Ausgabe 
15.2.1918
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Nummer 7.

15. Februar 1918.

Deutsches Volk, erschlaffe nicht.

Werde fest und hart wie Stahl!

ZZis des Friedens Sonne bricht Durch mit gold'nem Siegesstrahl Durch^die blut'ge Kriegeswolke. .

Tue jeder in dem Volke Hart und eisern seine Pflicht!

W. Fabricius (im .Meldereiter im Sundgau', Kriegszeitung der 8. Landw.-Div., Nr. 60, 1917).

Der Krieg und die deutsche Arbeiterschaft.

Je länger der Krieg dauert, um so schwerer wird daS Durchhalten, besonders für die breiten Massen der kleinen Leute. Dennoch wird, wenn Gott unsere Ernten weiterhin segnet, e8 den ver­einten Bemühungen unserer Feinde nicht gelingen, Deutschland auSzuhungern. Ja, Großbritannien ist jetzt mehr von einer .Aushungerung* bedroht als Deutschland. Durchhalten und einmütig als Dolkkgenofirn zusammenstehen, muß die Parole für die kommenden entscheidungsvollcn Monate sein .Vergeht den Geist von 1914 nicht/ diese Mahnung Hindenburgs gilt cs mehr denn zuvor zu beherzigen. D'k Geist von 1914 ist es auch, der unS aus einem Büchlein, .Der Krieg und die deutsche Arbeiterschaft*, entgegenweht. D e Sammlung ist dazu bestimmt, .einige Züge aus dem großen Einigungk- und Läuterungkprozeß des Volkes während deS ersten KriegSjahreS für alle Zeit geschichtlich zu verewigen und für die Neu- ernstellung deS politisch-sozialen Urteils der denken« den Geister Deutschlands gegenwärtig zu halten*. Aus Grund zahlreichen literarischen Stoffes ävs Zeitungen, Zeitschriften, Flugschriften ur d Feldpost­briefen gibt Dr. Seyde eine ausführliche Schilderung der StimmungSwelt in der sozialistischen und frei* gewerkschaftlichen Arbeiterschaft während der ersten KriegSmonate. Dieses Bild wird von Pcosrssor Zimmermann ergänzt durch eine umsängltche Nach­lese auS der sozialistischen und sreigewerfichaftlichen LagrS- und Buchliteratur für das zweite Kriegs­halbjahr. Lbeiiso g'bt der Herausgeber unter Zugrundelegung der Veröffentlichungen der Hirsct- Dunckerschen und der christlichen Gewerkschaftspresse und sonstiger Kundgebungen eine Darstellung dieser StimmungSwelt. Weiter ist in diesen Rahmen ein kleinerer Aufsatz des christlichen Gewelkschastsoor. sitzenden Adolph Schaar eingesügt.

Don allen kriegspsychologischen Erlebnissen hat, wie Zimmermcmn betont, unbestritten das Aus wallen der vaterlündtschen Gefühle in sümtl'chen Lagern der deutschen Arbeiterschaft aus weite Kreise im In- und AuSlande den tiefsten Eindruck ge­macht. Aber auch für viele, die zwar von jeher die Ueberzeugung vertreten hatten, daß in der Stunde der Gefahr auch in der deutschen Arbeiterschaft jeder­mann feine Pflicht gegenüber dem Vaterlande tun werde, war e8 eine freudige Ueberraschung. zu sehen, in welch weitem Maße die nationale Inner­lichkeit und Tatkraft hervortrat. In jenen Tagen zeigte sich, »daß in einem sozial regierten Deutsch­land mit starken Arbeiterorganisationen der Vater- landSsinn der Mafien am fruchtbarsten gedeiht*. Wie der Berliner Nationalökonom Professor Herkner im zweiten Bande der neuesten Auflage seines Werkes .Die 9h6Mtetfrage* (S. 509) sagt, be­deutet der Krieg eine Katastrophe ohnegleichen für die Katastrophentheoretiker. .Ueberall scharte sich die Arbeiterklasse in ihrer erdrückenden Mehrheit fest um das nationale Banner, um Vaterland und Staat. Der Klassenkawps wich dem Burgfrieden. Der Kamps um Tod und Leben mit dem Aus­lande brachte uns eins der höchsten Güter, den Frieden im Innern. Ohne Unterschied von Klasse, Beruf und Konfession rückten alle Volksgenossen einander näher, reichten sich die Hände im Dienste sürS Vaterland. Es entstand eine Einheit und Tiefe der nationalen Empfindungen, daß kein Ding mehr unmöglich erschien. Neue, ungeahnte Kräfte wuchsen uns zu, und wir wurden im Kriege größer und stärker, als wir im Frieden gewesen waren/ ES ist herzerquickend, über die Stimmung jener Tage zu lesen, wie sie sich in den Feldpost­briefen der organisierten Arbeiterfchast kundgibt

und auch in der patriotischen Kriegslyrik. Es sei hier daS in seiner Schlichtheit ergreifende .Be­kenntnis* (K. Bröger, AuS meiner KriegSzeit, Nürnberg) wiedergegeben:

