Ausgabe 
1.10.1918
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Nummer 22.

1. Oktober 1918.

ES gilt der Spruch leider als ein welthistorischer Spruch: .Der Wols zerreißt den, der sich zum Schafe machte Alle Völker müssen früher oder später für das büßen, was sie ver- gessen oder verjüumt haben, zur rechten Zeit zu tun.

Ernst Moritz Arndt.

Kameraden!

... Mit seiner vollen Kraft setzt sich der Mann jür seines Volkes Sache ein, mit Gut und Blut, mit allem was er ist und hat.

Oder ist es Mannes Art, etwas Halbes zu tun? Nein!

In der Pflichterfüllung gibt eS keine Grade. Entweder oder! Wer nicht alles hergibt, hat alles verweigert! Was wir tun, wollen wir mit herzhafter Entschlosienheit ganz tun. r

Glaubt nicht, Eure Pflicht erschöpfe sich im bloßen Soldatsein.

Sagt nicht, als Soldaten tätet Ihr genng und dieanderen* sollten Kriegsanleihe zeichnen. Grade so, als ob Ihr im Kampfe sagen wolltet: Nur mit den Füßen, nicht mehr mit Kopf und Hand wollen wir der gemeinsamen Sache dienen.

Mit frechen Herausforderungen begegnen die Feinde unserer Friedensbereitschaft. In dieser höchsten Not gibt das deutsche Volk alles her, was in ihm steckt.

Erst wenn das gemeinsame Ziel erreicht und die Grundlagen zum Weiterleben fürs deutsche Volk gesichert sind, darf jeder wieder seinen eigenen Weg gehen und seine eigenen Ziele verfolgen.

Solange wir unsere volle Kraft einsetzen, wird der Feind unseren Siegeswillen nicht brechen. Lastet uns dafür sorgen, daß uns nicht beschämender Mangel an Weitblick, Einsicht und Pflichtgefühl die wunderbare Kraft unseres kämpfenden Armes

lähme!

Wir wollen nichts Halbes tun. Denn das ist nicht Mannes Art.

Auch der Soldat zeichnet Kriegsanleihe.

Gefr. Walter Hammer.

Schlagworte.

Der Ausdruck ist noch nicht alt; ich vermute, man redet erst in neuerer Zeit so recht inSchlag­wörtern*. Die alte Zeit kannte daS Wort noch nicht. Aber heute hat man so unheimlich vielerlei zu tun. Da kann man sich nicht lange Mühe geben, die Dinge zu erforschen und aus den Grand zu gehen. Man macht's sich bequemer. Die Menschen werden sortiert, wie ein Warenlager; die Meinungen und Anschauungen werden hübsch in Päckchen ver­packt und mit einem bestimmten Schlagwort ver­sehen. Dann braucht man gar nicht mehr zu prüfen. Wenn man z. B. nur das WortAlldeutscher* oder .Sozialdemokrat* hört, ist manfertig* damit. Was der Mann sagt, wie er es begründet, ist ganz einerlei. Man weiß ja, wohin er gehört, und hat dazu noch den Vorteil, daß man sich in seinem Urteil sehr gebildet vorkommt, weil man ja, weil man alle die politischen Schlagworte beherrscht, wie der Setzer seine Buchstaben im Kasten. Mit Schlagworten will man seinen Gegner schlagen, erschlagen. Mausetot erscheint jeder, der mit einem Schlagwort gekennzeichnet wird. Herrlich, ganz herrlich l Ich bin der törichten Meinung, daß wir Deutsche schon längst gesiegt hätten, wenn wir uns nicht so viel mit Schlagwörtern töten würden. Alles Ernstes glaube ich, daß unsere Feinde ab­sichtlich so vielemoralische* und .rechtsphiloso­phische* Worte in ihren diplomatischen Reden ver­wenden, weil sie unsere deutsche Schwäche kennen, sich über solche Worte, wie .Selbstbestimmungsrecht* oder .Völkerrecht* oder.Moral* möglichst viel zu zanken. An jedem Zank der deutschen .Schulmeister* untereinander hat er dann seine höllische Freude.

