im schnellen Entschluß. Wie beim Schlagen so wird auch beim Rückzug ganze Arbeit gemacht. Bis nach Czenstochau zurück geht sein Schachzug, — hinter sich läßt er zerstörte Wege und aufgerissene Bahnen. Langsam, wuchtig, schwerfällig wälzt sich die russische Dampfwalze hinterher, auf Krakau und Breslau ist das Streben der russischen Millionenmasse gerichtet. * -
Währenddessen rollen Zug um Zug der Hin- denburgschen Truppen bereits um Polen herum nach der Gegend von Thorn. Glänzendes leisteten unsere Bahnen in der Bewältigung dieser Transporte! Der Russe ahnt noch nichts Böses, da erscheinen diese Truppen schon in seiner rechten Flanke. Wiederum fällt diesem scharfen Seitenbieb ein Teil des Russenheeres zum Opser. Fast 140 000 Gefangene wurden eingebracht. Die Lage in der Gegend von Lodz wird gänzlich zu unseren Gunsten entschieden, als neue deutsche tfrafte vom Westen her am letzten Dezember eingreisen und Lodz fällt. Die russische Dampfwalze wird unter weiteren Schäden nach Warschau zurückgedrängt. Hiermit ist die große russische tzffensioe zunächst gescheitert, die Lage im Osten für das Jahr 1914 zu unseren Gunsten gestaltet.
Dock schon wurde die Lage in Ostpreußen wieder kritisch. Die 10. russische Armee unter dem General Siecvers bedrohte zu Beginn des Jahres 1915 offensiv die Linie Lötzen—Darkehmen: ein
neuer Einfall in Ostpreußen stand im Februar 1915 bevor. — Und wieder reifte ein unerhört kühner Plan. Am 8. Februar ging der nördliche Teil unserer Angriffskräfte von Tilsit auf Eydt- kühnen und Wilkowyszki, der südliche über Jo- hanniSburg und Wrobeln auf Lyck vor. Dieser Bewegung schloß sich das Korps Below über Lötzen auf Lyck an. Zwischen Johannisburg und Pill- kallen werden die Russen gefaßt, geschlagen, in wildem Durcheinander ostwärts gedrängt, hinein in die Wälder von Suwalki und Augustowo. Dort schloß sich der Vernichtungsring Hindenburgs durch völlige Umfassung. Ein Kommandierender General, fünf Divisionskommandeure, über 100 000 Mann wurden gefangen, unzählbare Geschütz- und Materialbeute fielen in unsere Hände. Die 10. russische Armee war vernichtet, aber auch die letzte große Umfassungsschlacht im Osten war geschlagen.
Dies hatte der russischen Dampfwalze so zuge- etzt, daß sie einer gründlichen Instandsetzung bedurfte. War sie bis dahin trotz vieler Beulen und äußeren Beschädigungen noch intcckt geblieben, so lockerten sich jetzt ihre Nieten und ,hr innerer Organismus. Aus schlechterem Material — unfertig ausgebildeten Rekruten und Reichswehr — mußten Lrsatzteile eingefügt werden. Mit dieser nach außen hin zwar wieder wie neu aussehenden, aber ln Wirklichkeit nicht mehr betriebssicheren Maschine wollte Nikolai die Entscheidung noch einmal erzwingen ; er suchte sie folgerichtig nicht mehr dort, vo er seinen Meister gefunden, ec wandte sich zum zalizischen Kriegsschauplatz; denn dort sahen sich )ie österreichisch-ungarischen Truppen in eine weniger zünftig aussehende Lage gedrängt. Przemysl, das Bollwerk im Herzen Galiziens, war von den Russen wiederum eingeschlossen worden und fiel am 22. Dlatj 1915 nach heldenhafter Verteidigung. Starke russische Kräfte wurden dadurch frei und konnten aun vom Feinde mit in die Front geworfen verden. Das Ziel Budapest stand dem russischen .eldherrn vor Augen. Verhindert mußte das Vordringen der Russen nach Ungarn hinein um eden Preis werden. Hierzu wurde die Stelle gewühlt, an der die russische Front am verwund- larsten, die strategische Folge der Verwundung die zrößte sein mußte. Diese Stelle war da, wo im Vestteil Galiziens die russische Front umbog zur Flankenstellung in den Karpathen. Am 2. Mai jcgann die Vorbereitung Mackensens zu diesem Durchbruch mit einer damals noch nicht gekannten Heftigkeit der Beschießung. Wenige Stunden nur lielt sie an, dann solgte der Sturm, der die ussischen Stockwerk-Stellungen bei Gorlice in 'wem großen Anlauf durchbrach. Auch bei Tarnow iel am 6. Mai das russische Stellungssystem in einer ganzen Tiefe; unaufhaltsam drückten seitdem »ie siegreichen beiden Armeen den Feind ostwärts.
