Ausgabe 
15.3.1918
Seite
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bewußt wurden. D:eses Bewußtwerden hatte einen gewaltigen Tatendrang in sich. Unendlich hob es unfern Blick und hinterließ für manchen ein reifes Erkennen.

Deutscher Wille und deutsche Kraft zwangen den Russen Galizien zu räumen. Mit Jubel be­grüßten wir die erste russische Stadt Tomaszow; wo sich wieder einmal die Gelegenheit zu einem längeren Aufenthalt bot. > ^

Bei unserer Ankunft in Tomaszow fielen uns Zwei blumengeschmückte Reitergräber neben unserm Parkplatz aus. Nachdem wir unsere Pferde versorgt hatten, ging ich mit einem Kameraden zu den Gräbern.

Auf ihnen standen zwei einfache Holzkreuze. Auf das eine hatte man eine Mütze, auf das an­dere einen Helm gesetzt. Rings um dre Gräber waren blühende Blumen in allen Farben gepsianzt. Ueber das Ganze breitete ein mächtiger Baum schützend seine Zweige aus.

Ein vorübergehendes Judenmädchen erzählte uns beiden näheres. Die Russen waren aus To­maszow gezogen, als zwer deutsche Reiter durch das kleine Städtchen ritten. Doch sie sollten

nicht weit kommen, bei den letzten Häusern erreichten sie die Kugeln einer russischen Patrouille, die in einem Hinterhalte lag; nun ruhen sie hier. Erst vor kurzem kamen einige Regimentskameraden, die irgendwohin zurück wußten, hier vorbei. Im Bor­übergehen haben sie auf die Gräber diese blühenden Blumen gepflanzt und neue Kreuze gesteckt.

Es war eine linde Sommernacht, als wir vor

den Gräbern standen. Ein wenig leuchtete noch

das Abendrot. Auf dem Parkplatze lohte schon

em Biwakfeuer auf, um das sich etliche sammelten, ein Lied zu singen.

Im Feld des Morgens früh,

Eh' noch die Nebel sanken.

Die Halme fallen und Wanken;

Es denkt die junge Mäherin An ihren Schah mit treuem Sinn.

-^ui Feld des Morgens früh.

Im Feld des Morgens früh,

Eh noch die Nebel sanken.

Die Streiter fallen und Wanken;

Es kämpft ein jung Husarenblut Auf schwarzem Roß mit keckem Mut,

Im Feld des Morgens früh.

Im Feld des Morgens früh,'

Der Mähdrin wird so bange,

' Ihr wird so bleich die Wange: V

Gin junger Reiter sinkt vom Roß, '

D>e Kugel ihm die Brust durchschoß Im Felü des Morgens früh.

Wir beide blieben lange an dem Baume stehen-

Mein Kamerad brach das Schweigen: .Armes junges Leben".

.Denke der Ereignisse in Galizien', fiel ich ihm rnS Wort, .an all das Große, was unsere Truppen geleistet haben. Dich, wie mich mag es treffen. Morgen oder später, wir wissen es nicht.

Diese hier, wie unsere andern toten Kameraden konnten im Glauben an den Sieg unserer gerechten Sache sterben, und wir. die wir deren unter der Erde gedenken, tun dies nicht in trostloser Trauer denn unsere Seele beugt sich v.r ihrem Heldentum! vor ihrem Opfer, das sie dem Bestehen der deut­schen Sache und der Zukunft unseres Vaterlandes gebracht haben. Da8 bleibt uns immer ein Trost an unfern Heldengräbern. Sind diese Blumen, mit denen ihre Kameraden die Gräber schmücken! und dieser mächtige Baum nicht ein Symbol dafür?"

n.

Worarva, du schufst dir ein wundersam' Bett.

Bagradan, Stadt an der Morawa, auf dich .chauen die steilen Berge, die ihren Lauf einzäumen!

Wir ritten zu zweien dem Laufe des Flusses

hohen, kahlen Berge gaben dem Land- schastsbild ein düsteres Gepräge. Unter uns, zur Rechten der Straße, flössen gurgelnd die grauen Wasser machtvoll dahin. Niedrig hängende graue Wolken zogen vorbei. In der Luft lag ein Sterben und Klagen, daL uns an den Herbst mahnte. Herbst in einem Lande, wo es beinahe keine Bäume gibt deren fallende gelbe Blätter die Herbststimmuna verkündeten. ü

Wir waren bei den letzten Häusern von Bagra­dan angekommen. Unser heutiges Ziel. Rasch stellten wir die Pferde in ein Haus an der Straße. Nun ging es auf die Suche nach Stallungen. Eine mühselige Arbeit, denn die Häuser lagen verstreut an dem Bergabhange links der Straße.

