Ausgabe 
11.7.1855
 
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und zum Aerger der damaligen Machthaber in Frankreich.

Es war die Gattin des ehemaligen kaiserlich französischen Oberpostdirectors Lavalette, der, als Napoleon von Elba zurückkehrte, ihm die Posten von Frankreich zur Verfügung stellte, dadurch wesentlich der Sache des großen Kaisers nützte, seinen Diensteifer aber mit Gefängniß büßen mußte, aus welchem eben seine muthvolle Gattin ihn befreite. Sie besuchte ihren Gemahl im Kerker, tauschte die Kleider und blieb an seiner Statt zurück, während der Gefangene glücklich entkam. Die Frau konnten die Bourbonen doch

nicht todtschießen.

Das asow'sche Meer ist nun von russischen Schiffen vollkommen gesäubert und der russische Handel muß einen außerordentlichen Schlag durch die Hinwegnahme seiner ganzen Schiffe erlitten haben. Wie es mit Schamyl steht, erfährt man so eigentlich nicht. Es scheint,-als

wenn er den Westmüchten nicht so recht traue, sonst würde er die günstige Gelegenheit gewiß besser benutzen. Eng⸗ land und Frankreich haben nun eine Anzahl Offiziere nach Tscherkessien geschickt, um zu bewirken, daß sie mit den Westmächten gemeinschaftlich agiren.

Vom Sultan selber hört man gar nichts mehr, als daß er von Zeit zu Zeit einem Gesandten Audienz gibt. Von seiner Reise in's Feld, um mit der Fahne des Pro pheten gegen die Russen zu ziehen, ist ebensowenig mehr die Rede als von der Krimreise seines Freundes Ludwig

Napoleon. Die Fahne des Propheten wird freilich den

Malakoff⸗Thurm auch nicht erobern. Muß dieser gute Sultan den Kopf voll haben; das ganze Haus voll fran⸗ zösischer Einquartirung und ein paar hundert Weiber zu bewachen. ö

In Paris sind sie mit der Ausstellung endlich zu Stande und soll sich die Sache, nachdem Alles ausgepackt und aufgestellt, Kisten und Schachteln hinweggeräumt, ganz hübsch machen. Bei alledem ist der Besuch nicht der ge waltige, wie man erwartet hatte. Wo soll auch jetzt die ruhige Muse zur Beschauung herkommen, wo so viele Fa milien täglich angstvoll den Berichten und Todenlisten aus der Krim entgegen sehen. Wenn man bedenkt, daß nur während der Kämpfe im Monat Juni zehntausend Fran⸗ zosen zu Grunde gingen, wie viel Familien werden da durch in Trager versetzt. Canrobert agirte zu langsam und nun Pelissier wieder zu rasch und soll ein französi⸗ scher Offizier dieser Tage geschrieben haben, wenn Pelis sier ferner so drauf los gehe wie am 18. Juni, ist bin⸗ nen vier Wochen die ganze Franzosenschaft mit Türken und Engländern draufgegangen, so daß sie sich die Rück⸗ kehr ins Vaterland ersparen könnten. Ein traurig Stückchen Weltgeschichte! Hauptsächlich handelt sich's eben um einen Thurm, auf den die Augen von ganz Europa gerichtet sind, den Malakoffthurm, wenn dieser genommen sein wird, dann wird das sebastopolische Trauerspiel sein Ende er⸗ reicht haben und der russischen Flotte ist vollends der Garaus gemacht.

In der Ukräne soll der Bauernaufstand in voller Blüthe stehen, so daß die Edelleute möchten aus der Haut fahren. Es scheint eine neue Auflage des früheren galizischen Bauernaufstandes. Es et Alles schon dagewesen; und gleichwohl gibt es Leute, die durch alle Beispiele der Ge⸗ schichte und durch keine Zuchtrurhe Gottes etwas lernen wollen und in ihren verrotteten Ansichten der Zeit in's Gesicht schlagen. 2.

Canalmüller. Enschulje, Hammelcher, waß ich Dich frage wollt, dann noch die ungeheire allejirte Flott in d'r Ostsee?

Schlammbeißer. Sehr wohl:

Canalmüller. Waß machtse dann da?

Schlammbeißer. Danke vor de güt'ge Nachfrag, se be⸗ findt sich wohl, de Jungens wetze de Messer un da muß's doch aach schmecke bei de gesonde Seeluft. f

Canalmüller. Danke!

Canalmüller. Haste gelese, Colleg, Oestreich will sich Preuße nähern.

Schlammbeißer. Soo, g'wiß bis Olmütz odder waß

for ahner Mütz? Canalmüller., in der orjendalsche Frag. Schlammbeißer. Ah, so, in dem Geschäft, waß wills dann duh? i Canalmüller.'s will Preuße helfe! Schlammbeißer. Preuße helfe, womit dann? Canalmüller. Bei der Neudraledät.

Schlammbeißer. Da wern ich nitt gescheit draus, Emil, worum der Dings ornlicher unn der Dings außerorn⸗ licher Professer?

Canalmüller. Will ich D'r sage, weil der Ahne nir ornliches unn der Annere nix außerornliches gelernt hat.

Canalmüller. Uff meiner Reis habb ich awer e merk⸗ werdige Geschichte erlebt im Kurhesssische! waß doch in so'm Schtaat all g'scheh kann? n a

Schlammbeißer. Woso?

Canalmüller. E ahnzig Hinkel hatt zeh Enteeyer aus⸗ gebrüt! a Schlammbeißer. Daß noch gar nix Emil, ich habb ze Hebamm gekannt, der ihr Sohn war Zimmermann!

Schlammbeißer. Weißte waß mich ärgert, Emil? die zwa Heller, die m'r immert noch bei dem ville gute Fut⸗

ter fir de Schoppe Milch mehr bezahle muß!

Canalmüller. Näß, Hammelcher, mich ärgern de sechs Heller, weil se doch gewehneglich nitt mehr wie zwa Heller werth.

Frau Fichtelberger. Ach, lieber Mann, was freue ich mich auf die Reise in meine Heimath, ich wünschte, ich könnte immer da bleiben!

Herr F. Ja, Liebchen, das wünschte ich auch.

Vor einigen Tagen vertraute ein hiesiges Frauenzimmer dem wandernden Telegraphen an, daß sie die heirathsfä⸗ higen Mädchen in der Neustadt aufgezählt und die Zahl von 110, sage einhundert und zehn Stück herausgebracht hätte. Diesen zur Seite ständen in derselben Straße nur

10 heirathsfähige Herrn, von denen sich aber 9 ihre

Bräute auswärts oder in der Altstadt holen würden.

Hieraus könne man schließen, in welcher verzweiflungs⸗ vollen Lage sich die Neustaͤdter Damenwelt befände und woher sich auch das falsche Gerücht ausbreitete, daß am 2. Juli die Welt untergehen würde. Glauben denn diese Damen, daß sie nicht mit zur Welt gehören und allein dableiben könnten? das wäre so was!

Elin Franzose, welcher sich erst seit Kurzem in Deutsch⸗ land aufhält und sich alle Mühe gibt, Fortschritte in der deutschen Sprache zu machen, sah Leute mähen und fragte ob das die Feldscheerer sind.

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