Ausgabe 
15.8.1855
 
Einzelbild herunterladen

hen bleiben, ein entsetzliches Gegenf

zu graben, durch welche es ihnen leicht ward, die lebte Blüthe der Armeen theils hundert⸗ und aber hundert⸗ weise niederzuschmettern, theils bataillonsweise in die Luft zu sprengen. Der 18. Juni 1855 wird einmal in dieser schauderhaften Kriegsgeschichte blutigroth ste⸗ tünck zu dem 18. Juni vor vierzig Jahren. Die vierzigjährige Renom⸗ mistereiWaterloo wird eine ewige SchandeMa⸗ lakoff. Tausende und aber Tausende waren während des Winters greiser Schwäche und vornehmer Unwis⸗ senheit zum Opfer gefallen, Tau ende wurden jetzt an einem Tage vernichtet, weil die Sieger am Siebenten umkehren mußten, wie die Gerlach'sche Wissenschaft, um dem Feinde Zeit zu lassen, den 18. Waterloo-Juni ebenfalls umzukehren. Ein Augenzeuge des ganzen bisherigen Krim⸗Schwindels sagt und beweist, daß wenn Feldherren den Sieg an der Alma sofort benutzt hätten, statt mit dem glorreichen Zuge um Sebastopol herum zu renommiren, Sebastopol damals gefallen wäre, und wenn Feldherren fähig gewesen wären, den Mamelonsieg sofort zu benutzen, wie man Eisen schmie⸗ det, weil es glüht, der Malakoffthurm am 8. die Fahne der Sieger getragen haben würde. Bis zum 18. hatte er gehörige Muße, sich auf die Aublicke des schmach⸗ vollsten Schlach tfeldes, der großartigsten Feindesvernich⸗ tung vorzubereiten.

Kenner behaupten, daß dieser Schwäche, diesem Zau⸗ dern, diesem Verschleudern großartiger Sieges-Con⸗ juncturen nicht blos Alters und Aristokratie-Unfä⸗ higkeit zu Grunde liege, sondern ein Geheimniß, das erst spätere Geschichtschrelber gehörig in's Licht setzen würden. 8

Und nun kommen wir auf Taganrog, diese schöne blühende Stadt, mit 22000 Einwohnern, erst 1706 von Peter dem Großen erbaut, woselbst die Deutschen als Aerzte, Kaufleute und Künstler in großer Achtung lebten, die vor wenigen Tagen noch glückliche und zu friedene Menschen hinter seine Mauern barg, und jetzt durch diewestlichen Träger der Civilisation zu einem Aschenhaufen verbrannt, nur noch auf der Landkarte und im Gedächtniß der daraus Vertriebenen eristirt. Das Sengen und Brennen, das Zerstören wehrloser Städte bis zum Salzbestreuen der eingeäscherten Stät ten friedlicher Bürger scheint ein Hauptparagraph in dem unmenschlichen Gesetzbuche der heutigen Civilisa⸗ tion zu werden.

Schließlich bemerken wir nur noch, daß sich aus den Massen der schauderhaften Schlacht- und Schlächter⸗ scenen um Mamelon und Malakoff herum nach allen bisher eingegangenen öffentlichen und Privatmitthei⸗ lungen keine finden, die dem blos menschlichen und nicht strategischen oder taktischen Leser ein wirklich tragisches Interesse bieten. Es ist nur das Schrecklichste der Schreckender Mensch in seinem Wahn, in dem Wahne, als könnte durch die Einnahme Sebastopols oder auch die ganze Eroberung der Krim der Friede erkauft werden. Nehmen wir auch an, sie hätten end⸗ lich die ganze Krim, so haben sie immer noch keine Macht über das Rußland, das einst diese Krim ero⸗ berte, wohl aber eine Last auf ihrem Halse, die sie erst recht darnieder hält, so daß sie in den Fall kommen können, flehende Friedenstauben nach Petersburg zu schicken, mit der Bitte, man möge ihnen endlich die Last wieder abnehmen. Anders aber gestaltet sich's am asow'schen Meere. Rußland, das nun durch die Siege der Aliirten daselbst seine Lebensadern für die⸗ sen ganzen Theil des Reiches und zwar bis Sibirien hinauf abgeschnitten findet, erscheint die jetzige Situa⸗ tion allerdings ernstlicher zum Frieden zu nöthigen,