Auf der andern Straßenseite, dem Hause gegen­über, Rn dem die Pferde standen, war ein Grab Der Grabhügel war nahezu verscharrt. Ein wind­schiefes Kreuz, aus zwei verwahrlosten Stäben ge­bunden, sagte, daß hier unten jemand ruhte. Aber kein Name war angebracht.

Eben waren wir aus dem letzten Hause getreten. Unsere Arbeit war getan. An dem verwahrlosten Grabe fuhr ein Wagen vorbei; ein altes serbisches Weib trieb die Ochsen an. Eine junge Frau sprang vom Wagen herab und blieb an dem Grabe zurück kniete nieder und betete, betete mit einer Innigkeit! wie ich sie noch nie bei einem Menschen gesehen hatte. Als sie geendet, richtete sie sich auf und zündete eine Kerze am Fuße des Kreuzes an. Der Wind blies sie aus. Verzweiflungsvoll warf sich dre junge Frau zur Erde nieder. Lange blieb sie liegen, dann gruben ihre Hände emsig und hastig einen kleinen Erüwall, um die Kerze vor dem Winde zu schützen. Darauf zündete sie sie wieder

an, erhob sich und ging. Bald hatte der Wind die Kerze wieder gelöscht.

In der Ferne stand der Wagen auf einem Hügel der Straße. Die Alte saß am Straßen­abhang und schaute ohne sich zu regen in die graue Flut hinab.

Diese Begebenheit hatten wir schweigend mit

angesehen. Nun sagte mein Kamerad kurz: Ein

Serbe also! Vielleicht ihr Mann?" .Denkst du

noch an die Gräber in Tomaszow?", fragte ich

rhn. .Merkwürdig, an die habe auch ich gedacht"

erwiderte er mir. .Auch die Serben mußten ihr

Vaterland verteidigen. Sie opferten ihr Leben, ihr

Gut, ihre Kraft und Jugend. Opferten all dies für wen?"

.An all dieses dachte ich eben auch," fiel ich chm ins Wort. .Weil ihre Staatsführer es frevent- lich gewollt, mußten sie kämpfen, muhten ihr Land verteidigen und verloren dann ihre Heimat. Das Trostlose, aus diesem Grunde kämpfen, verlieren und sterben zu müssen, habe ich eben wie nie zu­vor gefühlt und erkannt; genau so stark wie ich das Gegenteil in Tomaszow empfunden habe."_

schweigend und langsam gingen wir zu unfern Pferden zurück. '

pte Siedtungsöervegung in

Kessen.

Die Bestrebungen zur Förderung der Ansiedlung haben in letzter Zeit in Hessen weitere Fortschritte gemacht. Die' von dem Ernst Ludwig-Verein hessischer Zentralverein für Errichtung billiger Wohnungen, gegründete gemeinnützige Ball­gesellschaft .Heimatdank'- hat eine Anzahl weiterer Mitglieder zu verzeichnen. Außer Pro­vinzen. Kreisen und Städten sind insbesondere einige hessische Großindustrielle der Gesellschaft mit größeren Geschäftsanteilen beigetrcten. U. a. wurden Betrage gezeichnet vga 50 000. 20 000 und 10 000 Mk. Weitere Beitritte sind zu erwarten.

Der Ernst Ludwig-Verein hat sich weiter um die Errichtung ne wer örtlicherBauoereine

bemüht. An erster Stelle steht die gemein­nützige Baugefellschaft für die Stadt Mainz, die bereits über ein Kapital von rund 900000-Mk. verfügt. In Offenbach steht die Errichtung einer gleichen Gesellschaft bevor. Für eine Anzahl Gemeinden der vorderen Bergstraße wurde vor einigen Tagen in Jugenheim eine ge­meinnützige Baugesellschast unter starker Beteiligung gegründet. In mehreren anderen Städten und Gemeinden sind die Verhandlungen zur Errichtung gleicher Unternehmungen bereits eingelcitet.

Der Siedlungsausschuß des ErnstLudwig-

,n * einer ätzten Sitzung beschlossen, auch die Vermittlung von Grundstücken auf gemeinnütziger Basis durchzufahren. Es liegen bereits eine größere Anzahl Angebote vor. sodaß

der Verein in der Lage ist. das starke Begehren nach Heimstätten, das namentlich von Kriegsbe­schädigten und Kriegerwitwen ausgeht, in vielen Fällen zu befriedigen. Der Ausschuß hat nunmehr einen erheblichen Einfluß aus die Preisgestaltung gewonnen, da er in der Lage ist. durch seine Organe den wirklichen Weit der angebotenen Grund­stücke festzustellen. Zur Dämpfung der Preistrei­bereien. die sich bereits in beunruhigendem Grade bemerkbar machten, hat auch das schon mehr er­wähnte Merkblatt des Verein« wesentlich beige­tragen.

