chen nachtheiligen Eindruck es auf die gesammte englische Armee machen müßte, wenn sie einem Oberbefehlshaber untergeordnet würde, der noch nicht einmal eine Gelegen— heit gehabt, sich als Feldherr zu zeigen. Die Victoria mit sammt dem Prinzen Albert sollen ob dieser Eingabe der hochgestellten Generale in nicht geringe Verlegenheit gerathen sein. Man hat also nicht umhin gekönnt, ver⸗ steht sich auf die schonendste und zarteste Weise, den Franzosenkaiser davon in Kenntniß zu setzen und das soll eben der Hauptbeweggrund gewesen sein, die Orientfahrt wenigstens vor der Hand aufzugeben, Tapezirer und Po⸗ lirer zurückkommen zu lassen.
In Rom wurde vor Kurzem eine öffentliche Lotterie gezogen. Als die Musik am Lebhaftesten und die Freude am Ausgelassensten, stürzten sich einige verwegene Räuber auf anwesende Damen, denen sie die goldenen Ketten und Ohrringe abrissen. Auf ihr Geschrei eilten Leute zu Hülfe, aber die Räuber erhielten ebenfalls Succurs. So ward der Marktplatz zum Schlachtfelde, Dragoner rasselten her— bei und hieben ein, Gensdarmen schossen mit Pistolen. 140 Personen, darunter meist Frauen wurden verwundet und erdrückt. Als endlich die Macht des Gesetzes die Oberhand behielt, wurden zwei Räuber gefangen. Also ist es geschehen in der heiligen Roma! Da wollen wir doch lieber in weniger heiligen Orten wohnen!
Amerikanischer Puff.
Der Bibelspruch:„es wird eher ein Kameel durch ein Nadelohr gehen, als ein Reicher in das Himmelreich kom— men,“ findet immer mehr Bestätigung und wird nicht eher seiner Auflösung nahe sein, bis die Nähmaschine vollstän⸗ dig eingeführt und alle Nadeln entfernt sind.
In Amerika ist zu Ehren des Präsidenten eine so große Kanone gegossen worden, daß zwölf Ochsen die Patronen in das Rohr fahren müssen.
Frage. Aber wie kommen diese Ochsen wieder heraus?
Antwort. Ganz einfach, durch's Zündloch.
Bei den letzten Wiener Conferenzen machten drei Di⸗ plomaten zu Wagen eine Landparthie. Der Unfall wollte es, daß der Wagen mit der gesammten Diplomatie in ei⸗ nen Graben fiel. Der Kutscher vermochte allein nicht die Herren aus der Tiefe zu befreien. Er rief daher einen vorübergeheuden Wiener um Beistand an. Wer steckt Lauter Diplo⸗
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f heut zu⸗ Auf lief
nicht daran, sprach der Wiener, tage gefährlich, sich mit Politik er, was er laufen konnte.
Canalmüller: Hast Du dann eigentlich aach en Vatter gehatt. Hammelcher?
Schlammbeißer: Unn daß en Tüchtige.
Canalmüller: Waß ware dann?
Schlammbeißer: Juweller.
Canalmüller: Ville Leit sage Mäurer wär ke gewese?
Schlammbeißer: Daß iß doch ganz einerlei nur mit dem Un⸗ nerschied, daß der Juwelirer de Stei in Gold unn der Maurer iu Kalk faßt. 0
Schlammbeißer: Nanu werd's doch enlich mal Ernst mit der engelsche Fremdelegion. Solle m'r uns nitt aach ahwerbe lasse, Emil, waß meinste? Mer kriegt 40 Dhaler Handgeld unn wann m'r enlasse werd noch e jährlich Panzion.
Canalmüller: Sein ich zefriede, wann se uns gleich widder ent⸗ lasse. N
Schlammbeißer: Daß geht nitt, awer m'r mache's so, mir zwei Beide bleiwe Deitsche in d'r Fremdelejon. Mir ziehe gege gar nir, sonnern bleiwe neitral zerick! daß bedinge m'r uns derbei aus.
Canalmüller: Auch nitt üwel.
Gießen den 31. Mai. Heute wurde hier Joh. Römer von Allertshausen wegen des an dem Flurschützen Mülker verübten Mordes, im Hofe des neuen Arresthauses, hingerichtet. Es hatten sich, namentlich aus der Umgegend, wo es fast gar nicht bekannt geworden war, sehr wenig Zuschauer eingefunden; im Ganzen ge— nommen scheint aber auch die Menschheit kein Vergnügen mehr an solchen Schauspielen zu finden. Frauenzimmer waren gar keine da, wenn solche bei früheren Hinrichtungen auf dem Triep auch nur verstohlen durch die Finger guckten.— Als der Delinquent vor die Thüre des Arresthauses trat, blieb er eine zeitlang starr nach den versammelten Menschen blickend, auf der Treppe stehen und schien noch etwas reden zu wollen, allein er gab oder konnte keinen Laut von sich geben und folgte sonach den ihn begleitenden Herren Geistlichen ganz geduldig und gelassen aufs Schaffot. Auf demselben angekommen, rief er:„in der Ewigkeit sehen wir uns Alle wieder!“ und mit diesem Troste überließ er sich bereitwillig seinen Mördern und die Exekution war sehr rasch und gut voll bracht. Römer starb sehr standhaft und schien durch den ihn be— suchenden Geistlichen sehr gut zum Tode vorbereitet zu sein.—
Als Römers Vaters Bruder als Bürgermeister wegen der Re⸗ krutirung gerade in Grünberg war und daselbst das Urtheik ver⸗ nahm, verfiel er in eine starke Otznmacht und mußte nach Hause gefahren werden, woselbst er noch krank darniederliegt.— Dieser Mann scheint ein viel zärteres Gefühl zu haben als Römers Ehe⸗ gattin, die sich schon früher erkundigt haben soll, ob sie wieder einen mit Kopf heirathen dürfe, wenn Römers Kopf abgeschlagen sey? und ist ganz zufrieden abgegangen. Uebrigens soll die ganze Ehe auch nicht die Glücklichste gewesen sein und Römer hierdurch
denn drinnen im Wagen, Jrug letzterer. 5 5 sich haufig dem unglücklichsten Laster— dem Trunk— ergeben matie, antwortete der Kutscher. Da vergreife ich mich haben.
Allgemeiner Anzeiger.
et.—— 851 Wukündigung. Am f. Jeui 18h nutwiderruflich, Ziehung zu Mainz auf dem Stadthause, der grossen Kunst-, Industrie- d Geld- Lotterie Hanpttreffer fl. 30000 baar, fl. 12000 Kmenblement etc. zus. fl. 42000.
Bestellungen auf Leose— ein Stück à fl. 7 oder 4 Thl.— 5 nebst einem 6 ten sicher gewinnen⸗ den Freiloose fl. 35 oder 20 Thlr.— sind zu richten an des Handlunghaus b
J. Nachmann und Comp. in Mainz.
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