Ausgabe 
1.8.1918
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quer, wie cs ihr vorgeschrieben war, über das Zimmer ging, hinter dem Ofen aber, unter Stöhnen und Aechzen, niedersank und verschied.

Mehrere Jahre nachher, da der Marchese, durch Krieg und Mißwachs, in bedenkliche Vermögens­umstände geraten war, fand sich ein florentinischer Ritter bei ihm ein, der das Schloß, seiner schönen Lage wegen, von ihm kaufen wollte. Der Mar­chese, dem viel an dem Handel gelegen war, gab seiner Frau auf, den Fremden in dem oben er­wähnten, leerstehenden Zimmer, das sehr schön und prächtig eingerichtet war, unterzubringen. Aber wie betreten war das Ehepaar, als der Ritter mitten in der Nacht, verstört und bleich, za ihnen herunterkam, hoch und teuer versichernd, daß es in dem Zimmer spuke, indem etwas, das dem Blick unsichtbar gewesen, mit einem Geräusch, als ob es auf Stroh gelegen, im Zimmerwinkel aufgestanden, mit vernehmlichen Schritten, langsam und gebrechlich, guer über das Zimmer gegangen, und hinter dem Ofen, unter Stöhnen und Aechzen' niedergesunken sei.

Per Marchese, erschrocken, er wußte selbst nicht recht warum, lachte den Ritter mit erkünstelter Heiterkeit aus, und sagte, er wolle gleich aufstehen und die Nacht, zu seiner Beruhigung, mit ihm in dem Zimmer zubringen. Doch der Ritter bat um die Gefälligkeit, ihm zu erlauben, daß er. auf einem Lehnstuhl, in seinem Schlafzimmer über­nachte, und als der Morgen kam, ließ er an­spannen, empfahl sich und reiste ab.

Dieser Vorfall, der außerordentliches Aufsehen machte, schreckte, auf eine dem Marchese höchst unangenehme Weise, mehrere Käufer ab.- dergestalt daß, da sich unter seinem eigenen Hausgesinde,' befremdend und unbegreiflich, das Gerücht erhob, daß es in dem Zimmer, zur Mitternachtstunde' umgehe, er, um es mit einem entscheidenden Ver­fahren niederzuschlagen, beschloß, die Sache in der nächsten Nacht selbst zu untersuchen. Demnach ließ er, beim Einbruch der Dämmerung, sein Bett in dem besagten Zimmer aufschlagen, und erharrte ohne zu schlafen, die Mitternacht. Aber wie er­schüttert war er. als er in der Tat. mit dem Schlage der Geisterstunde, das unbegreifliche Ge­räusch wahrnahm; es war, als ob ein Mensch sich von Stroh, das unter ihm knisterte, erhob, quer über das Zimmer ging, und hinter dem Ofen, unter Geseufz und Gerüche!. niedersank. Die Mar­quise, am andern Morgen, da er herunterkam, fragte ihn, wie die Untersuchung abgelaufen: und da er sich, mit scheuen und ungewissen Blicken, um- sah, und, nachdem er die Tür verriegelt,' ver­sicherte, daß es mit dem Spuk seine Richtigkeit habe: so erschrak sie. wie sie in ihrem Leben nicht getan, und bat ihn, bevor er die Sache verlauten ließe, sie noch einmal, in ihrer Gesellschaft, einer kaltblütigen Prüfung zu unterwerfen. Sie hörten aber, samt einem treuen Bedienten, den sie mit- gegommen hatten, in der Tat, in der nächsten Nacht, dasselbe unbegreifliche, gespensterartige Ge­räusch ; und nur der dringende Wunsch, das Schloß, es koste, was es wolle, los zu werden, vermochte sie, das Entsetzen, das sie ergriff, in Gegenwart ihres Dieners zu unterdrücken, und dem Vorfall irgendeine gleichgültige und zufällige Ursache, die sich entdecken lassen müsse, unterzuschieben. Am

Abend des dritten Tages, da beide, um der Sache auf den Grund zu kommen, mit Herzklopfen wieder die Treppe zu dem Fremdenzimmer bestiegen, fand sich zusällig der Haushund, den man von der Kette losgelassen hatte, vor der Tür desselben ein- dergestalt, daß beide, ohne sich bestimmt zu er! klären, vielleicht in der unwillkürlichen Absicht, außer sich silbst noch etwas Drittes, Lebendiges! bei sich zu haben, den Hund mit sich in das Zim! mer nahmen. Das Ehepaar, zwei Lichter auf dem Tisch, die Marquise unausgezogen, der Marchese Degen und Pistolen, die er aus dem Schrank ge­nommen, neben sich, setzten sich, gegen elf Uhr jeder auf sein Bett; und während sie sich mit Gesprächen, so gut sie vermögen, zu unterhalten suchen, legt sich der Hund, Kopf und Beine zu- sammengekauert. in der Mitte des Zimmers nieder, und schläft ein. Drauf, in dem Augenblick der Mitter! nacht, läßt sich das entsetzliche Geräusch wieder hören;

