Ausgabe 
15.9.1918
Seite
7
 
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Die Kaiserrede in

vom 11. September 1918.

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Meine lieben Frennbe von den KniWslhen Werden!

chon lange hat es mich in diesem Kriege zu Ihnen hin- V, aber wie Sie wissen, haben mich vielfach militärische /md"politische Pflichten ans die verschiedensten Schlachtfelder, in die verschiedensten Gegendeil des vom Weltkrieg durch­lebten Europas gerufen. Deshalb habe ich meinen Plan, zu )huen zu kommen, immer wieder ausschieben müssen. -Mm* iitchr ist es mir zu meiner Freude endlich gelungen, hierher zu ommen in die Werke, die ich seit meiner frühesten .Kindheit ,l ihrer Entwicklung beobachten konnte und deren Besuch mich mmer wieder erfüllt hat mit der höchsten Bew und erring

>e utsch ^Wissens chast,Erfind ungsgabeun d ± at -

Mn ft Cs gilt heute, dem Kruppschen Direktorium, oen Werks­eitern und den Arbeitern und Arbeiterinnen meinen kaiserlichen Dank auszusprechcn für die geradezu überwältigende Art und Weise, in der die Kruppschen Werke dem deutschen Heere und seinem Obersten Kriegsherrn 511t Beifügung gepanden haben und weit über menschliches Ermessen und Hoffen hinaus das Material geliefert haben, daß die Armee im Laufe der steigenden Anforderungen in diesem gewaltigsten aller Kriege van ^huen hat verlangen müssen. Gewaltiges i |t geleistet lv o r - dett, vom" Direktorium herab bis zum letz en Arbeiter und bis zur letzten Arbeiterin, und das unter steigenden Schwierig­keiten, Schwierigkeiten der Ernährung und Schwierigkeiten in der Bekleidung. Verluste, Trauer und Sorgen aller Art, von denen kein Haus verschont geblieben \}t, weder das Für­stenhaus noch das schlichte Arbeiterhaus, und nun noch da­zu die steigenden Anforderungen an die deutsche Frau, die nicht allein die'Sorge für die Kinder und Haus ohne Mann tragen mußte, sondern obendrein noch ihre Kräfte in der Fabrik unter verschärfter Mühewaltung einsctzen mußte, um Waffen- und Vcrteidigungsmittel den Männern draußen nicht fehlen zu las­sen. Eine ganz ungeahnte Mobilmachung ist es gewesen, diese zweite industrielle Mobilmachung, ohne Unterschied des Alters und Geschlechts, eine Anforderung, wie sie noch nie au das deutsche Volk gestellt worden ist, und trotzdem ist ihr willig und freudig entsprochen worden. Da möchte ich vor allen Dingen m einen lv a r m e n D a u f a l s Landesvater aussprechen den Frauen svlvohl als auch den Mädchen und den Männern, die so opfer­willig ihre Pflicht getan haben, trotz der erdrückenden Sorgen vor Not und Elend, die uns alle getroffen haben. Es soll keiner in unserm Bolle glauben, das; ich darüber nicht Bescheid weiß. Ich habe auf meinen Fahrten durch das Land mit mancher Witwe lind mit manchem Bauer und int ferner Osten und Westen mit manchem Landlvehr- nnd^Land- sturmmaun gesprochen, der das Herz schwer hatte vor Sorgen, die aber überstrahlt wurden von dem Gedanken: erst die Pflicht, das andre kommt später. Ich habe Eure Sorge im tief­sten Herzen empfunden. Was an landesväterlicher An­regung hat geschehell können, um die Laß nach Möglichkeit zu mildern und die Sorgen unseres Volkes zu verteilen, das ist geschehen. Es hätte manches aliders gemacht werden können, und daß darüber hier und da M i ß st i m ni n n g herrscht, ist keili Wunder aber wem verdanken wir dies letzten Endes? Wer hat davon schon seit Anfang des Krieges gesprochen, dal; die deutsch' Frau und das deutsche Kind ausgehungert werden sollten? Wer ist es gewesen, der den furchtbaren Haß in diesen Krieg hineingebracht hat? Das waren die Feinde! Wir