Immer schon haben wir eine Liebe zu dir gekannt. Bloß wir haben sie nie mit einem Namen genannt. Als man uns rief, da zogen wir schweigend fort.

Auf den Lippen nicht, aber im Herzen das Wort Deutschland!

Unsere Liebe war schweigsam; sie brütete tief versteckt. Nun ihre Zeit gekommen, hat sie sich hoch gereckt. Schon seit Monden schirmt sie in Ost und West dein Haus. Und sie schreitet gelassen durch Sturm und Wettergraus, Deutschland!

Daß kein fremder Fuß betrete den heimischen Grund, Stirbt ein Bruder in Polen, liegt einer in Flandernwund. Alle schützen wir deiner Grenze heiligen Saum.

Unser blühendstes Leben für deinen dürrsten Baum. Deutschland!

Immer schon haben wir eine Liebe zu dir gekannt. Bloß wir haben sie nie mit einem Namen genannt. Herrlich offenbarte es erst deine größte Gefahr,

Daß dein ärmster Sohn auch dein getreuester war. Denk es, o Deutschland!

Aber auch der innere Gegensatz, der sich im ersten Kriegsjahr in der Sozialdemokratie heraus- bildele, findet bei Zimmermann ausführliche Br- achtung. Ganz anders als die politische Ar­beiterpartei erleben den Krieg die freien Gewerk­schaften. die doppelt so viel organisierte Arbeiter- masien verkörpern wie die Partei. Für die Ge­werkschaften ist der Krieg .eine unmittelbare or­ganisatorische und wirtschaftliche Kraftprobe, ein Famil'.enschicksal, das eine Million der kräftigsten und fähigsten Glieder aus den Verbänden und ihrer Friedensarbeit aus die blutige Walstatt hinausgesührt und mindestens ebensoviel Angehörige dieser Kämpfer den Gewerkschaften zu unterstützen­der Fürsorge überantwortet hat*. Die hier ange­gebenen Zahlen sind im zweiten nnd dritten KriegS- jahre noch bedeutend gestiegen. Bei den deutschen Gewerkschaften (Hirsch Dunckerschen Gewerkverein), hat sich die warme vaterländische Gesinnung und Pflichttreue mit derselben Selbstverständlichkeit be­währt wie bei den christlichen Gewerkschaften und den konfessiomllen Arbeitervereinen. In den Feld­postbriefen vieler christlicher Gewerk,chastler tritt besonders der tiesrelig'öse Zug hervor, der auch in den heimatlichen Kriegsbetrachtungen der christlichen Arbeiterpresse manches Gegenstück findet. Die christlich-nationalrn Arbeiterorganisationen, denen schon von jeher gesammelte Kraft im Innern und nach außen die notwendige Losung für die Reichs­politik und auch für eine verantwortungsvolle Arbeiter Politik schien, haben im Kriege eigentlich nicht .umzulernen* brauchen. Aber ihre alten Grundsätze haben unter der Wucht der neuen Auf­gaben im Brausen des Krieges einen neuen Sinn und eine neue Kraft erhalten. Ihre ethische und nationale Erziehungsmission hat sich wesentlich ver­tieft und erweitert.

Der Krieg ist nicht zuletzt .ein Ezstenzkampf des sozialen Staates* und die Vereitelung des englischen Kriegsziels eine Lebensfrage der deutschen Arbeiterschaft. Halten wir nicht durch, fo kommt für die deutsche Arbeiterschaft .eine Krisis, wie wir sie seit Jena nicht erlebt haben*. Mit ernstem Nachdruck wird die wntschasttich'soziale Bedeutung des Krieges gewürdigt: .Eine Vernichtung Deutsch­lands als Welt- und Wirtschafismacht würde für die Arbeiter sinkende Löhne, wachsende Arbeits­losigkeit und einen vollständigen Stillstand in der Sozialpolitik und in der gewerkshaftlichen Be­wegung auf viele Jahre hinaus zur Folge haben Die deutsche Arbeiterschaft würde in wirtschaftlicher Beziehrmg um Jahrzehnte zurückgeawrfen.* Zu .einmütiger Mitarbeit zum sieghaften Durchhalten der Nation* haben die verschiedenen Gewerkschasts- verbände immer wieder aufgerufen. Jetzt heißt eS ganz besonders: Durchhalten, nicht bloß mit dem Herzen, sondern auch mit Magen und Händen! Für alle Stände und Kreise unseres Volkes gilt

