die Caritas hieß, und war des schönen Dirnd'ls Gothen und Baas von der Mutterseiten her. Die hatte einen Sohn, den Nazi, der war zwei Jahr älter, als drüben das schöne Göthel. Ein Buab 4 war's, Herr, wie Milch und Blut, dabei gewachsen 1 wie eine Lerche, und wenn er Morgens jodelte und 8 einen Juchzer that, so hörte man's an der Scharnitz. 5 Wer wollt's ihm verargen, daß ihm die schöne Ca⸗— ritas gefiel? Er war's ja nicht allein, dem's so
ging. Aber es war nicht so ein flüchtig Wohlge— fallen, sondern es war, wie's im Schnaderhupfl heißt:
Du herzig's schön's Dirnd'l,
Du liegst mir im Sinn;
Du liegst mir im Herzen
Sieben Klafter tief d'rin. Und wo einmal die Lieb sieben Klafter tief sitzt, da weht sie der Karwandelwind nicht mehr'raus, und 1 nicht der Sirokko, der aus Italien'rauf weht. 2 Die Caritas wußt's auch und war ihm freund⸗ 1 licher als allen Andern, und ich glaub' fest, sie hatte 1 ihn lieb, nicht von wegen der Verwandtschaft und Nachbarschaft, sondern vom Herzeu'raus von wegen . seiner Schönheit, und weil er überhaupt so brav. 7 Er war auch gewiß eine gute Seel', aber Pulver ö hatt er auf der Pfann'. Hui, wenn ihm Eiuer 0 quer kam, dann war er rasend und unbändig. Er that der Caritas Alles, was er konnte, und wenn sie ihn anlächelte, dann wär er in den Tod gangen, wann sie's verlangt hätt.
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ö(Forts. folgt) 3 S 0 1 Die jetzt verwittwete Kaiserin von 1 8 Rußland(schreibt Jerrman in seinen„unpoliti⸗
f schen Bildern aus St. Petersburg“) erkundigte sich 3 einmal nach ihrem Haushalt-Etat und fand die 5 Summe etwas bedeutend. In einer Anuwandlung 1 von Hausfrauenlaune ließ sie sich die täglichen Rap⸗ porte mit den Speeifikationen vorlegen und fand 1 auf dem ersten, nach welchem sie griff— eine Flasche 1 Rum für den Thronfolger. Das frappirte sie und . reizte ihre Neugierde, weiter zu blättern; aber was f glich ihrem Erstaunen, als sie Jahre lang hinaus „täglich eine Flasche Rum für Rechnung des Thronfolgers“ aufnotirt fand.— Eine Flasche Rum täglich! Ihr jugendlicher Sohn ein so ko— lossaler Trinker! und zurück, und immer mehr zu- rück bis zur Zeit seiner Kindheit, bis zu dem schuldlosen Wiegenlager,— bis zum Tage seiner Geburt. Unerklärlich!— Doch noch ein Blick auf die vorgehende Seite: schon am Tage vor seiner Geburt! Nun war das Räthsel gelöst, ein Anderer mußte gemeint sein, man forschte rastlos weiter, so gelangte man bis in die 1790r. Jahre, hier war die Flasche zum ersten Mal notirt, und eine Marginalnote bemerkte:„Wegen heftigen Zahnschmerzes auf Befehl des k. k. Hof- Medikus einen Theelöffel voll mit Zucker zu nehmen!— Da ging der Kaiserin ein Licht auf. Weil einmal der Kaiser Alexander(I.) als Thronfolger in den Neunziger Jahren wegen Zahnschmerzen einen Thee—
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1 löffel voll Rum genossen, und dieser deßhalb aus 1 dem kaiserlichen Keller geliefert worden, mußte auf ö 5 alle seine Nachfolger hinab der jedesmalige Thron— 1 4 folger täglich eine Flasche voll Rum leeren, minde⸗
stens ward sie auf seinen Namen notirt. Nun forschte man dem Unfug auch in anderer Beziehung nach, und das Resultat war, daß die Rechnungen
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aufs Haar stimmten und auch nicht ein Kopeken verzeichnet war, der nicht verausgabt worden.— Aber wie!— Das war der Kaiserin zu bunt; sie theilte diese Entdeckung ihrem Gemahl mit, der las und las, rechnete und rechnete, und sann lange nach; endlich sagte er mit dem Ausdruck einss Man— nes, der eine tiefe Ueberzeugung in sich aufgenommen hat:„Das ist stärker als ich; geht's so fort, so muß ich mein Land versetzen, um meine Tafel zu bestreiten. Dem Dinge will ich ein Ende machen, ich gebe mich in die Kost.“
Gesagt, gethan! Am andern Tage eristirte schon keine kaiserliche Küche mehr. Von Stunde an ver- dingte der Kaiser sich und sein ganzes Haus. Es war eine Art Magenpacht, der ganze Hof wurde auf Leibrente gefüttert. Ein Pächter übernahm das gesammte Winterpalais, vom Georgensaal bis in den Stall und theilte es in„Stationen“ ein. Der Kaiser und die Kaiserin zahlten per Kopf für
ihre Kost fünfzig Rubel; für die Großfürsten und
Großfürstinnen nebst Allen, die an ihrem Tische aßen, wurden per Kopf fünfundzwanzig Rubel ge— zahlt; für die Hofdamen und Kavaliere zwanzig, für das dienstthuende Personal fünfzehn, für die Unterbeamten zehn, für die Bedienung fünf, für die Stallleute drei Rubel.— Da trat plötzlich eine wunderbare Veranderung im ganzen Winterpalais ein; der Kaiser behauptete, nie so gespeist zu haben, der Hof freute sich der angenehmen Unterhaltung, die Hoffräuleins bekamen blühendere Farben, das ganze Personal rundere Gesichter, und am blühend— sten war der Haashaltungs-Etat, obgleich er über die Hälfte zusammenschrumpfte; kurz, alle Welt war zufrieden, bis auf Kellermeister und Koch,— und alles das die Werkung einer Flasche Rum, wovon Kaiser Alexander J. als Thronfolger einst einen Theelöffel voll mit Zucker genossen hatte, um auf Ordonnanz des Arztes sich die Zahnschmerzen zu vertreiben.
Tapferkeit der englischen Soldaten in
der Krim.
Die englischen Blätter, welche die betrübenden Schilderungen von der Lage des schlechtversorgten Heeres vor Sebastopol durch Mittheilungen vieler Züge von glänzender Tapferkeit einzelner Offiziere oder auch gemeiner Militärs, so viel und so gut es geht, zu verwischen suchen, geben unter anderem zwei Beispiele davon an, die wir hier erzählen: Ein Gemeiner von den Coldstream Guards, berich— let der„Edinburgh Advertiser,“ war in der Alma— schlacht bei dem Angriff auf die Russen und deren Verfolgung so in Hitze und Eifer, daß er weder merkte noch beachtete, wie ihm eine Kanonenkugel den rechten Arm weggerissen, als bis er vom Blut⸗ verluste erschöpft, ohnmächtig vor dem Feinde zu— sammensank. Ein Oberst, Hodge, vom vierten Re— giment der Dragoon-Grards, welcher einen Tag vor dem Gefecht; bei Balaklava total krank auf das Schiff Sanspareil gebracht worden war, hatte kaum die ersten Schüsse der Schlacht vernommen, und gehört, daß der Kampf begonnen, so ließ er sich aus dem Bette heben, ankleiden und ans Land bringen, wo er sofort an die Spitze seines Regiments trat und dasselbe, als wenn er frisch und gesund ware, während der ganzen Bataille musterhaft führte.