jemand, den kein Mensch mit Augen sehen kann, hebt sich, auf Krücken, im Zimmerwinkel empor; man hört datz Stroh, das unter ihm rauscht; und mit dem ersten Schritt: tapp l tappl erwacht der Hund, hebt sich plötzlich, die Ohren spitzend, vom Boden empor, und knurrend und bellend, gerade als ob ein Mensch auf ihn eingeschritten käme, rückwärts gegen den Ofen weicht er aus. Bei diesem Anblick stürzt die Marquise, mit sträubenden Haaren, aus dem Zimmer; und während der Mar­chese, der den Degen ergriffen: Wer da? ruft, und, da ihm niemand antwortet, gleich einem Rasenden,' nach allen Richtungen die Luft durchhaut, läßt sie anspannen, entschlossen, augenblicklich nach der Stadt abzufahren. Aber ehe sie noch nach Zusammen­raffung einiger Sachen aus dem Tore herausge. rasselt, sieht sie schon das Schloß ringsum in Flam­men aufgehen. Der Marchese, von Entsetzen über­reizt, hatte eine Kerze genommen und dasselbe, überall mit Holz getäfelt wie es war. an allen vier Ecken, müde seines Lebens, angesteckt. Ver­gebens schickte sie Leute hinein, den Unglücklichen zu retten; er war auf die elendiglichste Weise be­reits umgekommen, und noch jetzt liegen, von den Landleuten zusammengetragen, seine weißen Ge­beine in dem Winkel de« Zimmers, von welchem

er das Bettelweib von Locarno hatte aufstehen heißen.

Volkslieder im Krieg

Liebe Kameraden!

Wenn in O.. einem kleinen Taunusdorfe, irgend ein Ereignis die Gemüter stark bewegte, so dauerte es keine 24 Stunden, dann fjatte der D. ein Ge­suchen darauf gemacht, dem er irgend eine Melodie unterlegte. Das Liedchen sang er einmal im Wirts­haus, und dann lernten es alle jungen Burschen und Mädchen, trugen's hin und her bis es durch ein anderes abgelöst wurde. Einen Teil dieser Lieder habe ich ausgeschrieben, von anderen aber sind mir nur noch Bruchstücke in der Erinnerung. Als ich kurz vor dem Kriege, nachdem ich drei Jahre nicht in O. gewesen und der D. wer weiß wohin gezogen war, wieder nach O kam und die mir fehlenden Lieder zusammensuchen wollte, da kam bei der ganzen Sucherei nicht viel heraus: Bruchstücke, sonst nichts.

Der Weltkrieg hat es mit sich gebracht, daß eine ganze Reihe von Liedern umgemodelt worden ist. daß neue entstanden sind usw. Nun dauert der Kueg schon vier Jahre, und wenn man jemand fragt, ob er noch weiß, welche Lieder im Jahre 14 ganz zu Anfang gesungen wvrden sind, so macht er meist ein verdutztes Gesicht. Bon den Liedern, -j die damals neu auskamen, sind in der Erinnerung auch meist nur Bruchstücke übriggeblieben. Das ist aber schade und ein Schimms und ein Spott für uns. Denn in den Liedern spricht sich deutlich aus, was wir gedacht haben, sie sind ein Spiegel unserer Stimmung und damit ein Stück Weltge­schichte, ein Stück des gewaltigsten aller Kriege. Als man nach dem Kriege Siebzig dran gehen und die Lieder sammeln wollte, die damals gesungen wurden, da ging es den Sammlern wie mir mit den Liederchen des D. in O. Es war nichts Rich­tiges mehr da. Weil man aber eingesehen hat, daß das diesesmal nicht so gehm darf, drum will man jetzt anfangen zu sammeln.

Für Nassau hat sich in Frankfurt a. M. ein Volksliedsammelausschuß zusammengetan. Nach dem Krieg wird er von Dorf zu Dorf alle Volkslieder, natürlich auch solche, die mit dem Krieg garnichts zu tun haben, sammeln. Jetzt aber sagt er sich, die notwendigste Arbeit muß zuerst getan werden; jetzt müssen wir Soldatenlieder sammeln. Wir müssen, wenigstens von unseren nassauischen Truppenteilen und von den Nassauern, die in anderen Truppenteilen drin steckten, wissen, was sie daheim und draußen gesungen haben. Wenn dabei von Nichtnassauern etwas einkommt, so ist es umso besser, denn man kann dann bei Nassauern wieder ansragen, ob sie das Lied auch kennen.