wollen uns darüber klar sein, wie die Dinge stehen. Ein jeder von Euch bis in die fernste Ecke unseres Vaterlandes weiß, das; ich keinen Schritt unversucht gelassen habe, unserm und unserer gesamten gesitteten europäischen Welt diesen Krieg möglichst ab zu kürzen. Im Dcz mber des Jahres killt habe ich ein offenes, klares, ullzlveideutiges Friedensan­gebot im Namen des Deutschen Reiches und seiner Verbün­deten den Gegnern übergeben. Hohn, Spott und Verachtung sind die Antwort gelvesen. Der da oben kennt mein Gefühl der Verantwortung. Wiederholt in den vergang-nen Monaten haben verantwortliche Leiter aus der Negierung des Reiches in unzweideutiger Weise jedem, der es verstehen wollte, zu verstehen gegeben, das; wir jederzeit bereit siild, die Hand zum Frieden darzubieten. Die Antwort war der ausge­sprochene V e r n i ch t u n g s w i l l e, die Aufteilung nnb Zer­schmetterung Deutschlands. Es gehören eben zum Friedenmachen zwei. Wenn nicht beide wollen, kann es der eine nicht, voraus' gesetzt, das; er den andern nicht niederwirst.

der Rückwärtsbewegung, sei es im Stellungskamp,e. Es kommt nur daraus an, daß' der Gegner möglichst viel ver­liert. Das ist der Erfolg, und das geschieht n o ch w e i l e r. Unsere todesmutige Marille hat es Euch bewiesen. Gegen starke Ueberlegenheit hat sie den Feind am Skagerrak geschlagen. Unsere II-Boote nagen wie der verzehrende Wurm am Lebens­mark der Gegner, mehr, als unsere Feinde zugebeu wollen, meint es auch manchem unter Euch zu lauge dauert. Diesen imkcrglcichlichen Heldentaten unseres Heeres und unserer F otte muß ein Rückhalt geschaffen werden, nicht bloß in der Ar­beit, sondern auch in Sinn u n d G e d a u k e n u n s e r s Volkes. Es handelt sich nicht nur darum, unserm tapfer» Heere und unsrer braven Marine Material und Ersatz nachzuschiebrn, sondern es handelt sich darum, das; ein jeder Deutsche und eine jede Deutsche weiß, daß wir um unsre Existenz kämpfen und ringen, daß wir das äußerste aufbieten müssen, um uns siegreich zu wehren.

Ich kann mir wohl vorstellen, das; mancher unter Euch Ln dieser langen Kriegszeit sich wiederholt die Frage vorgelegt har: wie hat das ko m m e n k ö nneu, und warum mußte uns das passieren, da wir doch 40 Jahre Frieden hatten? Ich glaube, es ist eine Frage, die einer Antwort wohl wert ist, es ist eine Frage, die auch für die Zukunft beantwortet werden muß, sür unsre Kinder und Enkel. Ich habe auch lange darüber nachgedacht und bin dann zu folgender Antwort gekommen: Wir wissen alle aus unsrer Jugeuch aus unserm heutigen Leben, aus unsrer Beobachtung: Aus der Welt sicht das Gute mit dem Bösen, das äst einmal von oben so eingerichtet, das Ja und das Nein, das Nein des Zweiflers gegen das Ja des Erfinders, will ich mal sagen zu Euch, das Nein des Pessimisten gegen das Ja des Optimisten, das Nein des Ungläubigen gegen das Ja des Glaubenhelden, das Ja des Himmels gegen das Ja der Hölle. Nun, ich glaube, Ihr werdet mir darin recht geben, wenn man diesen Krieg bezeichnet als hervorgegangen aus einer großen Verneinung und fragt Ihr, lvelche Verneinung es ist: es ist die V e r n e i n u n g der E x i st e n z b e r e ch t i g u n g des deutschen Volkes, es ist die Verneinung al'er unsrer Kul-