm sein, wenn Sie mich in Ihren Kreisen recommandiren, indeß

Dritter Herr. In meinen Kreisen ich bitte Sie! Ganz Berlin, ganz Preußen, ganz Deutschland führe ich Ihnen zu. Ich bin Mitarbeiter am Tages-Telegraphen⸗ Anzeiger, Auflage vierundzwanzig Tausend jeden Tag drei bis vier Annonechen und in zwei Jahren sind Sie ein gemachter Mann!

Schultze. Ich halte nicht viel von den vielen In⸗ seraten.

Dritter Herr. Dann sind sie schon in einem hal⸗ ben Jahre ein gemachter Mann! Ihr Geschäft wird zugemacht, Sie müssen sich fortmachen, und wenn Sie sich nichts im Stillen gemacht haben, dann sind Sie gemacht: Da haben Sie vier Wortspiele in einem Athem, werden Sie nun glauben, daß ich Einfluß habe auf die Presse? g

Schultze: Gewiß, aber in diesem Augenblicke

Dritter Herr. Haben Sie nicht Zeit schadet nichts! Sie sind ja jeden Abend bei Volpi. Um neun Uhr treffen wir uns und besprechen das Nähere. Schultze. Gott sey Dank, da kommt endlich eine Dame. Hoffentlich ist das eine wirkliche Kundin!

Die Dame. Sie sind der Herr von dem Laden? Schultze. Zu befehlen, meine Gnädige!

Die Dame. Na, wie gehen die Geschäfte? Schultze. Bis jetzt läßt sich noch nicht viel sagen. Die Dame. Sie haben erst heut früh eröffnet? Schultze. Ja wohl, was würden Sie wohl zu sehen wünschen? Dame. Ich durchaus nichts. Ich glaabe aber,

daß es ihnen interessant sein dürfte, Etwas zu sehen in die Zukunft meine ich nämlich! 5

S Wie soll ich das verstehen, Madame?

8 Dame. Die Sache ist ganz einfach. Wenn sich die jungen Herren hier etabliren, wollen sie gewöhnlich gern wissn, wie viel Tausende sie jährlich verdienen, was für eine Parthie sie Geld sie mitbekk n werden, und da lege ich ihnen gewöhnlich die Karten. 1

Schultze. Ist das Ihr Ernst, liebe Frau?

Dame. Na, ich alte Frau werde doch mit so nem hübschen jungen Herrn keinen Spaß machen. Schultze. Na dann entfernen Sie sich auf der Stelle, zudringliche Person! f

(Diegnädige Frau entfernt sich, und zur Freude der ehampagnerdurstigen Commis füllt sich der Laden bald mit andern Besuchern, die alle Herrn Schultze zu sprechen wünschen. Dieser sieht sich bald von einem Kreis von Leuten umgeben, ohne zu wissen, wem er zuerst angehören soll.) 1158.

Was wünschen Sie?

Ich bin von der Straßenreinigungsanstalt.

Wir

kehren hier jeden Morgen vor Ihrer Thüre und wollten

höflichst um ein kleines Trinkgeld gebeten haben.

Was wünschen Sie?

Ich bin der Lithograph Steinschneider. Wenn Sie in Rechnung⸗, Quittungs- oder Wechsel-Formularen et⸗ was bedürfen

Was wünschen Sie?

Ist Ihnen vielleicht ein Viertel zur nächsten Lotterie gefällig? Sie haben heut aufgemacht! Versuchen Sie Ihr

Glück!

Was wünschen Sie?

ch das Geschäft machen, und wie viel

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Ich bin der Nachtwächter aus das Viertel. Ich wollte

fragen, ob ich auf Ihren Laden boch mit aufpassen soll?

Was wünschen Sie? Sind Sie noch sehen? 2

Was wünschen Sie?

Ich habe die Speiseanstalt hier gleich an der Ecke. Vielleicht, daß Sie Ihre Commis bei mich wollten essen lassen, ich würde es im Ganzen sehr billig machen

Was wünschen Sie?

Ich bin vereideter Dollmetscher, mein werther Herr Schultze. Wenn bei Ihnen'mal was vorkommen sollte, von Schweden, Dänen, Polen oder Russen hier ist meine Adresse.

Was wünschen Sie?

Ich reise für die Gebrüder Strauße. Rheinweiuen Wilhelm!

schließen!

Es sind sechsunddreißig Striche Herr Schultze!

Eben deßhalb! Wenn wir noch länger das Geschäft geöffnet halten, geht mein Capital uächsten Sonntag in Champagner drauf!

Erster Commis. Ich habe Ihnen in meinem und im Namen meiner Collegen eine Bitte vorzutragen, Herr Schultze.

Schultze.

Erster Commis. hinauszuschieben. 5

Schultze. O durchaus nicht. Mit dieser Offerte, meine Herren, geben Sie das Zeugniß einer Gesinnung für mich, die allein schon eine Champagner-Fete werth ist. Jetzt sind Sie erst recht meine Gäste!

Die Commis(ihre Waffen schwingend) Hurrah! Es lebe Herr Schultze! f

wit Stahlfedern und Siegellack ver⸗

Wenn Sie in

Wilhelm! Auf der Stelle den Laden

Und diese ist? Ihre freundliche Einladung noch

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Der Mörder, der auf Ludwig Napoleon geschossen, ist vor einigen Tagen hingerichtet worden; er war kein Fran⸗ zose, sondern ein Italiener und von Profession ein Schuh⸗ macher. Der Mörder des Herzogs von Berry, Louvel mit Namen, war auch ein Schuhmacher, nur mit dem Unterschiede, daß dieser das Pech hatte zu treffen und je⸗ ner das Pech nicht zu treffen. In der Regel. haben doch diefe Mordgesellen kein Glück. Wie wurde beständig auf den armen Ludwig Philipp, obschon er sich Bürgerkönig nannte, gefeuert, und der Himmel beschützte ihn immer. Auf den alten Napoleon sind blos zwei Mordattentate bekannt, die Höllenmaschine und der Student Stavs in Schönbrunnen, der den gewaltigen Herrscher inmitten sei⸗ ner Generale niederstoßen wollte. Der General Rapp ent⸗ waffnete diesen Fanatiker. Napoleon ließ sich den jungen Mann vorführen und unterhielt sich mit ihm. Das un⸗ erschrockue Wesen desselben gefiel Napoleon; ernmollte ihn gern begnadigen.Und wenn ich Ihnen verzeihe, sagte der Kaiser,werden Sie von Ihrem Vorsatze, mich zu ermorden, abstehen?Nein, Sire, antwortete der Fana⸗ tiker,sobald ich meine Freiheit erhalte, werde ich auf alle mögliche Weise von Neuem suchen Sie umzubringen. Ihm mildere Gesinnungen beizubringen, war vergeblich, er blieb beharrlich bei seinem mörderischen Vorsatze, und

er wurde somit dem Kriegsgerichte übergeben, das ihn zum Tode verurtheilte.

Die armen Soldaten vor Sebastopol kommen nicht aus dem Pech heraus. Bei allen Leiden hat sich wieder eine 1 5 2 5 2 ganz nagelneue Maladie eingestellt, was wir auf deutsch

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