Ausgabe 
15.8.1855
 
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das Weitere besprechen wolle, da ich wisse, daß dies sein bester Freund sey.

Es war an eben diesem 17. September mit Graf Luckner und einigen andern Bekannten ein Souper bei einem Restaurant auf dem Boulevard des Italiens fest⸗ gesetzt und verabredet worden, mit der Bestimmung, die Wohnung des genannten Grafen als Versamm⸗ lungsplatz anzunehmen. Bei dieser Gelegenheit wußte ich mir einen Dolch des Grafen Luckner ungesehen zu zueignen, dessen ich zu meinem höllischen Vorhaben be durftig war. a i

Als es gegen Mitternacht war, zog ich Gautier bei unserm ziemlich laut und rauschend gewordenen Souper bei Seite, indem ich ihm sagte, er möge mit dem Gra fen Luckner auf einem Wege, den ich ihm vorschrieb, nach Hause gehen. In der Rue des trois freres, nahe dem Hotel des trois freres, wollte ich dann zu ihnen stoßen und das Weitere mit ihnen Beiden gemeinschaft lich bereden. Doch möge er vorher mit seinem Freunde nichts über die Angelegenheit sprechen. Da ich wußte, daß Gautier gewissenhaft und folgsam war, so durfte ich mich auf sein gegebenes Versprechen verlassen.

Kaum mochten Graf Luckner und Alfred Gautier zwölf Minuten fort sein, als ich mich, ein körperliches Bedürfniß vorschützend, nach dem Hofe begab, wo ich rasch im Dunkeln über eine Mauer setzte, einen Hof durchschlüpfte und dann durch kleine Nebengassen die Rue des trois freres erreichte, gerade in dem Moment, in welchem mein Opfer in dieselbe eingebogen war. Mich nun rasch mit einer Taffetkappe unkenntlich ma⸗ chend, sprang ich plötzlich aus einem Thorweg hervor, den Dolch dem armen Gautier so tief und fest in die linke Seite bohrend, daß ich beinahe verzweifelt wäre, ihn wieder aus der Wunde hervorzubringen. Indeß war ein tüchtiger Ruck doch hinreichend, ihn frei zu bekommen und damit dem mich verfolgenden Grafen Luckner zu entwischen.

Erst als ich mich dem mir Nachrennenden um ein gutes Stück voraus wußte, schleuderte ich die Waffe fort und entkam Nachdem ich nun noch meine Taf⸗ fetkappe mit einem hineingebundenen Steine rasch, in »die Seine versenkt, eilte ich auf meinem früheren Wege in den Hof und von da zu meinen Genossen zurück, die meine Abwesenheit kaum bemerkt hatten und daher auch nie auf einen Verdacht gekommen sind.

Die ganze Schwere desselben fiel, wie ich in Vor⸗ aus gesehen und berechnet hatte, auf den Grafen Luck⸗ ner, bei dem man meinen falschen Paß und Gautier's Bankuoten fand, und durch welche Dinge natürlich der Hauptverdacht auf ihn gelenkt werden mußte.

Wie man sich erinnern wird, ward der Arme zu Anfang des folgenden Jahres zu ewigem Bagnoge⸗ fängniß verurtheilt, in dem er sich, so viel ich weiß, noch befindet, und aus welchem ihm dies, mein Ge⸗ ständniß nun endlich befreien muß.

Mein Vater, der die an dem Lesen in den Assisen⸗ berichten erwähnte Ringhälfte seines Sohn wohl er⸗ kannte und vielleicht der einzige Mensch auf dieser Erde war, der in mir den Mörder vermuthete, ward zum Glück für mich beim Lesen der Verhörmittheilun⸗ gen vom Schlage gerührt. Sein Tod machte mich nun zum unbestrittenen Erben seines großen Vermögens, dessen Besitz mich doch leider niemals glücklich gemacht hat. f Von meinem Schuldbewußtsein unstät durch die Welt umhergetrieben, habe ich nie wu eine frohe oder nur ruhige Stunde genossen. Von Reue gequält, von Gewissensbissen gemartert, erliege ich nach ein paar wüster Genußgier geopferten Jahren nun endlich und wahrlich nicht ohne eine gewisse Genugthuung für mich selbst dem rächenden Arm der Gerechtigkeit, wel

chem ich mich gernzund so von quälender Hast getrie ben, unterwerfe, daß ich dem Urtheilsspruche des Tri⸗ bunals vorgreifend, die Pistolen bereits geladen habe, die mich nach der Abfertigung dieses meines Bekennt nisses in das Jenseits befördern sollen.