als früher. Ob der Friede sich aber nicht noch mehr

nöthigen lassen wird, eh' er kommt, bleibt noch dahin⸗

gestellt. Rußland, mit seinem Czar an der Spitze, würde eher nach der asiatischen Steppe zurückweichen,

als den sogenannten Vertretern der Civilisation einen

Finger, viel weniger die Hand zum Frieden zu bieten. 7JFFFFFFFFCFC

Die Liebe ist flatterhaft, sagt man; darum ist der academische Liebltng, der Admiral der Schmetterlinge hinübergesegelt, aus Eigenliebe, nach der Königlichen Residenz der Poesie. Ein Bischof ist ihm nachge⸗ folgt, um Erzbischof werden zu wollen. Ein Vo⸗ gel steht, wie man sagt, im Begriff, sein Gefieder zu vertauschen gegen Paradiesfedern. Bald wird er sei⸗

nen verwandten Geistern nachflattern.

Auch hat sich plötzlich emporgethau

Ein Phönix an der Main⸗Weser⸗ Bahn,

Ist einmal sein Ruf durch ganz Deutschland passirt Hat er nicht mit fremden Federn sich geziert,

So wird es bald heißen der große Geist

Er ist den andern nachgereist.

O! tiefe Trauer für den unersetzlichen Verlust! Was soll aber aus Gießen werden, wenn alle Paradiesvö⸗ gel wegziehen? Paradiesvögel sind keine Schwalben, die in der Saison das verlassene Nest wieder aufsuchen.

Gießen den 12. August. So muß es kommen! Da steckt was d'Rinn! Bei meiner Tour durch die Neustadt diesen Morgen sah ich mehre Menschen die sehr eilig mit Kehren beschäftigt waren. Auf mein Befragen, was das zu bedeuten habe, erhielt ich zur Antwort, daß einem armen Manne dle Frucht, die er sich schon mehre Jahre so sorgsam aufgehoben, in die Luft geflogen und hier niedergefallen sey. Ach, sagte ich, wenn doch auch einmal alle Wucherer in die Luft spazirten und sich in der Lahn niederlassen müßten und die Rettung derselben mir übertragen wäre, wie schön würde ich sie mit einem Feuerhacken ans Land ziehen, wie schoͤn an meinen Busen drücken.

Schlammbeißer.

Hollhosse. Sag' mal, Poppe, waß das Wich⸗ tigste zum Lösche?

Poppe. Ei Wasser und en Feuereimer.

Hollhosse. Fehlgeschosse, Alter! das Feuer, dann wenn's nitt brennt, brauch m'r auch kei Wasser unn kei'n Feuereimer.

Caualmüller. Wie daß, Hammelcher, die Berli⸗ ner Kreuzzeitungk hatt am 18. Juni bei Malakoff wid⸗ der 13,000 Mann Allejirte mehr falle lasse als werklich gebliewe sinn?

Schlammbetßer. Das muß se, sonst kommt se nitt aus.

Canalmüller. D'rklär m'r die Sach deitlicher.

Schlammbeißer. No, daß doch nadirlich. Die Kreuzzeitung muß doch immer Ersatz⸗Dodte unn Ver⸗ wundete hawe; nanu hattse noch üwer 13,000 Mann zu verfüge; damitt ersetztse, waß sie bei die russische Schlappe ze wenig ahngibt.

Eine junge Dame war in's Wasser gefallen und schon dem Ertrinken nahe, als plötzlich ein Retter sie dem nassen Tode entriß und ohnmächtig an das Land brachte. Bei ihrem Erwachen erklärte sie ihrer Familie sogleich, daß sie ihren Retter oder keinen Andern hei⸗ rathen wolle.

Mein Kind, sprach der Vater, das ist unmöglich!

Warum nicht? Ist er denn schon verheirathet?

Nein!

Ist es vielleicht der junge Mensch, der iu unserer Nachbarschaft wohnt? f

Nein!

Aber wer ist er denn?

Es ist ein großer Neufundländer!