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und Grübeleien ergehen, die michvdarm nicht schlafen ließen.
So saßen wir auch, ich weiß es noch wie heute, am 5. Juni 184* beisammen. Die Nacht war schwül, es wetterleuchtet- in Südost'und die Sterne funkelten in ganz besonders Hellen Farben, so daß ich eben darüber zu simulieren und zu reden begann, warum wohl der eine gelb, der andere rot, der dritte blau leuchten möge. — als ich im Augenblicke. wo ich das „grün" aussprechen wollte, Gebhards Hand auf Lieinem Arm fühlte und er zu mir sagte:
neigten sich die frischen, lachenden Gesichter von
Gebhards Kindern, die aus den Betten gesprungen waren, um den Papa abfahren zu sehen. Er grüßte I'e mit der Hand und winkte ihnen ernst zurück und durch den grellen Ton der Maschine, die .zur Abfahrt- langgehalten pfiff, hörten wir die hellen Kindcrstimmen rufen: .Gute Nacht, Papa!'
Dampfend, funkensprühend und glühend kam
55* J>“0 m Bewegung und glitt eilend durch die stacht dahin.
Und dennoch: der siegreiche deutsche Geist. Ihn
mutz man doppelt totschlagen, meint der Feind-
gegen ihn muß der Endkampf mit dreifacher Wucht geführt werden. '
aber ist es, das diesen deutschen Geist nicht nur groß, sondern auch leicht verwundbar Das zu wissen ist heute wichtig genug, damtt die Mahnung dessen, der Deutschland errettet hat, auch zum Endsiege wirksam werde!
„Inspektor, dort vorm Wald über der Bahn steht ein garstiger grüner Stern."
, Nun hieß aber in damaliger Zeit, wo es noch kemc Läutstgnale gab. die jetzt wie mit der Kuhglocke vor allen Zügen herlaufen, und wo wir noch ckeine Blocksignale und keine Sprechapparate auf jeder halben Meile Bahn hatten und man sich mühsam zwischen den Hauptstationen mit klapperigen Zergertelegraphen und auf den Strecken mit sichtbaren Zeichen, von Bahnwärter zu Bahnwärter
gegeben, verständigte, ein grünes Licht über einem werßen:
„Sine Hilfsmaschine soll kommen."
Der Hilferuf schlügt auch jetzt noch dem abge- weiterten Eisenbahnmann in die Glieder, um wie viel mehr damals., wo alles neu und ungewohnt war und man nichts über das Warum? Wohin? Was geschehen? erfahren konnte, bis man an Ort und Stelle kam und ebensogut nur eine Maschine vorfinden konnte, der harmlos der Atem ausgegangen war, als einen Haufen Lokomotiv-
und Wagentrümmer — mit all ihrem Jammemu- behör. °
Gebhard und ich standen auf, drückten uns bie Hand und gingen jeder an das. was nun zu tun an uns war; zugleich hörten wir auch schon durch die Stille der Nacht eilende Schritte und Laufen und Zurufen, — der grüne Stern hatte alles rebellisch gemacht, und eine Viertelstunde nachher war unser Personal vollzählig auf dem Posten.
Mühsam mit dem primitiven Zeigertelegraphen nach der nächsten Station buchstabierte Anfrage ergab daß der hilfesuchende Zug zwischen dort und der nächstfolgenden, also ungefähr drei Meilen von uns, liegen müsse. Dahin konnte kein höherer Beamter von der Endstation vor nächstem Morgen kommen — wir mußten also an Ort und Stelle.
Ich erwog, daß jener Zug ein sogenannter gemischter mit Personen- und Güterbeförderung sein müsse, der auf einer Zwischenstation zu übernachten gehabt hätte, und ließ daher in den von uns arrangierten Hilfszug für etwa nötig- Umladungen ein halbes Dutzend offene und gedeckte Guterwagen einstellen und in letztere auch für den
werfe n^o «rüge Matratzen und Kissen
Die Station glühte vom Fackelschein, bei dem in firberischer Hast dröhnend, polternd und klirrend die Werkzeuge und Gegenstände zur Hilfeleistung: Schwellen. Schienen. Winden, Ketten geladen wurden. Durch den Qualm der Fackeln und der Maschine. die sich puffend und prustend mit ihren großen roten, unheimlichen Augen vor den Zug legte, huschten die bunten Lichter der Handsignallaternen hm und her. In den verschiedensten Beleuchtungen sah ich überall G-bha-ds graubärtiges Gesicht und langen Mantel unter den sich bückenden. neigenden und beugenden Gestalten auftauchen- seine scharfen Kommandos durchdrangen Maschin-n- zischen und Poltern und Klirren. Endlich war alles nach Kräften arrangiert, signalisiert und instruiert.
