Ausgabe 
5.6.1855
 
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gefallen. Es muß diese Heilmethode auch hier schon be⸗ kannt sein, denn trotz der heißen Witterung war auf dem ge⸗ strigen Jahrmarkt der Verkehr mit Bratwürsten sehr leb⸗ haft, fast sämtliche Aufgefahrene waren umgesetzt und man gewahrte manchen Patienten, dem die Sonne die Sauce beim Kauen in die Cravatte hinein trieb.

Was ein Feldwebel für Ansichten über Oestreich hegt.

Bürger. Ich sage Ihnen, meine Herrn, Oestreich macht jetzt entschieden Front gegen Rußland. ö f

Feldwebel. Erlauben Sie mir, meine Herren! das ist wieder so ein Bummler von dene Zeitungsschreibern, die Alles wissen

wollen. Wenn ich z. B. hier im Zimmer stehe und drehe Ih⸗ nen den Rücken zu, und ich drehe mich dann um, so mache

ich Front gegen Sie. Aber die Oestreicher sind schon mit der Front nach Rußland gestanden, und da man in Kriegszeiten nach dem Reglement immer in rechts⸗ abmarschirter Colonne oder in Compagnie- Front marschirt, so ist jetzt davon keine Rede nicht. Sondern wenn die Armee in der Wallachei Halt macht, da wird man ganz einfach kommandirt:Links deployirt und damit punctum und von Front machen wird kein Wort nicht gehört. So ist es, meine Herrn!

Schlammbeißer. Du, Emil, die polnische Adresse in Paris an de Kaiser unn die Antwort dadruff, daß awer doch en unge⸗ heires Ereigniß. a

Canalmüller. Das gewis.'s sinn ia jetzend schond Folge dervon eigetrete.

Schlammbeißer. Werklich?

Canalmüller. Ja wohl,'siß'ne große Umwaͤlzungk geschehe, dann friher sange die Pole:Noch Pole nitt verlore! Unn alleweil singt Rußland so!

Canalmüller. Der Peter im Frack awer doch e ganz possir⸗ lich Kerlche.

Schlammbeißer. Woso?

Canalmüller. Der meegt gern Allens in der Tasche hawe, die nächst Anverwandtschaft bei gesondem Leib ins Schpital bringe um se lewendig schond zu beerwe.

Schlammbeißer. Heint ze Tag werd uff Verwandtschaft kein Rücksicht mehr genomme, sis doch gewehnlich so, wer vill hatt, will Allens hawe.

Canalmüller. Daß richdig, drum hatt aach der Sargfa⸗ brikant g'sagt:dusce est pro patria mori.

Schlammbeißer. Wie heißt dann das uff deitsch?

Canalmüller. Süß ist es für das Vaterland, wann Einer sterbt.

Schlammbeißer: Worum laufe awer de Leit uff Sonndäg im- mert so uff's Land?

Canalmuͤller: Weil da de Luft reiner unn de Schpeise billiger sinn.

Schlammbeißer: Warum senn awer de Schtädt nitt aach uffs Land gebaut worde? dann wär'n doch de Canäler nitt so duftend.

Canalmüller: Lo, unn de Dörfer?

Schlammbeißer: Drüm'rum.

Ca nalmüller: wahr, e scheene Idd.

Erlebtes.

Uech lübe keunen Sauerkohl, nücht und das üst söhr gut, daß üch keunen Sauerkohl nucht lübe, dönn wönn üch dön Sauerkohl lübte, so würde üch dön Sauerkohl össen und üch kann keunen Sauersol nücht vertragen. Nothkohl.

Meisterschaft. Glaubt, nicht der Schoppen Zahl macht den unsterblichen Meister, sondern wie schnell er einen leert, zeigt daß er kann was er soll. Hoppesack. Verschwiegenheit. Klag' niemals Deine Noth Dem Feinde, geht's Dir schlecht! Laut sagt er: Großer Gott! Leis' aber! das ist recht. 5 Die Schüsse. Der Schuß, in den England gerathet, Wenn man mit seiner Ehre spielt, Das ist ein Schuß, der uns nicht schadet, Und den am End' nur England fühlt! Der Abschuß, der sich Frankreich zeiget, Wenn es mit keiner Macht treu hält, Sich bald dahin, bald dorthin neiget, Der Schuß trifft Frankreich, nicht die Welt! Ein Vorschuß, den Herr Rothschild leistet, Wohl leicht die Wirkung üben kann, Daß Mancher Manches sich erdreistet, Doch auch mit dem Schuß geht's noch an! Der Schuß doch, der, mit lautem Knalle Ertönet her vom Bosporus. Der trifft mit seinem Falle Alle: Ja so ein Schuß, das ist ein Schuß!

Thealer- Bericht.

Gießen, den 5. Juni. Seit mehreren Wochen gibt Herr Schauspiel-Director J. Fir mit seiner Gesellschaft datzier Vor⸗ stellungen. Leider sind wir in der Jahreszeit zu weit vorgerückt, als daß bei dem schönen Wetter auf zahlreichen Besuch des Thea⸗ ters zu hoffen wäre. Vergangenen Sonntag nun sollte das be⸗ kannte und beliebte Stück der Frau Birch⸗Pfeifer: Dorf und Stadt, unter Mitwirkung der Fräulein Eppert aus Darmstadt, gegeben werden. Die Uebernahme der Hauptrolle durch eine Hofschau spielerin hatte gezogen, und die an Theaterabenden sonst leeren Räume des großen Leib schen Sagles waren diesmal von Zuschauern ge⸗ drängt voll; doch fand sich das Publikum in dem Hauptgründe seines Besuches getäuscht, denn Fräulein Eppert hatte abgeschrie⸗ ben, und wird nächsten Sonntag den 10. Juni auftreten.

Die Vorstellung wurde dennoch gegeben, und zwar, wie wir mit Vergnügen sagen können, sehr gut, für eine kleiue Bühne sogar vortrefflich. Die Rolle desLorle wurde von Fräulein Fix ganz brav durchgeführt, ebenso die des Herrn Büffinger, der als MalerReinhard auftrat. Beide wurden mit wah⸗ rem Beifalle am Schluß der Vorstellung gerufen, welche Ehre in dessen füglich sämtlichen Mitgliedern hätte zu Theil werden können, da ste das Mögliche leisteten. Somit waren die bösen Launen des getäuschten Publikums gänzlich verbannt, welchs durch mehr maligen Applaus während den Vorstellungen bewiesen wurde, und Herr Fix hatte wenigstens einmal Gelegenheit vor einem größeren Publikum zu spielen und zu zeigen, was er mit seiner Gesellschaft zu leisten im Stande ist. Es wäre sehr zu wünschen, zumal der Aufenthalt des Herrn Fix hier nur noch kurz ist, daß der gute Wille und die Anstrengungen durch häufigeren Besuch belohnt würden. Für Stücke dieser Art hat Herr Fir hinreichende Kräfte und Jedermann kann bei Besuch der Vorstellungen auf genußreiche Abende rechnen.

Mehrere Theaterfreunde.

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Allgemeiner Anzeiger.

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Julius Wallach in Gießen.

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