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STopf und beschloß, ihn auf jeden Fall in eigner Person zu besuchen. Zu diesem Zweck kam er nach Perugia, wo damals der genannte Bruder Egidius sich aufhielt. Wie ein armer Pilger, unerkannt und mit nur wenigen Begleitern, begab er sich an die Pforte des Klosters und fragte sehr dringend nach dem Bruder Egidius, wobei er dem Torhüter nichts davon verriet wer er sei. Dieser ging also und sagte dem Bruder Egidius, daß da ein Pilger vor dem Tor stünde, der nach ihm verlange. Von Gott aber wurde diesem eingegeben und enthüllt, daß es der König von Frankreich war, weshalb er eilig und.in großer Aufregung seine Zelle verließ und zur Pforte lief. Und ohne irgend etwas voneinander zu wissen oder sich zuvor jemals ge- sehn zu haben, knieten beide in gegenseitiger Ehrfurcht nieder, umarmten sich und küßten sich mit solcher Herzlichkeit, als ob sie schon lange die besten Freunde gewesen wären; aber während alldem sprach weder der eine noch der andere ein Wort; sondern sie lagen sich so mit allen Zeichen zärtlicher Liebe schweigend in den Armen. Nach geraumer Zeit, während derer sie in der Weise verblieben waren, ohne ein Wort zu wechseln, schieden sie voneinander; der heilige Ludwig setzte seine Fahrt
fort, und Bruder Egidius kehrte in seine Zelle zurück.
Als der König fortging, fragte ein Bruder einen seiner Begleiter, wer das gewesen sei, der sich so lange mit dem Bruder Egidius umschlungen gehalten habe; und er antwortete, es sei Ludwig, König von Frankreich gewesen, der gekommen, den Bruder Egidius zu sehen. Als er das den anderen Brüdern erzählte, ging es ihnen sehr nah, daß Bruder Egidius dem König kein Wort zu sagen gewußt hätte; und in ihrem Bedauern sprachen sie zu ihm: „Warum warst du so tölpelhaft, einem so heiligen König, der von Frankreich daher kommt, um dich zu sehn und ein gutes Wort von dir zu hören, rein nichts zusagend' Da antwortete ihnen der Bruder Egidius: .Liebste Brüder, wundert euch nicht darüber. Weder ich vermochte zu ihm etwas zu sagen, noch er zu mir; denn sobald wir uns umarmt hatten, da enthüllte das Licht der göttlichen Weisheit mir sein Innerstes und ihm das meine. Und da wir uns so einander ins Herz sehen konnten, erkannten wir daS, was wir uns gegenseitig sagen wollten, weit besser als wenn wir es ausgesprochen hätten; und wir fanden eine größere Befriedigung darin, als wenn wir die Gefühle unseres Herzens mit Worten hätten aus- drücken sollen. Ja, die Unvollkommenheit der menschlichen Sprache, die ungeeignet ist. die tiefen Geheimnisse Gottes klar in Worte zu fassen, würde uns eher mit Verwirrung als mit ruhigem Trost erfüllt haben. Wisset also, daß der König wunderbar zusrieden und in seiner Seele getröstet von mir schied".
Die Zufuhr hört auf; an Rohstoffen steht uns nur noch zur Verfügung, was der deutsche Boden bringt, was das deutsche Schwert erobert, was deutscher Kopf und Wille ersinnt. Es entsteht die Ausgabe, aus eigner Produktion zu wirtschaften, mit beschränkten Mitteln Bedürfnisse zu decken. Diese müssen eine Schichtung erfahren; die Bedürfnisse für das Heer und was damit zusammenhängt, stehen voran, alles andere sind nur Existenzbedürfnisse, die mehr und mehr aus ein Minimum gebracht werden müssen.
Dieser Krieg ist von vorläufig noch unabsehbarer Dauer; damit rückt die Mengenfrage — Produktion und Konsum — erneut in den Vordergrund und wird komplizierter. Also: die Mengen im abgeschlossenen Deutschland müssen reichen für einen Krieg von unabsehbarer Dauer!
Was ist daraus abzuleiten? Der Staat muß eingreifen und der Eingriff muß sich erstrecken auf die Regelung der Produktion und des Warenumlaufes.
Die deutsche Kriegswirtschaft.
Dem nachfolgenden Aussah liegt ein ausführlicher Bortrag zu Grunde, den Oberstleutnant Dr.-Z»a. h c
th, Chef der tiriegsrohstoffabteilung. im'Bund-
Deutscher Gelehrter und Künstler zu Berlin ge- hat. Die Echristlettung
Es gibt eine besondere deutsche Kriegswirtschaft die bedingt ist durch die Eigenart dieses Krieges!