- btö 5 nte ?°bhards Stimme. Wie böse Geister huschten die dmiklen Gestalten unserer
wackeren Kerls auf die Msafsiiersitze der hohen Wagen und auf den Tender —^ein Dutzend sprang auch zu uns herein, di- wir auf einem offenen, jrere Umsicht gewährenden Güterwagen, unmittelbar hinter der Maschine, Posto gefaßt hatten. Im qualmigen roten Lichte der Fackeln, welche auf der Maschine und den letzten Wagen postierte Männer trugen schwamm der dunkle, düstere Zug und das Helle Statwnshaus. Aus einem Fenster desselben
Mir war's unheimlich zu Mute. Wußte ich doch a s erfahrener Eisenbahnmann, daß selten ein Un- glück allein bleibt. Zudem ist jede nicht fahrplan- , k‘0 e Fahrt eine Gefahr. Unruhig wechselten wrr jede Minute die Geschwindigkeit; sie verzögernd, wenn der Fernblick sich trübte oder nicht ganz Ge- heures sich aus dem Geleise zu zeigen schien — und Dann wieder frischen Dampf gebend in dem Gedanken, daß an jeder Minute des Späterkommens vielleicht Menschenleiden, vielleicht- Menschenleben hingen. Wir schwiegen alle; nur das Keuchen und metallische Dröhnen des rasch arbeitenden Apparates. zuweilen ein Pfiff mit langem Echo durchgellte die Stille der Nacht. Der späte Mond war aufgegangen. Es ward kühl; hier und da lag ein Nebelflreif über der Bahn, in den wir schnell eintauchten, um gleich wieder daraus hervorzubrechen. Hinter einem solchen, einem besonders dichten, oer- ueßen uns plötzlich die Signale, die uns bis dahin freundlich und tröstlich, uns erwartendes Wachsein verkündend, begleitet hatten. Die Lichter waren jenseits der Nebelschjcht nicht wahrgenommen worden. Um diese niederen Nebelschichten übersehen zu können, verließ uns Gebhard und erkletterte den nächsten hohen Wagen, auf dessen Schaffnersitz er sich streckte. Die langen Mondschatten, die glitzernden Mondreflexe erzeugten zahllose Täuschungen. Doppelte Vorsicht der Fahrt wurde nötig, und doch drängte uns, je länger sie währte, unser pochendes Herz immer stürmischer, die vielleicht heiß ersehnte Hilse zu bringen. Wir atmeten auf, wenn die Schienen weithin im Mondlicht wie blaue Linien glänzend hinausliefen und .freie Bahn"' ^c^^Eotivführer gestaltete, den Schlag der Maschine rascher nach dem Tempo unserer Pulse zu stimmen. Das Blut drang uns ungeduldig nach Herz und Kops, wenn er es nötig hielt, vor- sichtig spähend und lauschend um Felsenhänge oder durch Krümmungen und dunkle Einschnitte, fast lautlos, langsame zu rollen.
. Ost sah ich nach Gebhard hinauf; er lag in seinen Mantel gewickelt regungslos auf seinem .)ohen Sitze. Halte ich ihn nicht gekannt, ich würde geglaubt haben, er schliefe. Es mochte halb ein Uhr morgens sein, da hatten wir das wellige, waldige Mlltelgebirgsterrain hinter uns, und' vor uns tag, im hellen Mondlicht, freie, gerade, gefahrlose Bahn, fast bis zur nächsten Station.
(Schluß folgt.)
Der Geist, der unbesiegbar macht.
.Der Feind weiß, daß der Geist, der unseren Truppen und unserem Volke innewohnt, uns unbesiegbar macht.» Dieses Wort Higidenburg» ist der Leitgedanke seiner Kundgebung. Wenn er diesen Geist gufruft, wenn er Front und Heimat mahnt, sich gegen die Gefahren zu schützen, die der Feind mit dem Feldzug gegen den deutsche» Geist heraus- beschwürt. so weiß der Feldmarschall. daß er nur etwas aufrufen kann, was in Wahrheit vorhanden ist, wenn es auch zeitweise verdunkelt erscheint. Aber m Zrrten der Entscheidung, wenn die Ernte reifen soll, muß die Sonne solchen Geistes auch sichtbar und wirksam werden. Deshalb der Aufruf. .Wehre d-ch. deutsches Volk- gegen den Feldzug mit vergifteten Geisteswaffen. Es ist fürwahr alles von unseren Femden aufgeboteu worden: schwarze, braune und rote Völker der Erde, Uebermaterial von Eisen, Stahl und Feuer, Hungerblockade. Verleumdung und Lüge — es gibt nichts auf Erden und unter der Erde, nichts zwischen Himmel und Erde, was die Weisheit und die Tücke Englands und Amerikas zusammen mit ihren Trabanten gegen die Mittel. Mächte nicht aufgeboten hätten . . .