Früher hielt ich den Herrn Wilson für einen .Philo­sophen*, den der Zufall irrigerweise an die Spitze eines Staates gebracht habe, den ec nun mit seinen .moralischen Ideen* zu regieren versuche. Heute denke ich anders. Wrlson ist ein fein geriebener, diplomatischer Geschäftsmann, der alle diese sittlichen Redensarten mit großer Geschicklichkeit verwertet, um unS Deutsche in einen Hader unter uns gegen­seitig zu verstricken. Ec nimmt sie nicht ernst; aber er weiß, daß wir sie ernst nehmen und jubelt, daß wir unsere Kraft mit Erörterungen vergeuden, statt sie zu sammeln und zu sparen füc den Endsieg. Das amerikanische Geschäft ist für ihn die Haupt­sache, woraus ich ihm gar keinen Vorwurf mache. Wohl aber wünschte ich, daß uns Deutschen unser deutsches Vaterland und seme Zukunft auch das Allereinzigste wäre, das wir berücksichtigten. Deutsch­land bleibt unser Heiligtum.

Erinnern wir uns einer sehr ernsten Rede, die Kitchener einst gehalten hat. Wir haben den Mann 1914 so auSgelacht, wie manche heute noch über Lloyd George lächeln. Jenes Lachen »st uns teuer zu stehen gekommen. Kitchener wußte, was er wollte, und wollte, was er wußte. Im Dezember 1914 war es, daß er zum Vertreter der Ehicagoer Zeitung .Tribüne* sagte: .Wir werden trotzdem den Krieg gewinnen. Wenn wir ihn nur auf lange Sicht unbegrenzt führen, so wird das deutsche Volk, weil es von Natur dm Frieden liebt, seine Regie­rung zwingen, den Frieden zu suchen und schließlich um jeden Preis.* So der englische General. Die deutsche Friedensliebe kennt er. Er schätzt sie nicht. Ec stellt sie nur wie ein Kaufmann in sein eigenes Konto herein und bucht sie dort unter .englischen Gewinn*. Uns Deutschen springt das Herz höher bei dem Wort .Frieden*. Wir lachen wie die Träumenden und sehen Knospen im Frühling. Halt, du lieber D utscher! Der Kitchener wußte das, Lloyd George und das ganze englische Volk w.ssen das. Uns ist er eine Idee, ein Ziel. Sie spekulieren daraus, wie der Konkurrent aus den Bankrott seines Gegners. Dem Engländer ist Friede so egal, wie Krieg, wenn er nur gewinnt. Darum lautet heute des Engländers Rechnung so: .Die Deut chen sind in den Frieden vernarrt. Sie halten es doch nicht aus. Sie haben zu viel Gemüt und echte Sittlichkeit. Also brauchen wir uns nicht zu ängstigen. Sie kommen uns doch und sind zuletzt auch mit dem Frieden um jeden Preis zufrieden.* So narrt uns England, weil es immer nur rechnet, aber nicht fühlt. Wir wären Narren, »venn wir ihm jetzt, wo ihm die Wasser an den Hals gehen, helfen würden. Wehe dem, der in Deutschland sagt: .Ein Narr, wer noch an den deutschen Siez glaubt.* Kitchener lacht noch heute im Meeresgrab, daß er die Deutschen so einfangen konnte und solch erbärmliche Losung in Deutschland möglich wurde. Nur vor einem hat der Kitchener Angst der Hindenburg will »virkllch siegen und ec kann siegen, wenn sein Volk geschlossen hinter ihm steht. Gott schenke uns den Steg und segne ihn uns! Wer England besiegt, bringt der Welt den Frieden.

G. Traub.

Das Interesse der Arbeiter am Stege.

Alle Schichten des deutschen Volkes, und ganz besonders die arbeitenden Klassen, sind am Siege unserer Waffen in höchstem Grade interessiert. Das geben unseren Arbeitern ihre Kollegen im feindlichen Ausland hinreichend deutlich zu verstehen. Man braucht gar nicht bic Reden der englischen und französischen Staatsmänner zu lesen, um zu be­greifen, daß nur unser Sieg ein für den Arbeiter erträgliches Los bedingen kann; wohin unsere Ar­beiterschaft gebracht werden soll, das erfahren wir ebensogut aus den Worten und Taten der Arbeiter jener Länder.

Ohne Sieg gehen uns die Kolonien unwieder­bringlich verloren; ohne Sieg haben wir nicht die Möglichkeit, die für unsere Industrie erforderlichen Rohstoffe au8 überseeischen Ländern hereinzubringen;

ohne Sieg können wir nicht die Kohlen- und Erz­lager westlich vom Rhein, durch deren Besitz wir vom Ausland bis zu gewissem Grade unabhängig sein können, halten und im Dienste unserer Industrie ausbeuten; ohne Sieg sind wir nicht fähig, dem Weltmarkt unsere Erzeugnisse, die Frucht unserer Arbeit, zuzusühren und damit als gleichberechtigte Konkurrenten anderer Völker unsere Existenz zu behaupten.