Welchen Krieg führt Deutschland? Unsere Gegner zielen ab auf die weltpolitische und weltwirtschaftliche Vernichtung Deutschlands; sie führen den Vernichtungskrieg. wir führen den Existenzkampf, den .Krieg höchsten Grades von Wichtigkeit und Energie' (Clausewitz). Im Aufwand der Mittel mutz man hier bis zum äutzersten gehen; also restloses und rücksichtsloses Erfassen der gesamten geistigen und materiellen Kraft des ganzen Volkes und
Lande«, einheitliches Einstellen der gesamten Wirtschaft auf den Krieg.
Kriegswirtschaft ist die Wirtschaft, die uns den Krieg zum guten Ende bringen lätzt, ist ein Hilfsmittel der Kriegsfahrung. Dieses völlige Einstelle» einer Volkswirtschaft auf den Zweck des Krieges ist etwas ganz Neues. Unser Existenzkampf mutz von dem plötzlich aus der Weltwirtschaft herausgerissenen
von dem abgeschlossenen Deutschland geführt werden!
Die Kriegswirtschaft muhte sich schon deshalb, weil nichts vorbereitet war, aus der Friedenswirtschaft entwickeln. Diese, ein Glied der Weltwirtschaft, zeigt im wesentlichen die privatwirtschaftliche Form der Derkehrswirtschaft. An der Spitze kein leitender Wille, der Produktion und Umlauf regeln würde. Gewiß übt der Staat auch im Frieden einen gewissen Einfluß auf die Wirtschaft aus. Seine Macht ist der Idee nach unbegrenzt; in Wirklichkeit aber sind ihm enge Grenzen gezogen. Hier war eine Aenderung nötig: der Staat übernimmt die Führung der Wirtschaft. Außerdem muß die Leitung der wirtschaftlichen Fragen — abgesehen von dem Ernährungswesen — an den Kriegsminister übergehen. Die Bundesstaaten nahmen die vom preußischen Keiegsministerium zentralisiert geführte Wirtschaft ohne Bedenken an. Die staatlichen Eingriffe folgten Schlag auf Schlag. Das deutsche Volk, bisher in freier Wirtschaft sich bewegend, erträgt sie willig bis zur Stunde. So
hat die Kriegswirtschaft einen leitenden Willen bekommen.
Ein starkes, freies Unternehmertum führt die Wirtschaft in Deutschland, dem wir den ungeahnten Aufschwung unserer Wirtschaft verdanken. Es bringt Initiative, Energie, stark ausgeprägten Sinn für das Technische, überragende Persönlichkeiten mit; damit können wir die Aufgaben des Krieges lösen. Sie sind gewaltig. Erfindungen müssen gemacht werden; der Geist muß sinnen, wo und wie er spart. Das weite Gebiet der Ersatzstoffe muß schnell und entschlossen durchforscht werden. Unter den schwierigen Verhältnissen des Krieges müssen die Betriebe nicht nur erhalten, sondern es müssen aus ihnen Höchstleistungen herausgepreßt werden. Das ist nur möglich, wenn ,der Leiter, der eins mit seinem Werke ist. an der Spitze, in seiner Wescnseigenschaft unberührt und arbeitssreudig erhalten bleibt, also auch nicht berührt wird in der Gewinnmöglichkeit.
Gewisse- Fesseln müssen dem Unternehmer aber doch angelegt werden; die Produktion ist zu regeln. Rohstoffe und Aufträge sind zu verteilen. Das Privateigentum an den Produktionsmitteln bleibt unangetastet; eingegriffen wird in die Dispositionen über die Produktionsfaktoren. Rohstoffe, Maschinen werden staatlich zugewiesen. Nicht die Kapitalkraft, einzukaufen, entscheidet, sondern die Möglichkeit, technisch die Rohstoffe richtig zu verwerten. Di? Richtung der Produktion wird vorgeschrieben, die Herstellung bestimmter Waren unter Umständen er- zwungen; wo nötig, werden ganze Betriebe stillgelegt.
Die Produktion schiebt ihren technischen Charakter mehr und mehr in den Vordergrund, während der wirtschaftliche an Bedeutung verliert. Ueber- wiegend wird nur für Kriegsbedarf produziert. Das Wenige, was nicht unmittelbar zum Kriege gehört, steht doch immerhin in starker mittelbarer Beziehung zu ihm; damit verschwindet der Begriff .freier Markt'. In der Friedenswirtschaft herrschte unbeschränkter Mengenzufluß. freier Mengenabfluß. Der Zufluß ist durch die Absperrung Deutschlands aufgehoben; damit hört der freie Abfluß ganz von selbst auf. Der Handel, der Organisator der Vermittlung der Güter, wird durch die Verhältnisse, nicht durch irgendeinen staatlichen Eingriff des
Wesens seiner Tätigkeit cheraubt und schwer getroffen. Man kann ihn nur noch zum Erfassen von Beständen verwenden, in beschränktem Maße auch für die Aufgabe der Verteilung der Waren,- selbständiges .Handeln' bat er verloren, und so wird der Mengenaustaufch zentralisiert. An die Stelle des freien Handels treten die Organisationen, die man im allgemeinen mit .Kciegsgesellschaften' bezeichnet.