. Wir haben oftmals im Laufe des Krieges den einheitlichen politischen Willen in England und Frankreich und neuerdings auch in Amerika bewundert Mag er zum erheblichen Teil auf diktatorische Strenge' der Machthaber und nur zum geringen Teil auf auöenpolitische Erziehung zurückzuführen sein, er ist doch vorhanden und ist politisch wirksam. Deuisch, land ist zu lange uneins in sich gewesen, als daß ihm dies bei der ersten und gleich der schwersten Probe seiner Einheit nicht noch anhängen sollte. Nicht nur die einzelnen deutschen Stämme scheiden sich leichter in ihren Auffassungen als die französischen und englischen Stämme, auch die Rechthaberei und die gefftige Selbständigkeit des einzelnen deutschen Mannes, sein Individualismus im Gegensatz zum politisch-nationalen Herdensinn ist stärker ausgebildet. Das erzeugt die Vielseitigkeit und Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes, aber zugleich die Verwundbarkeit seiner geistigen Kraft, wenn sie als einheil- liche Größe austreten soll. Das erkennen heißt zu. gleich, sich gegen die darin liegende Gefahr wappnen. W>r müssen ganz einfach, wenn das Haus unserer Väter aus Feuerschlünden beworfen wird, die häuslichen Schwierigkeiten des Zusammenwohnens von Individualitäten übersehen, müssen unser Brudertum höher stellen als unsere geistigen Eigenheiten, müssen die Schärfe des Geistes, damit sie nicht schartig werde, dem gemeinsamen breiten Strom nationaler Selbsthcrrlichkeit zeitweilig opfern. Bei Massenwir- kungen kann nicht jeder seine besondere Auffassung von der idealsten Gestalt der Dinge zur Geltung bringen, er muß im Strome schwimmen, der Führerschaft vertrauen und den Weg unbekümmerter
Selbstbehauptung gehen. Das allein erzielt Wirkung I
Das ist allein wirkiam für außenpolitische und kriegerische Erfolge. Wir betrachten nur zu leicht alles, auch das große Weltgeschehen, immer mit mindestens einem innerpolitischen Auge. Das ist \ der Fehler unseres politischen-Geistes, das der Grund ' unserer kritischen Uncinigkrit, die schnell eititritt. wenn einmal nicht alles nach Wunsch geht. Dann rufen wir nach Klarheit, mit der innerpolitische Fragen erledigt werden mögen, oder weder außenpolitische noch militärische behandelt werden können. Der deutsche Geist, der da immer nach AufrichtP- ke!t und letzten Wahrheiten fragt, macht sich damit ' »efäh'lich verwundbar in der Weltpolitik. zumal im Kriege. Ein schlauer Feind braucht nur mit Gerüchten und Ge'chichten. mit Klatsch und Lüge, mit geschickter ' Aufbauschung und Ausbeutung von halben Tatsachen eben jene Schwächen des deutschen Wahrheitsuchers, des kritischen Skeptikers auszanutzen, um den Feldzug gegen den deutschen Geist zu führen. ;
Demgegenüber hat Hindenburg darauf verweisen können, daß bei uns allein die feindlichen Heeresberichte im. vollen Wortlaut veröffentlicht, daß un- serem Volk die Kriegsreden feindlicher Slaatsmänuer . wörtlich vorgesetzt werden — und die Feinde wissen j. das und nutzen diese Waffe weidlich aus, die unsere Objektivität und Wahrheitsliebe ihnen in. der Hand läßt. Gegen unsere Heeresberichte und unsere Staatsmännerreden wappnet sich der Feind mit der Zinsur, H er druckt sie nicht ab oder entstellt sie. Ec kann das auch viel leichter, weil man dort meist in Geo- ., graphie schwach ist. und weil das Volk sich alles vormachen läßt, was bei der guten Schulbildung des Durchschnittsdeulschen bei uns keineswegs möglich wäre. Dort fragt man nicht zuerst, ob etwas wahr, sondern ob etwas zugkräftig ist. und bei uns ! ist cs umgekehrt. Bei uns fragt man. ob die deutsche Veröffentlichung auch keinen Deut unwahr ist, wie jüngst erst eine deutsche Zeitung sich über die Ausdruckswcise beschwerte: der und der Ort läge .vor unseren Linien- — wir hätten sagen müssen, daß wir den Ort .geräumt-„haben. Ein Franzose würde über so etwas verständnislos den