Gelegentlich seiner Hauptversammlung hat der Veremeine Ausstellung mustergültiger Ent­wurf e für Kleinwohnungen veranstaltet. Es waren dabei außer Hessen noch eine Reihe anderer dedt- schen Bundesstaaten u. a. Bayern sowie die Pro- vmzen Rheinland und Westfalen vertreten. Die Ausstellung, die sehr viel Interesse gefunden hat. wird nunmehr auch in einer Reihe anderer hessi­scher Städte gezeigt werden. Sie soll einmal dem Siedlungsgedankcn neue Anregung geben, gleich­zeitig aber auch zur Hebung des Geschmacks bei Errichtung von Kleinhäusern beitragen.

Der Verein hat neuerdings eine weitere Auf- gäbe übernommen, die in der gemeinnützigen Beschaffung von Möbeln für minderbemit­telte Kciegsgetraute und sonstige Personen besteht. Auf diesem Gebiet ist gegenwärtig ein großer Not­stand zu beobachten. Es werden für alte und neue Möbel Preise bezahlt, die ein mehrfaches der Frie­denspreise betragen. Ein von dem Ernst Ludwig- Verein besonders errichteter Fachausschuß, der die Bezeichnung .Landesausschuß zur gemeinnützigen Beschaffung von Möbeln' trägt, ist mit Durch­führung dieser Aufgabe betraut. Der Ausschuß hat von mehreren hessischen Künstlern und von Schreiner­innungen Entwürfe für einfache Möbel Herstellen lassen und ist mit einer Reihe von Möbelfabriken und Handwerkerinnungen in Verbindung getreten, wegen Herstellung der Möbel und Verkauf derselben an den Ausschuß zu mäßigen Preisen. Die mit den Fabriken bisher getroffenen Vereinbarungen geben die Möglichkeit, die Möbel zu Preisen an die Abnehmer zu bringen, die als äußerst mäßig zu bezeichnen sind. Zahlenmäßige Angaben verbieten

sich indessen beim gegenwärtigen Stand der Sache noch. ' |

Auch den An- und Verkauf gebrauchter Möbel hat der Ausschuß organisiert und zu diesem Zweck >n einer Reihe von hessischen Städten und Ge­meinden Unterausschüsse gegründet, die diese Auf­gabe am Orte zu regeln haben. Es wird versucht, die Bevölkerung dafür zu gewinnen, die Möbel den Ausschüssen zu angemessenen Preisen zu überlassen. Die Ausschüsse lassen die Sachen, soweit nötig. Herrichten und verkaufen sie alsdann mit mäßigem Aufschlag, gegebenenfalls wird den Käufern ein entsprechender Kredit gewährt. Die Organisation ist noch nicht vollständig durchgeführt. indessen schweben in einer Anzahl von Gemeinden diesbe­zügliche Verhandlungen, die zu greifbaren Ergeb­nissen führen werden. Ueberall wo Unterausschüsse gebildet wurden, haben die Gemeindeverwaltungen Betriebsmittel zur Verfügung gestellt. Auch sind von einzelnen wohlhabenden Personen, insbeson­dere von Industriellen, weitere Gelder zur Verfü­gung gestellr worden.

Entsprechend einem Beschlüsse in der letzten Vorstandssttzung hat der Verein inzwischen einen Landesau sschuß zur Wohnungsfür­sorge für kinderreiche Familien er- richtet. Der Ausschuß wird seine Aufgabe dadurch zu lösen suchen, daß er einen größeren Fonds sammeln will, auS welchem Zuschüsse den kinder­reichen Familien gegeben werden sollen. Auch soll der Fonds den Erwerb von Eigenheimen durch solche Familien erleichtern. Außerdem soll auf eine starke örtliche Tätigkeit hingewirkt werden. Einmal will man auf die Gemeinden einwirken, damit die­selben die Wohnungsfürsorge für kinderreiche Fa­milien in die Hand nehmen, außerdem soll versucht werden, private Vereinigungen zu gründen, die eine Anzahl von Häusern mieten und verwalten, und die Wohnungen kinderreichen Familien zur Verfügung stellen. Die weiteren Einzelheiten dieser Tätigkeit werden gegenwärtig von dem Landes- auSschuß bearbeitet.