LaMrklts Neikung«
An die Kameraden in den
Lazaretten!
Friede, Friede um jeden Preis!
Kameraden! Wem ist dieser Gedanke nicht schon einmal durch den Kopf gegangen, oder wer hat bei Unterhaltungen nicht schon einmal die Meinung zum Ausdruck gebracht wie: .Der Krieg hat lange genug gedauert, es hat Opfer genug gekostet, wir wollen, wir müssen Frieden haben, Frieden um jeden Preis."
Ich verstehe diese Gedankengänge und kann es nachsühlen, was Euch bewegt. Habt Ihr aber auch einmal darüber nachgedacht, was eS bedeutet: Frieden um jeden Preis?
Friede können wir haben. Werden'unserer Regierung die Mittel vorenthalten, die zur Fortsetzung des Krieges notwendig sind, so ist sie gezwungen Friede zu schließen.
Aber was für einen Frieden? Einen Frieden, der uns, unsere Kinder und Kindeskinder zu Knechten und Sklaven anderer Völker verurteilen würde. Wollt Ihr etwas derartiges noch ertragen, nachdem Ihr Gut und Blut geopfert?
Wollt Ihr Euch als freie deutsche Männer neben der Knechtschaft noch die ins Ungeheure gewachsenen Milliarden Kriegskosten unserer Feinde aufbürden lassen? Wollt Ihr einen Frieden, dessen ungeheure Lasten nicht nur die Reichen und Vornehmen, das gesamte deutsche Volk und Euch treffen, den kleinen Bauern sowshl wie den Großgrundbesitzer, den Taglöhner wie den Kapitalisten, den Fabrikarbeiter wie den Fabrikbesitzer?
Nun und nimmermehr können und dürfen wir etwas derartiges wollen, denn ein solcher Friede würde nichts weniger bedeuten als den vollständigen Ruin unseres Vaterlandes.
. Unsere Kameraden in den Schützengräben, unsere dereinst wiederkehrenden, seit Jahren in Gefangenschaft schmachtenden Kameraden, unsere Frauen und Kinder würden uns verachten und verfluchen.
Alles das, was Ihr mit ihnen bis heute getan geschafft, entbehrt und gelitten habt, wäre umsonst gewesen, jeder Tropfen Blut ist unnütz vergossen,
wenn wir jetzt versagen und nicht das letzte noch aufbleten würden.
Nun und nimmermehr können und dürfen wir emen solchen Frieden wollen, jetzt erst recht mcht mehr, wo Rußlands Schlagkraft gelähmt 'st- jetzt, wo Englands Hilfe durch die täglich wachsenden Erfolge unserer heldenhaften U-Boot- leute zu versagen droht, wo Amerika nichts mehr ändert und der Weg zum Frieden frei ist.
Kameraden! Es geht der Entscheidung entgegen. Nur ein Gedanke darf und soll uns heute noch beherrschen:
durchhalten und siegen!
Das deutsche Volk, und Ihr mit ihm, habt in den vergangenen drei Jahren bewiesen, daß es kann, wenn er. will — und es will. Bald bricht ern neuer Morgen an, an dem unsere Feinde rufen müssen: .Wir können nicht mehr."
Haltet durch, wir können es. Wenn auch die Kost schmal ist, so haben wir doch gelernt uns einzu-
und Gold und Eisen hoben wir noch, schmiedet Waffen daraus.
Wir wollen und müssen uns den Frieden er-
Blut und Schweiß, mit Hammer und Schwert, m.t der letzten Mark und dem eisernen Willen.
Durchhalten und siegen!
G-fr. Schöfer. z. Zt. Res.-Laz,, Gieß
en
Wie Aöelsöerg bekehrt
worden ist.
Von Peter Rosegger.
Sie ist ja allbekannt, die Predigt von Pater Abraham a Santa Clara, in welcher er von der Sünderin Magdalena sprach. .Und auch unter meinen Zuhörern sitzt eine solche Magdalena! Wollt ihr's wissen, welche? Dort! Paßt auf. ich werfe dieses mein Buch nach dem Haupte der Sünderin1* Er hob zum Wurfe aus; alle weiblichen Zuhörer, alle duckten die Käpfe. — .Was?" rief der Prediger, .ich Hab' geglaubt, es wäre nur eine da!"