Was uns bevorsteht, wenn wir nicht siegen, offenbart sich deutlich in dem Willen unserer Gegner, und bei ihnen in hervorragender Weise gerade der Arbeiterschaft, den Krieg bis zum Siege fortzufahren. Sie wollen uns auf die Knie zwingen, um uns in der Gemeinschaft der Völker zu entrechten; hat doch erst kürzlich ein Mitglied des englischen Oberhauses ausgesprochen: .Wenn wir einen Weltgerichtshos haben werden, so »st es theoretisch selbstoerständlich, daß der Bund alle Staaten einschließen muß; aber der Gedanke, daß Deutschland in einen solchen Bund ausgenommen wird, ist schwer zu denken*. Und neben dieser Entrechtung steht für uns die Ver­sklavung, die Verelendung in ihrer ausgeprägtesten Form. Wohin soll der deutsche Arbeiter gelangen, wenn Rohstoffe fehlen, wenn Absatzgebiete verschlossen sind, wenn aus Ein- und Ausfuhr von den meer­beherrschenden Gegnern Zölle gelegt werden, die eine lohnende Arbeit ausschließen? Wenn Rohstoffe fehlen, müssen ganze Zweige unserer Industrie still­gelegt werden, und viele Tausende von Arbeitern haben kein Brot. Durch Abwanderung in andere Industrien würde das Arbeiterangebot dort so ge­steigert, daß die Löhne außerordentlich gedrückt werden müßten. Rohstoffmangel ist für unsere Arbeiterschaft ein unerträgliches Unglück.

Sind aber Rohstoffe da und uns fehlen die Absatzgebiete, dann tritt dasselbe ein; die Industrien können nicht w.'iterarbciten, da ihre Erzeugnisse keine Käufer finden. Und beides, Rohstoffmangel und Fehlen von Absatzgebieten, tritt ein, wenn es den Feinden möglich ist, durch hohe Zölle unseren Handel lahmzulegen. Diese Möglichkeit aber können wir ihnen nur nehmen, wenn wir'sie so besiegen, daß wir sie zu den für uns erforderlichen Handels­beziehungen zwingen. Machen wir vorher Frieden, so begehen wir gerade an der Arbeiterschaft ein Verbrechen.

Aber es ist uns ja gar nicht möglich, vor dem Siege Frieden zu schlleßen, da unsere Feinde nicht bereit sind, den Krieg zu beendigen, bevor sie ihrer­seits uns besiegt haben. Sie sind sich dessen bewußt, daß den Arbeitern nur desjenigen Landes ein er­trägliches Los bevorsteht, das aus diesem Ringen unbestritten als der Ueberlegene hervorgeht. Vor kurzem kam aus französischem Munde daS Bekenntnis, Frankreich sei durch seine Verbündeten gezwungen, den Krieg bis zum siegreichen Ende durchzusechten, es stehe vor der Wahl: Sieg oder Hunger. Und so eigentümlich es auch klingen mag, »vir befinden uns mit Frankreich in der ganz gleichen Lage; auch für uns heißt es: Sieg oder Hunger! Es ist eben kein.Krieg, von dein die Kronen wissen*. Es ist ein Ringen um die Existenz der beteiligten Völker des Kontinents; England hätte die Möglichkeit, den Krieg vorzeitig abzubrechm, England und mit ihm Amerika. Wenn diese beiden Länder zum Friedens- schluß bereit-wären, ohne den Sieg errungen zu haben, so würden die ihnen erwachsenden Nachteile nicht in dem Maße unerträglich sein wie bei uns, die wir von dem Gespenst des Wirtschaftskrieges nach dem Kriege besonders bedroht werden. Wir können erst dann das Schwert aus der Hand legen, wenn wir den Gegnern die Möglichkeit zum Wirt­schaftskriege entwunden-haben.

Was der Vorsitzende der englischen Arbeiter­partei Purdy am 26. Juni als für die englischen Arbeiter maßgebend hinstellte, das trifft mit weit größerer Berechtigung auf die deutsche Arbeiterschaft zu und sollte von dieser ganz besonders beherzigt werden: .Alle Hoffnung auf die Schaffung befferer sozialer und beruflicher Lebensbedingungen nach dem Kriege haben den Sieg zur Voraussetzung*.