Wenn Sie sich, hochgeehrter Herr, nach Lesung die ser Zeilen in mein Hotel verfügen wollen, werden Sie nur noch die in ihrem Blute schwimmende Leiche eines unglücklichen Verbrechers finden, der bei dem verwirk ten Heile seiner Seele, die Richtigkeit seines Geständ⸗ nisses beschwörend, seine Seele der strafenden Allmacht Gottes anheim giebt.

Paris, den 10. October 1827.

Alphomso, Fürst von Benevent.

Als nach Lesung dieser Zeilen der Präsident sich in Eile nach dem Hotel in der Rüe du Bas verfügte, fand er daselbst die Dienerschaft sowohl wie die Poli⸗ zeibesatzung in großer Aufregung. Einen Schuß in dem von Innen verschlossenen Schlafgemache des Für⸗ sten vernehmend, war man eben gewaltsam in dasselbe eingebrochen, als der hinzueilende Gerichtshof mit den Andern eintretend, die Leiche des in seinem Schuldbe⸗ wußtsein verzweifelnden Verbrechers mit zersprengtem Gehirn am Boden fand.

Wenige Stunden nach diesem schaurigen Ereigniß brachte der Telegraph die Ordre des französischen Gou⸗ vernements nach Brest, den Grafen Emil von Luckner auf der Stelle aus dem Bagno zu entlassen, da sich dessen vollständige Unschuld ergeben und der König Willens sey, ihn vor aller Welt in seiner Ehre wie der herzustellen.

In einem wahren Triumphe nach Paris gebracht, ward er sowohl wie die heroische Dame, die ihm seine fürchterliche Leidenszeit nach Kräften erleichtert, von dem Monarchen am Hofe empfangen und durch jede nur erdenkliche Gnade ausgezeichnet. Man ging sogar so weit, ihm eines der hervorragendsten Hofämter an⸗ zutragen.

Graf Luckner aber, schwer geprüft und durch das,

was er erlitten, tief ernst und der Welt abwendig ge macht, lehnte alle Auszeichnungen und Gnaden von sich ab, heirathete in der Stille die Baronin Lagrange

und siedelte nach der Schweiz über, wo er in genuß⸗

voller Zurückgezogenheit gelebt hat.

Bilder ans dem jetzigen Kriege.

(Von verschiedenen Augenzeugen.)

II. Mamelon, Malakoff undz Taganrog. (Fortsetzung.)

Auch zdie Engländer hatten sich von derß Aufregung des Sieges hinreißen lassen, einen Angriff auf die mächtige Redan⸗Redoute zu machen, wodurch die Rus⸗ sen offenbar in höchstek Confusion geriethen, so daß jetzt die Benutzung des ersten Sieges recht an der Zeit war. Von der Weisheit Raglan's zurückgerufen, ga⸗ ben sie den Russen Muth und Gelegenheit, ihre Kraft wieder zu sammeln und damit von je tausend Retiri⸗ renden 5 bis 600 niederzumähen. 5 f

Die Kämpfe, die nun auf und um den Mamelon folgten, waren Schlächtereien gewöhnlicher Art, wie sie eben im Kriege immer vorkommen. Als die Sonne am folgenden Morgen auf diese Höhen 5 zwischen die Thäler und Schanzen schien, leuchtete sie in viele Tau⸗ sende verzerrter, starrer Leichengesichter, von denen un⸗ ter ie Hundert 80 bis 90 der Bescheidenheit 05 rer Commandeurs zum Opfer gefallen waren, der Be⸗ scheidenheit, welche den Russen vom 7. bis zum. 18. Juni Zeit ließ, sich auf den Sturm gegen den Mala⸗ koffthurm vorzubereiten und Mittel und Minen n

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