Und ein andermal: .Die Jungfraueu der Wienerstadt all: auf einem Schubkarren getraue ich mir sie hinauszufahren!* Das war denn doch etwas zu viel für die hohen Herrschaften der kaiserlichen Residenz. Der Pater wurde aufgefordert, sein Wort öffentlich zu widerrufen. .Ich widerrufe gar nichts,' sagte er bei seiner nächsten Predigt. .wie gesagt, auf einem Schubkarren! Ich
Hab' ja nicht angegeben, wie oftmals ich fahren will!"
Der gute Pater Abraham freilich, der konnte es tun und konnte stets entschlüpfen, wie es nicht jeder kann, der es will.
Auch der Herr Seelsorger von Ober-Abelsberg wollte ein Pattr Abraham sein, denn Abelsberg war euch mitunter schon gar ein liederlich Nest. — „Bei uns dahier," rief er ir^einer seiner Predigten, „bei uns dahier liegen die Junggesellen und Jungfrauen alle noch in der Wiegen! Auf allen Gassen und Straßen, beim Aufstehen und Wirtshausgehen, bei btr Arbeit und bei der Schüssel, beim Rosenkranz bis zum Amen sind Männlein und Weiblein beisammen. Ein wildes Ehebett ist
die ganze Gemein', na, da möchr' der Teufel euer Pfarrer sein!"
Reckten sich bei dieser Predigt in den Kirchenstühlen einige Köpfe höher. Der Richter macht schon den Mund auf. - ,.Ah na," denkt er. „in der KIrch' heb' ich keinen Unfried an," und duckt wieder zusammen und läßt das Hochgewitier von der Kanzel ruhig über sich ergehen und murmelt: „Schrei' du nur zu da oben und hau' die Faust
nur rechtschaffen in die Kanzel 'nein: morgen wirst heiser sein."
Und als der Seelsorger oben besagtermaßen genugsamlich Scheiter in die Hölle getragen hatte, zündete er den Haufen an, will sagen: machte seinen Zuhörern durch eine schauderliche Darstellung des ewigen Feuers die Hölle heiß. Ein ordentlicher Schwefelgeruch war in der Kirche schon zu verspüren, manches alte Männlein vergoß Angstschweiß und manches alte Weiblein zog seine Beine ein, weil es an den Zehen schon die ewigen Flammen zu spüren vermeinte. Und das junge Volk, dem zu Ehren die Predigt eigentlich gehalten wurde, m die Fäuste kicherte es hinein und unter den Bänken trat es sich einander mit den Schuhspitzen.
Der Herr Pfarrer hatte sich für den selbigen Mittag einen prächtigen Appetit herausgepredigt. Und — ganz wie der Richter berechnet hatte — am andern Tag war der Herr Pfarrer so heiser, als wäre seine Luftröhre über und über mit Bärenpelz ausgefüttert.
Wurde an diesen Tagen einmal ganz besonders höflich an die Tür geklopft. — „Sicherlich wieder so eine verdächtige Kindstaus'I" murmelt der Psarrer und reißt, weil er zu einem derben „Wer ist's?" keine Stimme hat, die Tür auf. Wird aber sofort gelassene,!. als er im Vorhause eine große Zahl von Männern aus seiner Gemeinde erblickt. Alle haben, wie der Herr Pfarrer erschienen, die Hüte eilig vom Kopf gerissen, sind sich mit der flachen Hand mehrmals über das Haupt gefahren, um die allweg widerspenstigen Locken zu glätten; treten hierauf ins Zimmer, und der Aeltesten einer hebt an so zu reden:
„Wir haben schon die Grobheit. Hochwürden,
daß wir gleich so uneben ins Haus hereinkrachen.
Küssen die Hand!.— Und was wir halt saaen wollten —"
„Setzt euch, liebe Leute, so viel Sessel zur Versagung stehen." lud der Pfarrer leutselig ein.