Ganz ähnlich . wie im Herbst 1917 an der italienischen Front in den Dolomiten wirkte damals dieser Siegeszug in Galizien auf die feindliche Karpathenfront. Sie begann zu bröckeln und abzubauen, überall gefolgt von den über die Paßhöhen nachstoßenden Verfolgern. — Das westliche Galizien war vom Feinde endgültig befreit, als der Sanübergang nach der Erstürmung Jaroslaus in größerer Breite gesichert war, als Przemysl am 3. Juni wieder in unsere Hände fiel. Damit war die Befreiung Galiziens in ihrer Hauptsache vollbracht. Die russischen Gesamtoerluste sind seit Maibeginn bis zum Falle Lembergs aus etwa 600 000 Mann zu veranschlagen.
Der Hochsommer des Jahres 1915 sollte das Schicksal Polens erfüllen. Während die Aufmerksamkeit des aus Galizien nach Polen zurückweichenden Großfürsten Nikolai aus die westlich des Bug nach Norden nachfolgenden deutsch-österreichischen Armeesäulen gerichtet war, ballte sich im Norden Polens ein gewaltiger Vorstoß zusammen. Während die Hauptmasse dieser Angriffstruppen unter Gall- witz und Scholz ostwärts vorstieß, die Bahnverbindung Warschau—Petersburg im Rücken der russischen Front unterbrach, zweigten Teile des rechten Flügels bereits nach Südwesten zur Einschließung der später fallenden Festung Nowo-Georgiewsk ab. Zu gleicher Zeit geriet auch unsere westpolnische Front in stürmische Vorwärtsbewegung. Die in der Mitte dieser Front befindliche Armee Woyrsch erzwang sich am 30. Juli bei Tamassow den Ueber- gang über die Weichsel. Die Armee Koeoeß drang kämpfend auf Jwangorod vor, das am 4. August fiel, während Prinz Leopold - von Bayern am 5. August Warschau nach Erstürmung der Südbefestigungen einnahm. — Die Einnahme Warschaus, der Hauptstadt und des Mittelpunktes des politischen, geistigen und wirtschaftlichen Lebens von Polen, war ein gewaltiger Schlag für Rußland und die Entente.
Doch ohne Aufenthalt ging der Siegeszug über die Weichsel ostwärts weiter in der Richtung auf den Bug. Eine gewaltige Zange drohte den Großfürsten Nikolai von Nordwest und Südost her einzuzwingen. Die Bedrohung von Südosten gegen Brest-Litowsk zu wurde gegen Ende August eme immer stärkere, die Umklammerung der Russen eine immer größere. Um dieser zu entgehen, gab der Russe die Festung Brest Litowsk und damit die Buglinie preis. Am 26. August 1915 rückten wir, Nachhutwiderstand schnell brechend, in die nach bekanntem russischen Muster zerstörte Festung ein. — Weiter drängten die Verfolger nach, selbst die Urwälder bei Bialystok und die Pripetsümpfe wurden kämpfend durchschritten. Im Süden, in Galizien wurde von der Slota-Lipa bis zum Sereth das Land befreit. Böhm-Ermolli drang sogar auf russischen Boden vor, nachdem Brody wieder genommen war. Noch weiter nördlich wurde das Gebiet bis in die Gegend von Baranowitschi erobert, am 3. September fiel auf diesem Siegeszuge die starke Festung Grodno in unsere Hände. Die im engsten Zusammenhang hiermit arbeitende Armee Eichhorn, die Ende August Rowno genommen hatte, erkämpfte gegen Ende September Wilna; damit fiel die Hauptstadt Litauens in unsere Hand. Getrennt hiervon arbeitete in der Küstengegend der Ostsee die Armee Below gegen Kurland und Livland, drang siegreich vor bis an die Düna und legte sich drohend vor Riga und Dünaburg.