Ja, aber wer soll denn-nun die Lieder auf­schreiben? Kameraden, es hat jetzt jeder im deut­schen Land reichlich seine Arbeit. Wenigstens die, die schaffen wollen, die haben alle Hände voll zu tun. Da bleibt eben nur ein Weg, die bitten, die durch das Geschick dazu bestimmt sind, für eine Zert sich von aller ernsten Arbeit fern zu halten. Und das sind die, die im Lazarett sind oder in Genesungsheimen weilen. Ich habe selbst ein paar Monate als Kranker in einem Lazarett zugebracht und kenne die Langeweile, die einem da verfolgt, gerade gut genug. Ich weiß, wie froh man oft für eine Beschäftigung ist, von der man sagen kann, sie ist nicht nutzlos. Und soviel ist sicher: das Auf- s hreiben der Lieder, die in der Kaserne und nach­her im Felde gesungen worden sind oder noch werden, ist keine nutzlose Sache. Denkt nur einmal an ein Lied von Napoleons Rückzug 1812, eins, das-euch aus der Schule vielleicht bekannt geworden ist übrigms Hab' ich's in Schmitten im Taunus 1910 noch singen hören von einem alten Manne

Trommler ohne Trommelstöck,

Kürassier in Weiberröck,

Ritter ohne Schwert, . !

Reiter ohne Pferd.

Mit Mann und Roß und Wagen So hat sie Gott geschlagen.

Das macht doch den ganzen furchtbaren Rückzug lebendiger als die schönste Erzählung! 1

Vielleicht ist die Sache sogar leichter als man denkt! Es ist doch sicher hier und da einer, der sich in sein Notizbuch das eme oder andere Lied ausgeschrieben hat. Wer ein bißchen Spaß an der Singerei hat, der tut das doch. Dann wär's ja nur nötig, daß ihr das Notizbuch einschicktet, der VolksUedsammelausschuß könnte sich die Lieder abschreiben und gäbe dann neben dem Notizbuch auch noch irgend ein anderes lesenswertes Buch als Belohnung an öen Einsender zurück. Und die anderen Lieder brauchtet ihr auch nicht einmal ganz aufzuschreioen, sondern nur die Anfänge auf eine Postkarte zu schreiben, die Postkarte einzuschicken, und dann würde der Volksliedsammelausschuß in einem Brief euch um das eine oder andere Lied besonders bitten. Für eure Arbeit aber würde euch außer der selbstverständlichen Ersetzung der Auslagen auch noch aus Wunsch eine Vergütung werden; viel nicht, denn für die Singerei ist eben nicht viel Geld da.

Und an wen sendet ihr euere Auszeichnungen ein? An die Lazarett-Zeitung, Frankfurt a. M., Theaterplatz 14, das ist das beste.' Die übermittelt dann euere Einsendungen an den Volksliedsammel­ausschuß und bestätigt jedesmal in einer ihrer Nummern den Empfang euerer Sendungen. Notiz­bücher werden am besten eingeschrieben geschickt.

Und nun auf zur Arbeit! O. St.

Nrt'auösftagen

Welche Bezüge habe ich während

des Urlaubs?

Kranke und verwundete Unterosfiziere und Mannschaften in den Lazaretten dürfen von den Chefärzten beurlaubt werden. Dieser Urlaub wird regelmäßig nur in besonders begründeten Fällen erteilt, z. B. während der kirchlichen Festzeiten, zur Beseitigung häuslicher und privater Notstände. Er­holungsurlaub. Den in solchen Fällen beurlaubten Unteroffizieren und Mannschaften steht Löhnung und Beköstigungsgeld während des Urlaubs zu. Das gleiche gilt bei Urlaub zur Wiederherstellung der Gesundheit, sowie zur Arbeitsaufnahme im eigenen Betrieb oder im Betrieb von Eltern und Geschwistern, falls Löhnung nicht ohne Not entbehrt werden kann. Bei Urlaub zur besoldeten Tätigkeit in fremden Be- trieben wird Löhnung und Beköstigungsgeld nur bis Ende des Monatsdritlels gewährt, während dessen der Urlaub angetreten ist. Bei häufig wieder­kehrenden Beurlaubungen, z. B. bei Sonntagsbeur- laubungen. wird nur Löhnung, aber nicht Bekösti. gungsgeld gewährt.

Die Höhe des Beküstigungsgeldes beträgt in all diesen Fällen jetzt 2 Mk.

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