Noch ein Schlag droht dem Handel, dem Preis- bildncr des Friedens. Wo Mengenausgleich nötig, hört freie Preisbildung auf. Die Preise müssen geregelt werden.
Das sind die wesentlichen Aenderungen, die die Friedenswirtschaft erfahren mußte; die Kriegswirtschaft ist demnach eine einheitlich aufdenZweck der Kriegführung eingestellte, in Produktion und Konsum vielfach staatlich geregelte, im Wesen aber
privatwirtschästlich verbliebene Form der VerkehrS- wirtschaft.
Diese Entwicklung der Friedenswirtschaft zur Kriegswirtschaft vollzog sich allmählich. Denn die Erkenntnis der Eigenart dieser Krieges — daß er ein Existenzkampf von unabsehbarer Dauer war — badete sich selbst erst im Kriege heraus. Sie zeigte sich in der Frage der Lebensmittel am deutlichsten. Da hatte man zuerst gar keine Sorge, daß die Mengenfrage jemals kritisch werden könnte; die Preise stiegen aber doch bald infolge der hohen Seefrachten. Man wendete sich also zunächst der Preisfrage zu; dann erst kam die Erkenntnis, daß die ganze Ernährungsfrage schwierig wurde. Nun schritt man zur Beschlagnahme, zur Verteilung, noch später zur Beeinflussung der Produktion.
Auch spricht man zunächst nur von Kriegsrohstoffen und versteht darunter lediglich solche, die für d e unmittelbare Kriegführung in Betracht kommen und die aus dem Auslande eingeführt werden. Daher werden zunächst auch nur die Metalle und gewisse Chemikalien in Bewirtschaftung genommen. Baumwolle z. B. wird erst angesaßt, als Italien m dem Krieg eintritt; Eisen, Kohle, Holz, Zement — Massenstoffe, an denen wir nie irgendwie Mangel leiden zu können glaubten — werden erst Ende 1916 in Bewirtschaftung genommen.
Keine Vorbereitungen waren vorhanden; alles war Improvisation. Daraus ergibt sich, daß alle Kriegsorganisationen, seien sie rein behördlichen Charakters oder Kciegsgesellschaften, von einander sehr verschieden sind. Sie weisen formal und innerlich ' llarke Eigenbetonungen auf, je nach den Zeitverhältnissen, unter denen sie entstehen, je nach den Persönlichkeiten, die sie leiten, je nach der Industrie ob diese Industrie schon Organisationen hatte oder nicht —, je nach der Psyche der Industrie.
Wir haben keine Wirtschaftsprobleme zu lösen, wir haben nur Kriegsbedarf zu decken. Das Führen der Kriegswirtschaft ist mit dem Operieren im Felde zu vergleichen; man hat den großen allgemeinen Plan, das Ziel, man überlegt sich die Wege, aber von Stunde zu Stunde ändert sich da8 B:ld. Wir sind abhängig von der Lage draußen und drinnen; wir haben auf die und die Versuche unsere Hoffnungen gebaut — sie versagen —, plötzlich kommt Hilfe aus irgend einer anderen Richtung. Alles erfordert raschen Entschluß, kein Festhalten an einmal gefaßten Plänen, ein Handeln nach dem soldatischen Grundsatz: Fehlgreifen in der Wahl der Mittel belastet weniger, als Unterl«ssung.
Wir kämpfen in der Kriegswirtschaft gegen eine >' Schlachtlmie mit zwei Flügeln: das Mengenproblem und das Preisproblem. Beide Flügel können wir - > nicht ergreifen; wir haben dazu keine Zeit der Vorbereitung und nicht genug Menschen zur Verfügung. Der für uns wichtigere Flügel ist der '
Mengenflügel.
Die Träger der Kriegswirtschaft sind dreierlei Art: In der Behörde verkörpert sich der leitende Wille; sie setzt sich aus Fachleuten zusammen. Beratend neben ihr steht ein Beirat; bei jeder Fachgruppe der Behörde ein solcher aus der betreffenden Industrie;. Er wird erweitert, wenn sich seine Auf- - gaben erweitern, durch Hinzunahme von Konsumenten und Arbeitern. Die Ausführung der Entscheidungen. die von der Behörde nach Anhören des Beirates getroffen werden, obliegt den Kriegs-