So war gegen die Neige des Jahres 1915 Ungeheueres geleistet und erreicht worden. Der Feind war von den Reichsgrenzen weit abgedrängt, seine Kraft war erheblich geschwächt. Die Gefangenenzahl stieg ins Ungemessene. — Die russische Dampfwalze war in ihrer zermalmenden Wirkung ausgeschaltet, sie hatte sich jetzt auf eigenem, von der Herbstwitterung schon aufgeweichlem Boden festgesahren. Dort lag sie, an sich unbeweglich, aber noch nicht zertrümmert, fest. — Damit begann der lange Stellungskrieg. Wir halten eine fast gerade von Norden nach Süden verlaufende Linie geschaffen, ein Gebiet, säst so groß wie halb Deutschland, erorbert und Kräfte ausgespart, die anderwärts gut verwendet werden konnten. Die Russen versuchten im November vergebt,ch, durch
verzweifelte Durchbruchsoersuche an der Stryp« und am Styr eine Aenderung ihrer Lage herbeizuführen, blutig brachen ihre Angriffe zusammen, dann brach der Winter über die Ostfront herein. Am 18. Mai 1916 setzte dann die große russische Offensive unter Brussilow in Galizien und Wolhynien ein. Wenn auch Gelände in Richtung auf den Stochod und sogar über Brody hinaus verloren ging, das strategische Ziel, Lemberg und Kowel, wurde vom Feinde nicht erreicht. Gegen Ende August blieb die Offensive Brussilows stecken, sie konnte lediglich den Gewinn der Bukowina buchen. Dann flauten die Kämpfe im September allmählich ab. Auf etwa anderthalb Millionen Tote, Verwundete und Vermißte wurden die russischen Verluste dieser Sommeroffensive geschätzt.
Die russische Revolution brach im Februar 1917 aus. Englands und Frankreichs Söldlinge, Kerenski, Brussilow und Kornilow, rissen das Land weiter in den Abgrund. Noch einmal wurde die russische alte Dampfwalze angeheizt; um sie in Bewegung zu bringen, mußte ein gefährlicher Ueberdruck erzeugt werden. Dieser Ueberdruck äußerte sich im zähen Massenansturm der russischen Truppen bei Brzezany und weiter südlich bei Stanislau. Noch einmal hob sich in weiter Ferne den russischen Führern das militärpolitische KriegS- ziel Lemberg ab, um im Blutdunst der vergebens geopferten Massen zu verschwinden; unter unsäglichen Opfern war zwar ein beträchtlicher Geländegewinn erkämpft worden, der Durchbruch blieb dem Feinde versagt. Dann aber zerplatzte, durch unfern Gegenprall, der zum Durchbruch vonZlozcow führte, der überheizte Kessel der russischen Dampfwalze, sie riß in Stücke. Der Ostteil Galiziens und die Bukowina wurden im neuen Siegeszuge erneut befreit, erschöpft und kriegsmüde sammelten sich die Reste der Russen in ihren Grenzstellungen von 1914. Und mit schnellen Schlägen ward das Zerstörungswerk an den Trümmern der Walze vollendet, galt es doch noch, einige große Stücke zum Brucheisen zu zerschlagen. Wie dies gelang, ist noch frisch in unserem Gedächtnis durch die Einnahme Rigas, durch den Fall des Brückenkopfes Jakobstadt, und durch die Eroberung der Inseln Oesel, Dagö und Moon. Da ging dem russischen Volke das Licht der Erkenntnis auf.
Der Zivilversorgungs- und Anüeü'ungsschein.
Der Zioilversorgungsschein wird nur den „Kapitulanten", d. h. denjenigen Militärpersonen erteilt, die nach Ableistung ihrer gesetzlichen Dienstpflicht weiter im aktiven Dienst verblieben sind, wenn ihre Dienstzeit 12 Jahre betragen hat oder bei kürzerer als zwölfjähriger Dienstzeit, wenn sie wegen körperlicher Gebrechen nicht mehr dienstverwendungsfähig sind und deshalb entlassen werden.
Der schon in Friedenszeilen große Andrang au Beamtenstellen wird sich infolge des Krieges nattzf- gemäß noch erhöhen. Die mittleren Beamten- und Unterbeamtenstellen bei den öffentlichen Behörden können nicht ausschließlich gedienten Mllitärpersonen Vorbehalten bleiben. Die Militäranwärter, d. h. Inhaber des Zioilversorgungsscheins, müssen sich mit geschulten Beamten, d. h. mit solchen, welche die Beamtenlausbahn von vornherein zu ihrem Berus machten, in die vorhandenen Freistellen teilen. Allgemeine Voraussetzung ist außerdem, daß sie zum Beamten würdig und brauchbar erscheinen .
Ein Ansiellungsschein für den Unterbeamtendienst kann „Nichtkapitulanten" verliehen werden, wenn sie eine Militärrente erhalten und würdig und brauchbar zum Beamten erscheinen. Ein Anspruch auf diesen Schein besteht (im Gegensatz zum Zioilversorgungsschein) also nicht. Voraussetzung ist ferner, daß der frühere oder ein ähnlicher Beruf trotz dargetanen guten Willens auch nicht in beschränktem Maße wieder ausgenommen werden kann.
Der Anstellungsschein gewährt noch keinen Anspruch auf Anstellung und ist nicht zu verwechseln