es, einmütig und tatkräftig zusammenzustehen im siegreichen Durchhalten und dem Nächsten daS Durchhaltrn zu erleichtern, wo und wie es nur möglich ist. Die deutschen Arbeiter ohne Unter­schied sind mit ihren Führern eins in der Meinung hinsichtlich der vaterländischen Pflichterfüllung bis zum äußersten. Möge in dieser schweren Zelt in den deutschen Landen allüberall auch weiterhin das Lutherwort offene Ohren und Hrrzen finden:

Ein jedes lern sein Lektion,

So wird eS wohl im Hause stöhn.

August H tl lrin ghaus.

(Aus ..Furche", Jahrg 7. 1917, Berlin, Furcheverlag.)

Der Jeind im Kaufe.

Unter diesem aufwcckenden Titel ist soeben bei der Deutschen Landbuchhandlung, Berlin, in 3. Auflage eine packende und volkstümliche kleine Aufklärungsschrift erschienen, herausgegeben im Auftrag deS Deutschen Vereins für ländliche Wohl- fahrts- und Heimalpflege und unter Förderung einer Reihe bekanntester Persönlichkeiten des öffent­lichen Lebens von dem bekannten Dolksschriststeller Fr. Lembke. Der .innere Feind*, die große Volks- gesahr, der der Mahnruf gilt, sind die verheeren­den Geschlechtskrankheiten, die immer allseitiger in ihrer brennenden Bedeutung für unsere VolkSkraft und VolkSzukunft erkannt werden. Der zweite Teil entwirft nach vorausgegangener eingehender Aufklärung über den heranziehenden und großen­teils schon eingedrungenen Feind Wege und Methoden des Kampfes gegen ihn. Hierbei ist natur­gemäß ein zuvorderst wichtiges Kapitel: .Wie

schützt man sich gegen Geschlechtskrankheiten?* Ein besonders beachtenswerter kleiner Abschnitt hierin lautet folgendermaßen: .Die Berichte der Ge-

schlechtSkrankeiten bezeugen in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle, daß der Alkoholgenuß der erste Anfang aller Ausschreitungen war. Und wer daS Leben auch im kleinen Dorfe genau beobachtet, weiß, wie oft der Alkoholgenuß zur Unstttlichkeit führt. Wer eine Heilung will, darf keinen Trcpfen Alkohol, auch kein Bier trinken. DaS darf ihm erst der Arzt wieder erlauben. Trunkenheit ist für jeden Menschen eine Schande, für die Jugend doppelt; sie braucht überhaupt keinen Alkohol. Wie im Kriege allerlei einschränkende Maßregeln ent­standen sind, so sollte man solche auch in der kommenden Friedenszeit festhalren, und daS ganze Volk sollte es als seine Ehrenpflicht ansehen, für genaue Durchführung zu sorgen. Nüchtern und stark! das muß unsere Zukunftsausgabe sein/

verwundete und erkrankte Kriegs­teilnehmer

verlieren oft ihre Ansprüche besonders aus der Kranken- und Invalidenversicherung, weil sie über die in Frage kommenden Bestimmungen nicht ge­nügend informiert sind. Es kann deshalb allen Kriegsteilnehmern oder sonstigen HeereSanzehörigen, die auf dem Gebiete der Kranken- und Invaliden­versicherung. Familienunterstützung, Kciegswochen- hilse usco. über irgend eine Frage im Unklaren sind, nur empfohlen werden, sich von der seit einem Jahre bestehenden Verwundetenberatungsstelle (Sprechstunden DienStag und Freitag von 2 V % bis 3 y a Uhr im Soldatenheim) beraten zu lassen, wo­selbst auch alle erforderlichen Schriftstücke unent­geltlich angefertigt werden. Soweit die Ratsuchen­den nicht ausgehen können, wollen sich dieselben schriftlich au den Leiter der Beratungsstelle. Bureau- beamten H. Kirchner, Gieß-.n, Schiffenberger Weg 16, wenden, der auf Wunsch bereit ist, die Raisuchenden in den Lazaretten zu besuchen.

Die Derwundeten-Aeratungsstelle.