„Bedanken uns; mögen schon auch stehen. Und daß wir gleich gradweg reden — der Sonntagspredigt wegen täten wir halt da sein. Gottswahr- haflig. Hochwürden, das ist mal ein wahres Wort gewesen, so recht ein Pfarrhcrrnwort; sakra 'nein, das hat uns an'griffm. — 's ist wohl richtig, unsere Gemein' ist hundsschlecht über und über, muß eine Veränderung nehmen — wohl, wohl' Hochwürden!' ’'
Der Pfarrer lächelte wehmütig und flüsterte salbungsvoll: „Gott walt's!"
- "®“ ä ift ^wiß!" sagte der Sprecher, „und wir Männer sind zusamm'gestanden und haben ge^gt: Und wollt' sich einer schon vor der Höllen scheuen, so kunnt's doch 'leicht zeitlich einen schlechten Schick haben. Wissen uns eh schon nicht mehr aus mit den ledigen Kindern, die der Gemein' heut in der Schüssel liegen und in Alterstagen wieder in. der Schüssel liegen werden. Und ein Spott ist's auch. Desweg, 's muß eine Veränderung nehmen. - Jetzt, was mich angeht, mich selber, wie ich dasteh', ich verbleib', wie ich bin- tat s mt mehr ,m stand sein, daß ich in meinen alten Tagen noch ein' Unehr' wollt' aufheben —
Und so" — er wendete sich zu seinen Mitmännern — „redet ihr eure Sach'."
'^-^mmiger Bursch trat hervor: „Ich dank' mem Madel ab, muß eh zu den Soldaten."
_ Ein rotbärtiger Geselle: „Mein'Dirn, die lass'
ich mtl Aber die Gemein', die duldet uns nit, und wir wandern aus."
Ein behäbiger Bauer stellte sich vor den Pfarrer: „Ich Heirat' die weine gleich auf- der Stell'!" und trat zurück. '
©in anderer: „Tät meinen Schatz auch heiraten , kriegen aber nicht die Erlaubnis dazu' untreu werden will ich nicht, jetzt, was sang' ich an?"
,Wie der Will'," belehrte der Seelsorger, „mußt sie aufgeben, die schlechte Bekanntschaft, mußt schön in Ehrsamkeit leben."
„Werd's halt einmal probieren," versetzte der andere und trat zurück.
Ein schwarzer und wildnarbiger Kohlenbrenner schritt herfür: „Rechtschaffen bedanken muß ich mich für die scharf Predigt, hätt' sie eh schon lang' gern verjagt, meine Liebste; glaubt Ihr, es wär' gegangen, das Beest? Jetzt aber kann icij ihr bei; dem hochwürdizen Herrn seine Sonntagspredigt halt ich ihr vor — da läuft sie zuweilest davon."
Ein Holzhauer sagte: „Ganz lassen werd' ich halt meine Kathel nicht könnest; 's ist ein blut- arm' Ding; daß ich ihr des Sonntags ein Seidel zahl', beim Kirchenwirt, ich sag', 's selb kann mir die christlich' Nächstenlieb' nit wehren."
„Gewiß nicht," antwortete der Pfarrer, „wenn's beim Seidel nur auch bleibt!"
„Und wär's letzlich eine Halbe, weil ich auch mittrink'?"
„Ja, ja, aus der Halben wird eine Ganze!" rief der Pfarrer, „bete mein Sohn, nach des Herrn Wort: Führ' uns nicht in Versuchung!"
„Wohl, wohl," sagte der Holzhauer, „will schon fleißig beien."
Ein Bauernknecht schlich heran, walkte den Hut mit beiden Händen und flüsterte: „Wenn's darauf ankommt, Hochwürden, so brauch' ich gar keine, aber zum Waschen und Flicken muß einer wen haben. Und halt auch, daß einer, der kein' Vater und kein' Mutter und kein' Geschwister nit hat, daß er immer einmal doch gern ein Eichtel plaudern wollt' mit einem Menschen und gern wen mögen wollt', der ihn ein bissel lieb tät haben."
Ein alter Bartstrupp humpelte vor: „Und ich auch. Hochwürden, möcht' mich halt bessern. Meine Liebschaft ist auch nichts nutz."
Ihr seid ja verheiratet." sagte der Pfarrer.
.Das wohl, aber meine Alte, die ist euch häßlich wie die Nacht und bös wie eine wilde
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